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Gartenstadt Alfred-Delp-Schule gedenkt ihres Namensgebers / Von den Nationalsozialisten vor 75 Jahren ermordet

„Menschen nicht ausgrenzen“

Archivartikel

Mit einer Gedenkfeier hat die Alfred-Delp-Schule in der Gartenstadt ihres Namensgebers gedacht – kurz vor dem 75. Todestag von Pater Alfred Delp, der von den Nazis gefangen und am 2. Februar 1945 ermordet wurde. Dazu versammelten sich alle 400 Schüler und ihre Lehrer um die Skulptur des Jesuitenpaters in der Aula der Grundschule.

„Am Montag dieser Woche haben wir gemeinsam an unserer Schule die Flaggen auf halbmast gehisst, um an etwas Trauriges zu erinnern. Nicht nur an Alfred Delp, der vor 75 Jahren von den Nazis aufgehängt wurde, sondern an alle Menschen, die verfolgt und getötet wurden von Adolf Hitlers Schergen“, erklärte Lehrerin Doris Kunstein. Ob sie wüssten, warum, fragte sie die Schüler. „Weil sie Juden waren oder was anderes geglaubt haben“, lauteten die Antworten.

Kunstein erklärte: „Es gibt viele verschiedene Glaubensrichtungen – Juden, Christen und Muslime, wovon es viele an unserer Schule gibt.“ Doch Adolf Hitler habe nicht gewollt, dass die Menschen etwas anderes glaubten. Menschen aus anderen Ländern, die eine andere Hautfarbe oder eine andere Religion hatten, seien im Dritten Reich verfolgt worden. Auch Menschen, die behindert waren, seien verfolgt und getötet worden.

Alfred Delp, der 1907 in Mannheim geboren wurde und in Lampertheim aufgewachsen ist, habe sich mit Freunden getroffen und beraten, was zu tun sei, wie sie sich wehren könnten. Irgendwann habe das Hitler bemerkt und sie verfolgt. Doch auch als Alfred Delp verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurde, habe er weiterhin Briefe geschrieben, weil er wollte, dass alle Menschen in Frieden und Freiheit leben könnten. Sogar mit gefesselten Hände habe er geschrieben, wie in einem Schaukasten an der Wand der Aula zu sehen ist.

Schüler gestalten Arbeitshefte

Kunstein zitierte Delp: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte, ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war, hat sein Leben einen Sinn gehabt.“ Sie könnten stolz sein, dass ihre Schule seinen Namen trägt, meinte Kunstein.

Die Schüler fragte sie: „Was können wir machen, um im Sinn von Alfred Delp miteinander zu leben?“ „Uns für andere einsetzen und Menschen nicht ausgrenzen“, so die Antwort. Die Lehrerin betonte: „Wir sind stolz auf Alfred Delp, deshalb feiern wir jedes Jahr, obwohl es ein trauriger Anlass ist – und wir versuchen, Menschen nicht auszugrenzen.“ Schüler und Lehrer sangen gemeinsam das Lied „Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“. Dessen Text hat Alfred Delp kurz vor seinem Tod geschrieben. Maren Rudolph begleitete das Lied nach der Melodie von „Laudate omnes gentes“ mit der Gitarre.

Wie die Schüler auf die Geschichte von Alfred Delp vorbereitet wurden, erklärte Schulleiterin Kirsten Mühlum: Zum Leben des Jesuitenpaters hätten die Kinder kleine Arbeitshefte angefertigt. Im Sachkundeunterricht sprachen sie darüber, warum die Flaggen an der Schule aufgehängt wurden – und sie übten das Lied nach einem Text des Jesuitenpaters ein. „Wir leben sehr im Sinne von Alfred Delp“, betonte die Rektorin. Religion ist für sie „Wertevermittlung“.

Konfessionsübergreifend lernen

An ihrer Schule gebe es keinen Religionsunterricht im herkömmlichen Sinn, sondern einen konfessionell kooperativen – alle zusammen, ob getauft oder nicht. Die Alfred-Delp-Schule, die von 400 Schülern aus 15 verschiedenen Nationen und verschiedenen Religionen besucht werde, bilde alles ab.

„Wir arbeiten religionenübergreifend, gehen in Kirchen, Moscheen und Synagoge, feiern viele Gottesdienste – immer sinnstiftend, es geht um den Sinn des Lebens und ein Miteinander“, so Mühlum. In der Schulordnung festgeschrieben sei ein „Tag des Miteinanders“. In der vierzügigen Grundschule gelte die goldene Regel: „Behandle den anderen so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ So könnten den Kindern Geschichte und Werte vermittelt werden.