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Gartenstadt Aufwendige Instandsetzung in der Gnadenkirche beendet / Stimmen des Instruments derzeit nicht möglich

Hitze macht der Orgel zu schaffen

Archivartikel

Bald erklingt die Orgel der Gnadenkirche in der Gartenstadt wieder in voller Schönheit. Dann ist die grundlegende Renovierung des Instruments beendet. Seit Mai war sie verstummt, weil neue Brandschutzrichtlinien eine Sanierung dringend notwendig machten. Außerdem waren viele Teile verschlissen oder undicht – so dass das Instrument, das in Abschnitten zwischen 1951 und 1964 in die Gnadenkirche eingebaut wurde, schon länger nicht mehr sauber geklungen hat.

Seit Wochen sind die Mitarbeiter Marc Rosulek und Remy Steis von der Orgelbau-Firma Joachim Popp auf der Empore am Werk. Den Spieltisch hatte der Chef zur Generalüberholung in seine Werkstatt in Walldürn-Altheim im Odenwald mitgenommen. Inzwischen steht er wieder an seinem Platz. Wie Popp erläutert, wurde die Elektrik der Steinmeyer-Orgel grundlegend überprüft und erneuert. Es gibt in dem Instrument mehrere Hundert Stromkreisläufe, die alle voneinander getrennt und mit Sicherungen versehen werden mussten. Außerdem wurden der Motor und der Transformator-Gleichrichter erneuert.

In der Orgel mit ihren unzählig vielen Leitungen und Pfeifen wurden aber auch alle mechanischen Teile kontrolliert und überprüft. Viele waren verschlissen, vor allem zahlreiche Dichtungen funktionierten nicht mehr richtig, so dass die Luft oft einfach nicht dort ankam, wo sie sollte. „Alle kaputten Teile wurden überarbeitet, so dass die Orgel wieder in einen Neuzustand versetzt wird“, versichert Popp.

Die technischen Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Jetzt stehen noch die klanglichen Nachintonationsarbeiten an, teilt Popp mit. Doch auch hier bereitet die Hitze Probleme. Bei Temperaturen von 36 Grad Celsius und darüber ist das Stimmen der Orgel nicht möglich, da sie dann bei normalen Bedingungen nicht gut klingen würde. Dies liegt daran, dass sich die Dichte der Luft bei Temperaturschwankungen ändert. Ansprache, Lautstärke und Toncharakter jeder einzelnen der insgesamt 1200 Pfeifen hängt aber von der Menge der Luft ab, die sich in ihr befindet. Ihr Gewicht wird beim Anspielen zum Schwingen gebracht und ergibt den entsprechenden Ton.

Nach der umfassenden Sanierung dürften die „dicken Brocken“ erst einmal erledigt sein und die Orgel für die nächsten 20 bis 30 Jahre wieder gut funktionieren, verspricht der Orgelbauer.

Mobile Lösung als Ersatz

So kann Jochen Vogt, der Organist der Gnadengemeinde, also bald wieder an gewohnter Stelle auf der Empore am frisch renovierten Spieltisch Platz nehmen, kräftig in die Tasten greifen und alle Register ziehen. Während der Reparatur hatte er auf einem mobilen Leihinstrument gespielt, das im vorderen Bereich der Kirche aufgestellt war. Für Vogt eine ganz ungewohnte Stelle – schließlich hatte er von hier aus weder Pfarrer noch Gemeinde im Blick wie sonst hoch oben auf der Empore.

Für die Gnadengemeinde ist die Renovierung eine finanzielle Herausforderung. Insgesamt kostet die Instandsetzung 35 000 Euro, von denen die Gemeinde 20 000 Euro übernehmen muss. Die Arbeiten an der Elektrik finanziert die Landeskirche. Wer die Gemeinde unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto mit der IBAN DE70 6709 0000 0004 5554 06 bei der Volksbank Rhein-Neckar tun.

Um Spenden für die Orgel wird auch bei einem Konzert gebeten, mit dem der Abschluss der Sanierung gefeiert werden soll. Am Sonntag, 23. September, spielt Konzertorganistin Maria Mokhova Werke von Bach, Muschel, Mendelssohn und Widor. Mokhova, die 1982 in Russland geboren wurde, spielt seit ihrem siebten Lebensjahr Klavier und hat bereits bei vielen internationalen Wettbewerben gewonnen. Seit 2017 hat sie einen Lehrauftrag für Orgelliteraturspiel an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg. Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind erbeten.

Führung auf der Empore

Wer sich für die Steinmeyer-Orgel der Gnadenkirche interessiert und erfahren möchte, wie das Instrument funktioniert, ist für Donnerstag, 13. September, 19 Uhr zu einer Orgelführung auf die Empore der Gnadenkirche eingeladen. Der Pfarrer und Kirchenmusiker Joachim Vette vom ökumenischen Bildungszentrum Sanctclara wird alles Wissenswerte berichten und klangliche Kostproben geben.