Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Hallenbad im Osten des Stadtteils feiert am 27. November seinen 50. Geburtstag / Erinnerungen an die ersten Jahre

Gefragter Schwimmmeister

Lustige Wettkämpfe, Herumtollen mit Wasserspielgeräten, fetzige Musik: Ein abwechslungsreiches Animationsprogramm bot die Stadt den Besuchern des Hallenbads Waldhof-Ost am vergangenen Sonntag. Grund: Die beliebte Freizeiteinrichtung ist an diesem Mittwoch auf den Tag genau 50 Jahre alt. Aber dass noch ein paar weitere Jahrzehnte dazukommen, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn die Stadt favorisiert ein neues Hallenbad am Carl-Benz-Bad. Wegfallen könnten dafür die Sportstätten auf Waldhof und Vogelstang (wir berichteten).

Die Erinnerungen freilich bleiben. Gerne denkt Claudia Redlich, geborene Kobold, an die ersten Jahre nach Eröffnung des Hallenbades Waldhof-Ost zurück. Ihr Vater war der erste Betriebsstellenleiter des Waldhofer Hallenbades, Oberschwimmmeister Willi Kobold. „Unser Vater hat sozusagen am Bau des Bades mitgewirkt. Einige von seinen Vorschlägen sind schon ins Gebäude mit eingeflossen“, blickt Redlich zurück. Willi Kobold habe „sein Bad“ quasi mit nach Hause genommen. „Mit der Inbetriebnahme von Waldhof-Ost bekamen wir sogar ein Telefon, und das war auch notwendig. Denn ständig wurde der Oberschwimmmeister angerufen wegen Schlüssel oder betriebstechnischen Fragen“, berichtet Claudia Redlich.

Ganz toll fanden seine drei Töchter, dass sie so oft wie möglich das Hallenbad nutzen konnten. „Damals waren die Eintritte für Familienangehörige in die städtischen Einrichtungen noch kostenfrei. Wir Kinder nutzten das Angebot und gingen auch ins damalige Eisstadion am Friedrichspark und im Sommer ins Carl-Benz-Bad.“

Von Ludwig Ratzel angestoßen

21 Jahre hat Willi Kobold das Bad geleitet, nach beruflichen Tätigkeiten bei den Amerikanern und beim Benz wechselte er zur Stadt Mannheim. Dort arbeitete er als Eismeister im Friedrichspark, und danach bekam er eine Stelle im Herschelbad. Doch die Erfüllung fand er in seinem Hallenbad Waldhof-Ost. Der Kontakt zu den Menschen lag ihm – nicht nur als Bademeister, sondern auch als Gesprächspartner der Badegäste.

Den Anstoß zum zweiten Hallenbadbau nach dem Herschelbad gab der damalige Erste Bürgermeister und spätere Oberbürgermeister Ludwig Ratzel. Er ermunterte die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBG), eine Tochter der Stadt, auf dem Waldhof ein Bad zu bauen, das die Stadt pachten wollte. Anders wäre es nicht möglich gewesen, da damals in den städtischen Kassen keine Mittel zum Bau zur Verfügung standen.

Am 27. November 1969 war feierliche Eröffnung des Bades in der Offenbacher Straße mit einem Staffelwettbewerb der Schuljugend. Den Pachtvertrag unterschrieben der damalige Sportbürgermeister Manfred David und Stadtbaudirektor Beirer.

Behinderengerecht ausgestattet

Für das leibliche Wohl der Badegäste gab es von Beginn an eine Cafeteria. 1986 wurde die Sportstätte behindertengerecht ausgestattet. Und im selben Jahr wurde eine Besonnungsbrücke installiert, auf der sich die Besucher bräunen konnten. Diese gibt es wegen gesundheitlicher Bedenken längst nicht mehr – dafür aber eine Elefantenrutsche ins Kinderbecken. 1994 kam eine Schwallwasserdusche dazu – hilfreich bei Verspannungen von Schultern und Nacken.

Zahlreiche Kinder und Jugendliche haben hier im zurückliegenden halben Jahrhundert schwimmen gelernt. An der regelmäßig stattfindenden Wassergymnastik beteiligen sich viele Seniorinnen und Senioren, und auch von Schulen und Vereinen wird das Bad ausgiebig genutzt.

Das Waldhofer Hallenbad ist kein Freizeitbad im modernen Stil. So war es auch nicht geplant. Es sollte seinen Badegästen die Möglichkeit bieten, sich sportlich zu betätigen und somit etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Aber bald wird es wohl nur noch in der Erinnerung der jetzigen Badnutzer fortleben.