Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof/Luzenberg Bezirksbeirat diskutiert über geplante Geländeverkäufe der Firma St. Gobain / Sorge um Grünflächen

„Man muss die Anwohner mitnehmen“

Die Bürger auf dem Luzenberg und Waldhof sehen mit Sorge, dass die Firma St. Gobain zwei Grünflächen verkaufen will (wir berichteten). Die Anwohner fürchten eine großflächige Bebauung: Bereits seit Ende Februar seien Rodungsarbeiten auf dem Areal an der Sandhofer Straße vorgenommen worden, die nach einem Anruf eines Bürgers aber eingestellt wurden, hieß es bei der jüngsten Bezirksbeiratssitzung im Kulturhaus Waldhof.

Beide Flächen hätten sich im Laufe der letzten 50 Jahre zu wertvollen Biotopen entwickelt, die für das Stadtteilklima in Luzenberg und Waldhof von großer Bedeutung seien. Darüber hinaus würde eine Bebauung entlang der Luzenbergstraße die Entwicklung der beiden Stadtteile durch eine seit vielen Jahren geplante städtebauliche Verbindung zerstören, machten Bürger und Politiker deutlich. Hans Skarke vom Fachbereich Stadtplanung und Roland Köhler vom Fachbereich Grünflächen erklärten jedoch, dass St. Gobain bei der weiteren Planung viele Vorschriften einhalten müsse.

Anrufer meldet Aktion

Die Rodungsarbeiten beschränkten sich nach Aussage von Köhler auf kleine Bäume und Sträucher, die nicht der Baumschutzverordnung unterliegen. Weil ein Anrufer die Aktion meldete, wurden die Arbeiten eingestellt, zwei Tag nach Ablauf der im Gesetz genehmigten Frist. „Diese Flächen sind sicher nicht leicht zu entwickeln“, gab Skarke zu. Außerdem sei sich die Stadt mit dem Bezirksbeirat einig, dass es wichtig sei, auch künftig eine Grünverbindung zu erhalten, weil der Stadtteil Luzenberg damit nicht gesegnet sei.

Stadtrat Thomas Hornung (CDU) gab zu bedenken, dass es sich hier um Privatbesitz und Industriegelände handele. Allerdings dürften die Bewohner auf dem Luzenberg und auf dem Waldhof nicht vernachlässigt werden. Jürgen Kurtz, Sprecher der Bürgerinitiative Waldhof-West, unterstrich, dass auf dem Gelände eine Biotopkartierung gemacht wurde, die unter anderem 77 verschiedene Vogelarten nachgewiesen haben. Er forderte von dem Unternehmen, dass es sich an den Grundsatz halte: „Eigentum verpflichtet“ und die Anwohner rechtzeitig informiere, was aus dem Gelände schließlich werde.

Sensibel betrachten

Stadtrat Roland Weiß (Freie Wähler/ML), der die Sitzung leitete, forderte zum Schluss der Bezirksbeiratssitzung: „Man muss die Anwohner einfach mitnehmen und darf nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Alles, was sich hier bewegt, ist von größtem Interesse und muss entsprechend sensibel betrachtet werden.“ Der Sachstand der Verwaltung wurde ebenfalls erläutert: In einem Grundsatzgespräch zwischen der Stadt und dem Unternehmen wurde über die planungsrechtlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen gesprochen, um hier eventuell einen Baumarkt auf der Teilfläche entlang der Luzenbergstraße zwischen Waldhofschule und ehemaliger Spiegelsiedlung anzusiedeln. Aber die Planungen seitens St. Gobain wurden nicht weiter konkretisiert und ruhen zurzeit.

Eine Anwohnerin merkte im Kulturhaus an, dass sich bei ihr jemand als neuer Eigentümer vorgestellt habe. Aber auch dazu konnte sich die Stadt nicht konkret äußern, da sie über Grundstücksverkäufe nicht informiert werde.