Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Gartenstadt Rock-Bands eröffnen neue Konzertreihe „Live-Bühne“ im Jugendhaus Waldpforte

Kreatives Klanggebräu bringt die volle Dröhnung

Archivartikel

Mit kräftigen Schlägen bespielte Drummer Sebastian Bauer seine Trommeln, über denen ein kaputtes Becken mit tiefem Spalt darin hing. „Das kann der Klangverfremdung dienen, diesmal war es aber lediglich Notwendigkeit, ich hatte gerade kein anderes Becken da“, erklärte Schlagzeuger Bauer von der Stoner-Metal-Band The Color of Iris in Bezug auf sein beschädigtes Instrument.

Im Jugendhaus Waldpforte im Stadtteil Gartenstadt rockten im Rahmen der neuen Konzert-Reihe „Live-Bühne“ die drei Bands The Color of Iris, Impetus und Ellmaurer. Wobei die zuletzt auftretende Indie-Band Ellmaurer, die ihre E-Gitarren mit elektronischen Elementen paart, das innovativste Klanggebräu anrührte.

Bis auf Schlagzeuger Sebastian Bauer tragen alle vier Mitglieder der Stoner-Band The Color of Iris, die im Jugendhaus Waldpforte schnörkellos stampfende Gitarren-Akkorde heraushauten, kinn- bis schulterlange Haare. Wie eine Hommage an die 1970er Jahre klingt dieses junge Neo-Metal-Quartett, jenes Jahrzehnt, das epochale Pioniergruppen wie Black Sabbath und Led Zeppelin hervorbrachte. Zwei historisch bedeutsame Rockacts, auf die sich The Color of Iris als maßgebliche Einflüsse sicher einigen können.

Musik aus der Wüste

In Bezug auf den Sound dieses Mannheimer Vierers drängen sich bei den Zuhörern ganz besonders Attribute auf: wie sphärisch, psychedelisch und schwermütig – alles in allem ist es eine metallische Musik aus der staubigen Palm-Desert-Wüste in Kalifornien, wie eine schillernde Lavalampe unter einem nächtlichen Sternenhimmel. Auf diese Weise verabreichten The Color of Iris dem Publikum dann auch die volle Dröhnung.

Ordentlich aufs Gaspedal drückte hinterher die fünfköpfige Progressive-Rock-Band Impetus, mit hell krachenden E-Gitarren, die stellenweise wie zerspringendes Glas klangen. Verbunden mit einem leichten Funk-Einschlag. Unter diesen erfrischenden Melodien begann der Saal zu vibrieren. Oftmals weiß die Band Impetus selbst nicht genau, wovon ihre schwer zu deutenden Songtexte handeln, manchmal berichten die Stücke des Fünfers von Selbstfindung und innerer Erleuchtung. Es liegt am Hörer selbst, sich selbstständig einen Reim auf diese neoromantische Songlyrik zu machen. „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht“, kommt einem dazu aus der Literatur ein passendes Goethe-Zitat in den Sinn.

Kryptische Songtexte sind ebenfalls eine kompositorische Zutat der Heidelberger Progressive-Pop-Gruppe Ellmaurer, die momentan in aller Munde ist und es zu überregionalem Erfolg bringen könnte. Mit rauschhaften Synthesizern, gesteuert von Keyboarder Nicolas Hoffmann, wobei der 24-jährige Klangzauberer die Ellmaurer-Songs mit Sprachsequenzen aus der Online-Zeichentrickserie Salad Fingers anreichert, eine animierte Internet-Serie des englischen Filmemachers David Firth über ein faulig grünes Wesen mit Glubschaugen, das dem Wahnsinn anheimfällt und mit verqueren Gedanken über die Welt philosophiert.

Tournee ab Herbst

Vom künstlerischen Ansatz her lassen sich Ellmaurer, die vor vier Jahren als kreative Charakterköpfe zusammenfanden und sich einer stilistischen Schubladisierung entziehen, mit den elektronischen Soundtüftlern The Notwist aus der oberbayerischen Indie-Hochburg Weilheim vergleichen. „Im Herbst werden wir auf Tournee gehen“, zeigte sich Synthie-Alchemist Nicolas Hoffmann vorfreudig.