Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Närrischer Gottesdienst begeistert in der Kirche St. Franziskus zum 25. Mal / Musik, Kabarett und eine Portion Lokalgeschichte

Himmlische Auftritte mit viel Kokolores

Archivartikel

Das hätte den Heiligen Franz von Assisi sicher begeistert: Er predigte der Sage nach einst den Vögeln und hätte sich an den vielen großen und kleinen Tierchen auf den Bänken beim 25. närrischen Gottesdienst in der Franziskuskirche bestimmt erfreut. „Das war einzigartig, klasse, kaum zu überbieten. Das lag aber auch an den hervorragenden Darstellern“, kommentierte Rainer Holzhauser, ein Urgestein der Kurpfälzer Fasnacht, am Ende eines zweistündigen, kurzweiligen Programms.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn war die Kirche voll besetzt, das „Warm up“ – also die Aufwärmphase – mit dem Gospelchor Joyful Voices konnte beginnen. Die Stimmung hätte nicht besser sein können. Es wurde mitgesungen und geklatscht, was das Zeug hielt. Selbst als Moderator Peter Bartsch, der locker und unaufdringlich durch den Morgen führte, den eigentlichen Beginn der Veranstaltung verkündete, blieb die entspannte Stimmung in der Kirche erhalten.

Am Anfang umstritten

Der Gospelchor startete mit dem Lied „De Narrengottesdienschd“, gefolgt von „Egal“ und „Auf uns“. Anschließend spannten die Sänger einen weiten Bogen durch die Welt des geistlichen Gesangs, der durch Wortbeiträge immer wieder kurz unterbrochen wurde.

Klaus Schillinger, einer der Gründungsmitglieder des närrischen Gottesdienstes, bekannte, dass zu Beginn nicht nur Begeisterung gegeben habe. Protest oder Bedenken habe es damals nicht nur seitens der evangelischen Kirche gegeben. Aber auch heute zeige der Gottesdienst noch, dass die „Kirche voller Narren“ nicht nur eine lustige Veranstaltung sei, sondern eine Hingabe an Gott.

Laura Attemeier begrüßte die Besucher im Namen des Gemeinderats in launigen Worten. Thomas Friedl übernahm den geistlichen Part. „War es doch Pfarrer Walter Wettach, der hier in diesem Gotteshaus – für den ersten Narrengottesdienst bedacht wurde mit Applaus“, reimte Friedl. In seiner Predigt erläuterte er die Bedeutung der heutigen Ordensverleihungen in Reimen: „So hat bei all der Persiflage der Orden einen Sinn, Erlösung, Sieg, Verehrung man find.“

Prüfung durch einen Engel

Horst „Hotte“ Siegholt feierte mit einem „himmlischen“ Auftritt sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. Er war „von unser aller Chef“ und vom himmlischen närrischen Stammtisch als Engel „Joküs“ geschickt worden, um zu prüfen, ob sich Politiker und Fasnachter näher gekommen seien.

Joküs stellte die Frage, wer den größten Kokolores im Land produziere. „Der gemeine Fasnachter, lateinisch auch humoris katastrofis lustikus genannt, zieht seine Kampagne ohne Murren und Klagen zu den vorgegebenen Zeiten durch. Und der gemeine Politiker, lateinisch auch ken humoris katastrofis nur babbleris genannt, der murrt, klagt, verzögert, aber das mit Bravour und ohne Enthusiasmus. Denn für ihn ist jeder Tag Aschermittwoch.“ Joküs bescheinigte den Narren, sie hätten das Herz am rechten Fleck, ehrten die Alten und förderten die Jugend. „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist“, brachte ihm stehende Ovationen ein.

Nicht weniger gefeiert wurde Markus Weber, der als Fräulein Baumann dem Volk genau aufs Maul geschaut hatte. Die schrullige alte Dame überzeugte mit viel Witz und Humor. Dass die Fasnachter ein großes Herz für soziale Projekte haben, stand am Ende fest: Rund 1000 Euro für das Jugendhaus Luzenberg lagen im Klingelbeutel.

Spenden für Jugendhaus

„Ich in überwältigt, wie großzügig die Spender waren“, sagte Waltraud Esser, die zuvor für das Jugendhaus auf dem Luzenberg geworben hatte. Es gab wohl kaum jemanden, der nicht zufrieden aus diesem Gottesdienst ging. Viele ließen sich noch die vom Kirchenteam zubereitete Kartoffelsuppe schmecken. Das von allen gesungene „Amen“ der Joyful Voices klang in dem Gotteshaus noch lange nach.