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Gartenstadt Therapie nach Noten, Marfa Motel und Dias im Jugendhaus Waldpforte / Politische Botschaften

„Kauft Gitarren statt Waffen!“

Voller Spielfreude hüpft Bassist Patrick Gerstenberg auf der Bühne umher. Bis der hochgewachsene Rockmusiker mit dem Kopf gegen einen Holzbalken über ihm stößt. Woraufhin ein Besucher ihm dankenswerterweise einen orangefarbenen Bauhelm reicht, den sich der Bassgitarrist kurzerhand selbstironisch aufsetzt. Zusammen mit den Alternative-Rock- und Metal-Bands Therapie nach Noten und Marfa Motel spielt das ungestüme Quartett aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der Konzertreihe Live-Bühne im Jugendhaus Waldpforte im Stadtteil Gartenstadt.

Als erste Band eröffnet die deutschsprachige Thrash-Metal-Band Therapie nach Noten, die nicht nur über „eingelassene heiße Schaumbäder“ singt, sondern zwischendurch den alten Metallica-Klassiker „Seek & Destroy“ werkgetreu covert. „An alle Kriegstreiber: Macht Musik statt Krieg, kauft Gitarren statt Waffen“, verlangt Sänger Alex Grabenhorst (42), der einen markanten Kinn- und Backenbart trägt – und ein wenig dem amerikanischen Schauspieler Tom Waits ähnelt. Mitten an der Saaldecke rotiert eine Discokugel, an der sich das farbige Scheinwerferlicht bricht und den Saal zum Funkeln bringt.

Die Songtexte von Therapie nach Noten aus Heidelberg stellen oft eine Kapitalismuskritik dar, zum Beispiel die zynische Nummer „Sklaven gibt’s nicht mehr“. Ursprünglich stammen Sänger Alex Grabenhorst und der Gitarrist aus Hannover, seit 2008 leben die beiden Metal-Maniacs in Heidelberg. „Wir haben mal in dem Rockkeller Sakrema in Pforzheim gespielt“, erzählt Grabenhorst nach dem Auftritt.

Um an der jüngsten Ausgabe der Konzertreihe Live-Bühne im Jugendhaus Waldpforte teilnehmen zu können, musste die Alternative-Rock-Gruppe Dias, die sich gegenwärtig auf Tournee quer durch die Republik befindet, eine weite Anreise auf sich nehmen. „Wir erleben gerade eine sehr aufregende Zeit, jeden Abend spielen wir in einer anderen Stadt“, freut sich Dias-Sänger Matthias „Mätti“ Anders, der mit seinen drei Bandkollegen zum ersten Mal in Mannheim gastiert.

Gäste auf Tanzfläche gelockt

Geographisch stammt der wilde Vierer aus derselben Ecke in Mecklenburg-Vorpommern, aus der Feine Sahne Fischfilet kommt. Obwohl Dias eine andere Spielart von Indie-Rock fabriziert. Spontan springt Bassist Patrick Gerstenberg im Spiel von der Bühne herunter, die wuchtige Gitarre lässig vor die Hüfte gehängt, um ins Foyer zu marschieren und die dortigen Besucher vor die Bühne zu locken. Vom Publikum fordert Dias, die schnörkellosen Alternative-Rock mit etlichen Powerchords schreibt, statt norddeutscher Kühle mit verschränkten Armen südwestdeutsches Temperament auf der Tanzfläche.

Gibt es im fernen Stralsund eine jugendliche Musik-Szene? „Die ist zuletzt ziemlich geschrumpft, dafür ist Stralsund eine der schönsten Hansestädte der Ostsee“, beteuert Bandsprachrohr Matthias Anders, der in wenigen Tagen seinen 30. Geburtstag feiert.

Zum Schluss stürmt Marfa Motel mit groovend hartem Rock’n’Roll im Stil von Danko Jones über die Bühne. Deren Bandmitglieder besitzen teilweise amerikanische Wurzeln. Dem qualitativ hochwertigen Konzert hätte man gerne die doppelte Zahl an Besuchern gewünscht.