Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Gartenstadt Gnadenkirche feiert 70-jähriges Bestehen / Festgottesdienst am 30. Juni mit Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh

Gotteshaus zum Schutz der Jugend

Als eine von deutschlandweit 43 Notkirchen wurde die Gnadenkirche in der Gartenstadt am 19. Juni 1949 eingeweiht. Am 30. Juni feiert die Gemeinde den 70. Geburtstag des Gotteshauses mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr.

Die Gnadenkirche wurde in den Jahren 1947 und 1948 erbaut und zählte zur Pauluskirche. Schon vor dem Krieg war geplant, für die Gartenstadt eine zweite Pauluskirche zu errichten. Begründung an das „Hilfswerk der Deutschen Evangelischen Kirche in Karlsruhe“: Es handle sich bei der Gartenstadt um eine großangelegte Siedlung, die sehr unter kirchenfremder Propaganda stehe. Das Gebiet weise auch eine „verhältnismäßig große Jugendgefährdung auf“, hier sollte verstärkt kirchliche Arbeit geleistet werden.

Geld- und Materialknappheit

Die Gnadenkirche wurde nach Plänen des Baumeisters Otto Bartning errichtet. Wegen der damals herrschenden Geld- und Materialknappheit wurden die tragenden Holzbauteile aus der Schweiz angefordert – finanziert aus Spendenmitteln der Ökumene. Die Baumaterialien waren auf fünf Waggons verladen, die Ziegel kamen gesondert. Gebaut wurde auch mit Trümmersteinen von Mannheimer Kirchen- und Gemeindehäusern. Von der Firma Bopp und Reuther erhielt Pfarrer Weber ebenfalls eine Wagenladung Backsteine. Durch tatkräftige Mithilfe von Gemeindemitgliedern wurde mit Spaten aus dem sandigen Boden Löcher für das Fundament ausgehoben. Hans Thoma, der das bereits 1939 errichtete Pfarrhaus entworfen hatte, übernahm 1945 die Bauleitung der Gnadenkirche. Er entwarf in Absprache mit Bartning im Innenraum den tonnengewölbten Chor, den Rundbogen sowie die Kanzel und den Altar. Das Richtfest mit Grundsteinlegung wurde 1948 festlich begangen – mit Oberkirchenrat Katz, Dekan Joest sowie vielen Pfarrern und Gemeindemitgliedern.

Am 19. Juni 1949 fand um 9 Uhr in der Pauluskirche auf dem Waldhof ein Abschiedsgottesdienst statt. Die Pauluskirche war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und die dortigen Gottesdienste wurden in einer Holzbaracke abgehalten. Die Jugend, der Posaunen- und der Kirchenchor voraus, Ehrengäste, Bauleiter und die Gemeinde hinterher, zogen die Geistlichen im Ornat zur Karlsternstraße. Hier weihte Oberkirchenrat Katz die evangelische Gnadenkirche. Die Kirche war fertig, ohne Turm, ohne Orgel und ohne Glocken. Das alles kam später, wichtig war, dass die neue Kirche endlich gebaut war. 1952 wurde der erste Teil der Orgel eingeweiht. 1954 war der Kirchturm fertig. Im Jahr darauf wurden vier Glocken aufgehängt, und im Jahre 1966 erfolgte endlich die Fertigstellung der Orgel. Pfarrer der Gnadenkirche waren von der Einweihung bis heute Wilhelm Weber, Wolfgang Meuret, das Ehepaar Stephanie und Hans-Peter Günther, Laura Artes und Michael Koch.

Der Festgottesdienst zum 70. Geburtstag am Sonntag, 30. Juni, beginnt um 10 Uhr und wird von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh sowie Pfarrer Michael Koch gestaltet. Im Anschluss sind alle Gäste zu einem Empfang im Gemeindehaus eingeladen. Bereits am Freitag, 28. Juni, um 19 Uhr, findet ein Kabarettabend mit Pfarrer Inmar Maybach in der Gnadenkirche statt.