Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Gospel-Chor Swingin People gibt Herbstkonzert in der evangelischen Gethsemanekirche / Jeanette Friedrich als Gastsängerin am Mikrofon

Musikalisches Plädoyer für Toleranz

„Prepare ye The Way of the Lord“ – „Bereitet dem Herrn den Weg“: Als die Chormitglieder das Eröffnungslied, ein Stück aus dem Musical „Godspell“ vortrugen, wanderten sie von hinten nach vorne, um vor dem Altar in Stellung zu gehen. Und so ging es los mit dem traditionsreichen Herbstkonzert, das der Gospelchor „Swingin People“ in der evangelischen Gethsemanekirche auf dem Waldhof gab. Es stand unter der Überschrift „Love Is The Message“.

„Dieses Musical steht ein bisschen im Schatten von ‚Jesus Christ Superstar’, das 1971 im gleichen Jahr erschien, ist aber mindestens genauso toll“, versicherte Dirigent Dieter Scheithe. Er durfte sich gemeinsam mit seinen Musikern über ein proppenvolles Gotteshaus freuen.

Dass der gemischte Chor der Waldhof-Luzenberg-Gemeinde ein stilistische Grenzen sprengendes Repertoire pflegt und es ständig erweitert, dürfte mittlerweile über den Stadtteil hinaus bekannt sein. „Wir singen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, was uns vor die Flinte kommt“, scherzte Dieter Scheithe, der wie gewohnt sein Ensemble am Klavier begleitete.

Wenn der Klangkörper sein Herbstkonzert mit spürbarer Spiellaune zelebriert, garantiert das voll belegte Stühle im Publikum. Dabei vertraut der Chor nicht nur auf Fremdmaterial, sondern greift ebenso auf Eigenkompositionen zurück, etwa bei dem Song „With Your Love“ aus der Feder von Tine Wiechmann. Sie ist eine Kollegin von Dieter Scheithe, der als Lehrer für Musik und Deutsch am Elisabeth-von-Thadden-Gymnasium in Heidelberg unterrichtet.

Reminiszenzen an Filme

Darüber hinaus ist Tine Wiechmann stimmkräftiges Mitglied der Enaim Gospel Connection. „Eine tolle Truppe“, lobte Scheithe. An der Kistentrommel Cajon war Gerd Nemet zu erleben.

Immer wieder erschien als Gastsängerin Jeannette Friedrich vorne am Mikrofon, zum Beispiel für die Nummer „A Million Dreams“ aus dem kunterbunten Spielfilm „The Greatest Showman“ über das schillernde Leben der Zirkuslegende P. T. Barnum mit Hollywood-Star Hugh Jackman in der Hauptrolle. Ein filmisches Meisterwerk, das man wärmstens empfehlen kann.

Mit ihrem Timbre voller Dramatik brachte Stimmwunder Friedrich ein wenig Capitol-Atmosphäre in das Gotteshaus. Zusätzlich interpretierte der Chor den Song „This Is Me“ aus dem erwähnten Kinofilm. „Diesen Song singt im Film eine bärtige Frau, ,A Million Dreams’ plädiert moralisch für Toleranz“, erläuterte Scheithe.

Bärtige Frauen gehörten in der Vergangenheit in den Vereinigten Staaten oftmals einer von Stadt zu Stadt tingelnden Freakshow an, im Rahmen von wandernden Kleinkunstbühnen, um missgebildete Menschen als Jahrmarktsattraktion zur Schau zu stellen. In der heutigen westlichen Zivilisation, die auf verfassungsmäßig garantierten Menschenrechten basiert, sei das kaum mehr vorstellbar.

Aus dem surrealistischen Psycho-Film „Donnie Darko“ von 2001 stammt das ebenfalls von den „Swingin People“ zu Gehör gebrachte Stück „Mad World“. Im Original von Tears For Fears entwickelte sich der Song in der Version von Gary Jules 2003 zum Radio-Hit. Außerdem sang das Ensemble noch Lieder wie „Hallelujah“ von Leonard Cohen, „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel, „He Lives In You“ aus „Der König der Löwen“, „The Rose“ und „One Moment In Time“ von Whitney Houston.