Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Jugendtheatergruppe Mannheim 2016 feiert mit „Anne & Zef“ Premiere bei den Kulturtagen

Gespräche auf einer Bank im Jenseits

Archivartikel

Über die pechschwarze Bühne schiebt sich weißer Kunstnebel. Plötzlich hallt ein Knall durch den Saal, und ein junger Mann in einem Unterhemd sinkt zu Boden. Mit einer blutigen Schusswunde auf der Hemdbrust tritt diese fiktive Figur namens Zef Bunga, gespielt von Joshua Ritter, ins dunkle Jenseits hinüber, wo der soeben Verstorbene auf die tote Anne Frank trifft, verkörpert von Lara Kreidermacher. Im Franziskussaal auf dem Waldhof feierte das Theaterstück „Anne & Zef“ des holländischen Autors Ad de Bont in einer Inszenierung der Jugendtheatergruppe Mannheim 2016 e.V. jetzt im Rahmen der Kulturtage Waldhof seine umjubelte Premiere.

Auf einer Gartenbank sitzt Anne Frank, das jüdische Mädchen aus Frankfurt, das sich mit seiner Familie während des sogenannten Dritten Reichs in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis versteckt hielt und schließlich doch dem Holocaust zum Opfer fiel. Nach Ankunft des erschossenen Jungen Zef Bunga in der unbekannten Ewigkeit kommt Anne Frank ins Gespräch mit dem Neuankömmling.

Drehbare Kulissen

„Ich war 15, als ich starb. Hier wird man nicht älter, man bleibt immer gleich alt“, empfängt das Mädchen den ruppigen Burschen. „Hast du nicht mein Buch gelesen? Wie findest du mich? Nicht als Schriftstellerin, als totes Mädchen“, erkundigt sich Anne Frank, die ins kollektive Gedächtnis der Geschichte als ewige Jugendliche einging. Und ihr Gesprächspartner erwidert: „Du bist ganz schön mühsam.“

Immer wieder wechselt das Theaterstück, in dem es um Naziterror und Blutrache geht, zwischen zwei Schauplätzen, zwischen der weißen Gartenbank im nebulösen Jenseits und dem Küchentisch der Eltern von Zef Bunga (dargestellt von Stella Schuler und Peschawa Abdullah) im krisengebeutelten Diesseits. Auf der Bühne agiert das Ensemble in drehbaren Kulissen, die altmodische Küche von Zefs Eltern, über der eine simple Glühbirne leuchtet, bewegt sich um die eigene Achse.

„Wenn wir hier alles verkaufen, haben wir genug Geld, woanders neu anzufangen“, schlägt Zef Bungas Vater, der vor Wut auf die Tischplatte haut, seiner hysterischen Ehefrau vor. Später ertönt körperloses Stimmengewirr aus den Bühnenlautsprechern. Außerdem geraten die beiden Eltern in einen Streit über die bedrohte Familienehre. „Blutrache betrifft nur die erwachsenen Männer, Kinder und Frauen nicht“, erklärt die rothaarige Ehefrau in Bezug auf den überlieferten Ehrenkodex namens „Kanun“ aus Albanien. Für einige abgründige Monologe, in denen Anne Frank aus ihrem menschenunwürdigen Alltag in Lagerhaft berichtet, stellt sich Darstellerin Lara Kreidermacher alleine in ein grelles Scheinwerferviereck.

Nach der Aufführung des Stücks „Anne & Zef“ findet ein Nachgespräch unter Leitung von Regisseur Thomas Kreidermacher zwischen den Schauspielern und den Besuchern statt. Wie haben sich die Darsteller, die sich dem Theater rein in der Freizeit widmen, auf ihre Rollen vorbereitet? „Wir haben Dokus angeschaut, und ich habe den Anfang des Anne-Frank-Tagebuchs gelesen“, erläuterte Schauspielerin Lara Kreidermacher, die 21 Jahre alt ist und Informatik im dritten Semester an der Mannheimer Hochschule studiert. Und ihr die Truppe leitender Vater Thomas Kreidermacher, der im Vorfeld das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besucht hat, versicherte ergänzend: „Es kommt aus dem Ensemble heraus, wie wir Szenen setzen, das ist nicht mein Verdienst.“