Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Schäden an der Fassade von St. Lioba machen Betonsanierung erforderlich / Fachleute ermitteln zurzeit die Kosten

Kraftakt zum Erhalt der Rundkirche

Wer den Speckweg verlässt, den großen Vorplatz neben dem Kinderhaus betritt und auf die Kirche St. Lioba zugeht, erblickt einen großen rechteckigen Bau. Er ist in die Jahre gekommen, 56 Jahre nach der Weihe zeigt die Betonfassade viele Risse. An mehreren Stellen kommt die Armierung durch, mit hässlichen rostroten Flecken. „Wenn wir jetzt nichts machen, wird der Schaden immer größer“, sagt Wendelin Herold, der Sprecher des Gemeindeteams.

Abgesehen von den Schäden: Das Gebäude, das zwischen 1960 und 1962 entstand, wirkt etwas schmucklos. Aber dieser Eindruck verkehrt sich in sein Gegenteil, sobald der Besucher die „Christus Porta“ passiert hat und ins Innere des Gotteshauses gelangt. Aus den kreisrunden Öffnungen im Dach dringt Tageslicht. Der Altar steht im Mittelpunkt, die Gemeinde gruppiert sich um dieses Zentrum.

Kreisrund ist auch der sakrale Raum selbst. Vier massive Säulen – sie stehen symbolisch für die vier Evangelisten – tragen die Kuppel. Und zwölf weitere, die an die zwölf Jünger erinnern, verleihen dem hinteren Teil des Gebäudes Stabilität.

Pfarrer wendet Trick an

Außen eckig und eher konventionell, innen rund und ein echter Blickfang – wie kam es dazu? „Der damalige Pfarrer, Alfons Schilling, zeichnete mit einem Stock in den Sand, wie er sich die neue Kirche vorstellte: Rund oder elliptisch sollte sie sein.

Leider wurde das nicht genehmigt“, blickt Herold auf die beginnenden 1960er Jahre zurück. Es war die Zeit der großen Veränderungen in der katholischen Kirche, das Zweite Vatikanische Konzil erschien am Horizont.

Die Öffnung der Kirche, die tiefgreifenden Liturgiereformen, das Zugehen auf andere Religionen, das vorsichtige Beschneiden des Absolutheitsanspruchs – all das sollte sich auch in der Architektur widerspiegeln. Aber die Kirchenoberen konnten sich auf dem Waldhof mit einem runden Gotteshaus, das die Bestrebungen des Konzils vorwegnahm, nicht anfreunden. Sie verlangten einen rechteckigen Bau. Pfarrer Schilling wusste sich mit einem Trick zu helfen: Außen viereckig, innen rund. Dass das Runde ins Eckige muss – diese Redewendung, die der Waldhöfer Trainerlegende Sepp Herberger zugeschrieben wird, bekommt eben hier am Waldhöfer Speckweg eine völlig neue Bedeutung.

Einfallsreichtum ist auch jetzt gefragt. Denn die Betonsanierung wird voraussichtlich eine mittlere sechsstellige Summe verschlingen, schätzt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Seelsorgeeinheit Nord, Andreas Baudisch. Genaueres zu den Kosten könne man aber noch nicht sagen. Erst vor wenigen Tagen untersuchten Fachleute mehrere schadhafte Stellen, die Expertise dazu steht noch aus.

Innenraum als nächste Aufgabe

„Sie ermitteln die Kosten. Danach muss der Stiftungsrat entscheiden, was gemacht wird“, erklärt Baudisch dieser Zeitung die weitere Vorgehensweise. Geplant sei, nach der finanziellen Einschätzung und einer Entscheidung der Gremien im Spätjahr mit Ausschreibungen und im Frühjahr 2019 mit der Sanierung zu beginnen.

Unabhängig von den Details ist aber schon jetzt klar, dass die Gemeinde sich mächtig ins Zeug legen muss, um ihren Teil der Kosten, etwa ein Drittel, aufzubringen.

Längst läuft deshalb die Spendenaktion „Neuer Glanz für Turm und Kirche“. Wobei die Sanierung des Turms bereits vor zwei Jahren erfolgte und inzwischen abgeschlossen ist. Hauptsächlich war die Schallschutzisolierung am Glockenturm baufällig und musste erneuert werden.

Jetzt also die Sanierung der Betonfassade. Und wenn die abgeschlossen ist, so Baudisch, müsse in den nächsten Jahren mit Sicherheit der Innenraum auf Vordermann gebracht werden.

Die Aufgaben wollen also nicht enden – und St. Lioba ist froh über jede Unterstützung. „Wir sind natürlich auf Spenden angewiesen“, betont Gemeindeteamsprecher Herold. Wer einen Beitrag leisten möchte, kann auf das Konto mit der IBAN DE84 6706 0031 0034 2356 00 bei der Volksbank Sandhofen überweisen.