Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Gräfin Sophie von Bechtolsheim über ihren Großvater Claus Schenk Graf von Stauffenberg

„Er war kein Attentäter, er wollte den Umsturz“

Archivartikel

Sophie von Bechtolsheim ist die Enkelin des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Nun hat sie ein Buch über den 20. Juli 1944 geschrieben. Aus diesem Buch las sie bei den Kulturtagen Waldhof im voll besetzten Café Landolin.

Sophie von Bechtolsheim erzählte von den zahlreichen, unterschiedlichen Stauffenberg-Bildern, die ihr im Laufe ihres Lebens begegnet sind – in der Wissenschaft, in den Medien, aber vor allem in der eigenen Familie. Sie fragt danach, wie Stauffenberg und die anderen, oftmals vergessenen, Protagonisten des 20. Juli heute noch Vorbilder sein können. Sie erkundet die Kehrseite der Verantwortung, die Schuld, und stellt sich die Frage, wie viel uns heute Freiheit wert ist.

„Die Anregung, das Buch zu schreiben kam nicht von mir, sondern vom Verlag. Meinen Großvater kannte ich nur vom Hörensagen“, so die Autorin zu Anfang. Bewusst versucht sie, die seit Jahrzehnten vorherrschende Festschreibung seiner Person als „bloßen“ Attentäter zu durchbrechen, ihn nicht als Objekt unserer Projektionen wahrzunehmen, vielmehr in einer subjektiven Annäherung Person und politischen Hintergrund zu vermitteln. Damit gelingt ihr, die nationalsozialistische Suggestion, dass es sich bei dem Attentat nur „um eine ganz kleine Clique“ gehandelt habe, zu widerlegen. Viele Mitglieder des Widerstands kamen aus dem gleichen Milieu, wobei die Enkelin unterstreicht, ihr Großvater „war kein Attentäter gewesen, er hat bloß den Umsturz gewollt.“

Locker und humorvoll

Die Erzählung kommt locker daher, voll Humor und Selbstironie, ergänzt durch private Episoden aus Stauffenbergs Leben. Eingebunden in die Sozialisation einer konservativen, dem Standesdenken verpflichteten Familie, geformt sicher auch durch das Denken Stefan Georges, kristallisierte sich aber spätestens seit Anfang 1942 ein Ablöseprozess von diesen Normen heraus, der in Erkenntnis des absolut verbrecherischen NS-Systems in den Entschluss mündete, Hitler zu beseitigen. Bechtolsheim verweist auf Stauffenbergs ausgeprägtes Ethos der Mitmenschlichkeit und sein Rechtsempfinden.

Zu Beginn hatte Bürgermeister Christian Specht, der wenige Meter vom Landolin entfernt geboren wurde, der Autorin ein Buch als Geschenk überreicht und sie eingeladen, das Marchivum als Ort der Stadtgeschichte näher kennenzulernen und dort zu lesen.