Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Markus Weber und Dieter Scheithe bei Kulturtagen

„Klangstelle“ entführt in 1920er Jahre

Wer derzeit im Fernsehprogramm die Serie „Babylon Berlin“ verfolgt, bekommt einen guten Eindruck von den späten 1920er Jahren. Musikalisch-literarisch in die Zeit der Weimarer Republik und der nachfolgenden Nazi-Diktatur tauchen bei den Kulturtagen Waldhof „Die Zwei von der Klangstelle“ ein. Dabei arbeiten Markus Weber und Dieter Scheithe am Samstag, 13. Oktober, 19.30 Uhr, im Franziskussaal (Speckweg 6) „mit der leichten Muse gegen das Vergessen“ an. Die Hommage auf die 1920er und 1930er Jahre beleuchtet eine Zeit der Dekadenz, des bröckelnden Wohlstands, der zunehmenden Armut, des Populismus und des Fremdenhasses. Es sei, so die Veranstalter, „eine Zeit, die unserer erschreckend ähnlich ist“. Aber eben auch eine „Zeit der schillernden Unterhaltung“.

Literarische Kostbarkeiten

Die Melodien und Lieder werden eingebettet in den historischen Kontext und ergänzt mit literarischen Kostbarkeiten von Ringelnatz, Tucholsky und Kästner – deren Bücher die Nazis verbrannten. Der musikalische Bogen reicht von harmloser Erotik („Ich hab das Fräulein Helen baden sehn“) bis zur Femme fatale („Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“), von einer „Nacht voller Seligkeit“ bis zur Gewissheit: „Es wird einmal ein Wunder geschehn“.

Große Namen, darunter die vieler Menschen jüdischen Glaubens, kommen nicht nur musikalisch zur Sprache. Den Besuchern werde so vor Augen geführt, wie der jüdische Geist in den 20er Jahren die Unterhaltungskultur mit Texten und Musik bereicherte und wie grausam die Nazis in deutschem Namen mit denen verfuhren, die anders glaubten, anders liebten oder anderer politischer Meinung waren. bhr