Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Schönau Kerschensteiner Gemeinschaftsschule bietet Schülern Rückzugsort an

Entspannen auf der "Insel"

Manchmal wünscht man sich auf eine einsame Insel - an einen Ort, an dem man sich zurückziehen kann. Bei der Kerschensteiner Gemeinschaftsschule gibt es das jetzt mit dem Insel-Raum. Er ist mit einer Feierstunde eingeweiht worden.

"Dieser Raum ist für alle Kinder gedacht, die aus verschiedenen Gründen ab und zu in kleineren Gruppen arbeiten sollten", sagt Rektorin Christine Senger. "Das sind Kinder, die mehr Aufmerksamkeit brauchen oder einen Anspruch auf ein sonderpädagogisches Förderangebot haben, zum Beispiel Hochbegabte." Die Insel sei außerdem ein Ruhepol im Schulalltag. Die Kinder seien bis 16 Uhr in der Schule. "Es schaffen nicht alle, den ganzen Tag im Klassenzimmer zu verbringen."

Die Entwicklung des Konzepts dauerte ein Jahr. Die Kosten von mehreren Tausend Euro seien überwiegend durch Sponsoren gedeckt - etwa Volksbank Sandhofen, EurochemAgo, Pepperl+Fuchs und BASF.

Gemütlich ist es in dem Zimmer, das in einem freundlichen Mint-Ton gestrichen wurde. In der einen Ecke können sich die Kinder auf Ergometer oder am Boxsack auspowern. Ein Buchregal dient als Raumtrenner. Dahinter befindet sich die Chill-Ecke: Die Couch mit Betthimmel lädt zum Lesen und Entspannen ein.

Wer gern handwerklich tätig ist, ist in der Werkecke richtig. Und schließlich gibt es dank der kleinen Küche die Möglichkeit, eine kleine Mahlzeit zuzubereiten, um gemeinsam zu essen. Auch ein Garten gehört dazu, um den sich Kinder und Lehrkräfte gemeinsam kümmern.

Der Raum sei in der Region einzigartig, erzählt Christine Senger. Je sieben Kinder dürfen sich gleichzeitig darin aufhalten. Zwei von insgesamt acht Aufsichtskräften, Lehrer oder Schulsozialarbeiter, betreuen die Schüler.

Beim Einrichten mit angepackt

Es gebe drei Wege, um in den Inselraum zu kommen: Das Kind habe Anspruch auf regelmäßige Förderung und Betreuung. Oder es werde akut aus dem Unterricht genommen, etwa, weil es sich abreagieren müsse. Schließlich als Belohnung über Gutscheine: "Jeder Lehrer erhält zwei Gutscheine pro Monat in jeder Klasse", sagt Senger. Wie er sie verteile, sei dem Pädagogen überlassen. Es könne für besonders hilfsbereites Verhalten sein - oder wenn das Kind sich stark verbessert habe.

Die Vorschläge, wie das Konzept umgesetzt wird, stammten zum Teil vom Insel-Experten-Team: Die Kinder teilten mit, wie ihrer Meinung nach die Wände aussehen sollten, welche Bücher und welche Geräte sie sich wünschten. Auch beim Zusammenbauen der Möbel und Streichen packte die Gruppe mit an.

Erris ist begeistert vom Ergebnis. Aufs Kochen freut er sich besonders. Denn er möchte seinen Mitschülern die Küche aus dem Kosovo näherbringen, der Heimat seiner Eltern. "Am besten gefällt mir aber die Chill-Ecke", sagt der Zwölfjährige. "Ich mag sie wegen der Ruhe."