Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof/Sandhofen SPD will Übergangslösungen für Krippen und Kindertagesstätten / Stadt hält Container als Provisorien für grundsätzlich machbar

„Es ist uns wichtig, hier schnell zu reagieren“

„Ich bekomme jeden Tag die Ängste der Eltern mit“: Mit diesen Worten hatte Kerstin Helmling, die Leiterin des Eltern-Kind-Zentrums Speckweg auf dem Waldhof, im Bezirksbeirat die schwierige Betreuungssituation in den nördlichen Stadtteilen auf den Punkt gebracht. Viele Eltern suchen händeringend einen Kita- oder Krippenplatz oder müssen weite Wege in Kauf nehmen.

Auf die Engpässe hat die SPD-Gemeinderatsfraktion mit zwei Anträgen reagiert, die in der jüngsten Sitzung in den zuständigen Bildungsausschuss verwiesen wurden. Demnach sprechen sich die Sozialdemokraten dafür aus, in Käfertal, Waldhof, Gartenstadt und Sandhofen „zeitnah Übergangslösungen“ zu schaffen, „um die Versorgung mit ausreichend Krippen- und Kindergartenplätzen zu erreichen“. Die Verwaltung solle dem Rat außerdem darlegen, „welche Optionen bereits geprüft wurden. Die notwendigen Mittel werden aus dem Gesamthaushalt zur Verfügung gestellt.“

Durch die Geburtenentwicklung und Nachverdichtung im betroffenen Gebiet steige die Nachfrage nach Betreuungsplätzen, begründet die SPD ihre beiden Anträge. „Bereits jetzt ist klar, dass im September 2019 dort viele Kinder keinen Kindergartenplatz werden erhalten können, sollte es keine rasche Lösung geben“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Lena Kamrad. Der Ausbau auf Franklin werde „wenig Abhilfe schaffen können, da dort auch entsprechend viele Kinder hinziehen werden, die die Plätze benötigen. Es ist uns wichtig, hier schnell zu reagieren und die notwendigen Betreuungsplätze zu schaffen, notfalls auch mit Übergangslösungen.“

Bei solchen Provisorien denkt die SPD unter anderem an Containerlösungen. Die Verwaltung teilt dazu auf Anfrage des „MM“ mit, das sei „generell möglich. „Voraussetzung ist natürlich immer ein geeigneter, verfügbarer Standort. Bislang sind im Rahmen der beschlossenen Ausbauplanung hierfür im laufenden Haushalt keine Mittel eingeplant.“

ML: Freie Träger unterstützen

Unterstützung erhält die SPD von ihren örtlichen Bezirksbeiräten, die auch Ideen für von der Verwaltung zu prüfende Standorte einbringen. Denn, wie die Sprecherin der SPD-Bezirksbeiräte in Käfertal, Melanie Seidenglanz, ergänzt: „Hinter jedem unversorgten Kind steht eine Familie. Im Zweifel müssen Arbeitsstellen oder Ausbildungsverträge gekündigt werden, wenn junge Familien keine adäquate Betreuung vorfinden. Das wäre ein fatales Signal.“

Auch der Sprecher der SPD-Bezirksbeiräte auf dem Waldhof, Stefan Höß, unterstützt den Antrag: „Es muss der Entwicklung in den Stadtteilen mit schnellen und adäquaten Mitteln begegnet werden. Wir können junge Familien, die einen Betreuungsplatz vor Ort brauchen, nicht alleine lassen.“

In derselben Gemeinderatssitzung, in der die SPD-Anträge behandelt wurden, ging auch die Mannheimer Liste auf das Thema ein. Sie fordert von der Verwaltung „ein Konzept zur gerechten Finanzierung der Kinderbetreuungseinrichtungen“, eine Bedarfsprognose für die nächsten zehn Jahre und die voraussichtlichen Investitions- und Sanierungskosten.“ Auch dieser Antrag wurde zur weiteren Beratung in den Bildungsausschuss verwiesen.

In ihrer Begründung geht die ML auch auf die Situation der Freien Träger ein, die insbesondere bei Einrichtungen der evangelischen Kirche in den nächsten Jahren zu Schließungen führt. Nicht zuletzt aufgrund höherer baulicher Anforderungen seien die Kosten stark gestiegen. „Eine Folge daraus ist, dass einige Freie Träger Betreuungsgruppen abbauen, da die Finanzmittel für die erforderlichen Sanierungen nicht aufgebracht werden können.“ Um das Angebot an Plätzen aufrecht erhalten zu können oder auszubauen, wird es nach Ansicht der ML erforderlich sein, dass den Freien Trägern vonseiten der Stadt die Investitionsmittel in der Höhe zur Verfügung gestellt werden, wie das auch bei vergleichbaren städtischen Maßnahmen der Fall sei.