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Gartenstadt Evangelische Auferstehungsgemeinde feiert erstmals an Palmsonntag Spezialgottesdienst mit Motorradfahrern

„Jede Kurve birgt Gefahren“

Für Biker mit Benzin im Blut war das sicher ein echter Blickfang: Vor der evangelischen Auferstehungskirche parkten drei funkelnde motorisierte Dreiräder, sogenannte Trikes – und dahinter das dunkle Motorrad von Pfarrer Florian Binsch, ein schnittiger Oldtimer der Marke Yamaha FJ 1200 aus dem Baujahr 1987. Denn die Gemeinde im Stadtteil Gartenstadt feierte unter der Überschrift „Ankommen, Auftanken, Austauschen“ zum ersten Mal einen Spezialgottesdienst mit Motorradfahrern. Erschienen waren die Mitglieder der offenen Motorradgruppe um Biker Bernd Oppenländer (52) samt Ehefrauen und Kinder, gekleidet in schwarze Lederkluft.

„Wir sind kein Verein, wir sind eine Interessengemeinschaft“, grenzte sich Sprecher Oppenländer mit seinen Kumpels von anderen Motorradclubs ab.

Zusätzlich untermalte die Rockband Burnesseln aus dem Stadtteil Sandhofen den Sondergottesdienst am Palmsonntag mit Songs wie „Bring Me To Life“ von Evanescence, „Drive“ von Incubus und „Personal Jesus“ von Depeche Mode. In seiner Predigt sprach Binsch über biblische Begriffe wie Freiheit, Lebenswege und Horizonte. Somit ging der Pfarrer, der seit einem Jahr der Auferstehungsgemeinde angehört, auf mit spiritueller Bedeutung aufgeladene Worte ein, die als zentrale Werte ebenso eine gewichtige Rolle im Alltag freiheitsliebender Motorradfahrer spielten.

„Jede Kurve eine neue Herausforderung, es kribbelt wieder oder immer noch“, schilderte Binsch. „Einfach losfahren, alles hinter sich lassen, die Landschaft zieht vorbei und mit ihr die Gedanken“, ergänzte der 32-Jährige, der aus dem schwäbischen Sindelfingen stammt. Zwischendurch durften sich die Gottesdienstbesucher einen Kurzfilm mit Straßenaufnahmen eines Bikers auf einer Leinwand anschauen, wobei der Videoclip des Ich-Erzählers den Titel „Der Freiheit auf der Spur“ trug.

Jesus auf einer rostigen Harley

In den Vereinigten Staaten gibt es die Redewendung „God is my Co-Pilot“, wenn man als gläubiger Mensch auf die schützende Hand vertraut, die Gott unterwegs ausstrecke. „Ob Jesus heute auf einer rostigen Harley des Weges kommen würde?“, überlegte Binsch in seiner Rede, bezogen auf den Einzug von Christus in Jerusalem.

Darüber hinaus machte Binsch, der Begriffe der Kraftfahrzeugtechnik wie „Lenkrad“ und „aufscheinendes Licht“ metaphorisch verwendete, darauf aufmerksam, die eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen, vor allem auf dem Sitz eines Motorrads bei hoher Geschwindigkeit.

In Momenten der freien Fahrt solle man den Gasgriff der Vernunft walten lassen. Überdies warnte der Geistliche davor, die einsam machende Freiheit der Wohlstandsgesellschaft all zu egoistisch auszuleben. Schließlich segnete der Pfarrer die sich in einer Reihe aufstellenden Besucher.

„Jetzt zum Start der Motorradsaison findet fast jedes Wochenende eine andere Veranstaltung für Biker statt, zum Beispiel im pfälzischen Johanniskreuz“, informierte Fahrer Bernd Oppenländer, der ein blau-metallisches Trike der Marke Boom mit VW-Käfer-Motor fährt.