Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Gartenstadt SPD lädt zu Politik auf dem Freyaplatz ein / Furcht vor Altersarmut und fehlendem Personal in der Altenpflege

"Raus aus dem Hinterzimmer"

"Wir wollen zeigen, dass es uns noch gibt", meinte Andrea Jessen. Deshalb hatte die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Gartenstadt die Mitgliederversammlung unter dem Motto "Politik auf dem Freyaplatz statt im Hinterzimmer" kurzerhand in die Stadtteilmitte verlegt. Bei Zwiebelkuchen und Orangensaft wollten die Genossen Position beziehen und den Bürgern politisch Gehör verschaffen. "Nur auf den neuen Wein verzichten wir an einem Vormittag", lachte Jessen.

Immerhin konnte sie mit Jutta Wigand gleich ein neues Mitglied präsentieren. "Ich bin erst vergangene Woche in die Partei eingetreten", berichtete Wigand. Vormals sei sie in der Gewerkschaft aktiv gewesen. Gerade in politisch schweren Zeiten sei es doch wichtig, aktiv zu sein und sich zu engagieren, begründete sie ihren Schritt. Schließlich könne jeder einzelne Überzeugungsarbeit leisten. "Ich kann damit auch meinen Kindern ein Vorbild sein", erklärte Jutta Wigand.

"Wir haben viel Zustimmung für die Politik der SPD bekommen", berichtete Andrea Jessen. Vor allem die Angst vor der Zukunft treibe die Menschen um. "Jeder möchte doch später von seiner Rente leben können", betonte sie. Das Thema Altersarmut betreffe viele Frauen. "Da nehme ich mich selbst nicht aus", sagte die Ortsvereinsvorsitzende.

Gleiches gelte für den demografischen Wandel. "Muss ich wirklich bis 70 arbeiten gehen - und was passiert mit meinen Kindern?" Diese Fragen stellten sich viele. Vor allem in der Altenpflege würden viel zu geringe Löhne gezahlt. Trotzdem brauche es dort ein Plus an Beschäftigten. Mit dem Wahlkampf von Martin Schulz zeigte sich Jessen trotz des Abschneidens bei der Bundestagswahl zufrieden. "Er war agil und hat alles gegeben", resümierte sie. Die SPD sieht sie nach dem Wahlergebnis am besten in der Opposition aufgehoben. "Die anderen Parteien sollen sich jetzt beweisen", forderte sie.

Etwas kritischer sieht Albert Faissner den Bundestagswahlkampf seiner Genossen. Schulz hätte mehr auf die Europapolitik setzen sollen, unterstrich er. Und: Das Thema Gerechtigkeit hätte der Kanzlerkandidat noch besser herausstreichen können. "Für die nachrückende Generation ist das ein wichtiger Punkt", hob der Vizevorstand der Gartenstädter Sozialdemokraten hervor.

Kritik an Internet-Apotheken

Ein konkretes Thema trug Bernd Meyer vor. Wo bleibe die Gerechtigkeit, "wenn heute jeder seine verschreibungspflichtigen Medikamente in Holland kauft", beklagte der Betreiber der Wotan- Apotheke. Dies müsse durch die Bundespolitik verboten werden, "sonst können wir zumachen", meinte Meyer.

Zudem bereiteten ihm die geplanten Straßen- und Kanalarbeiten am Freyaplatz Sorgen. Diese waren eigentlich für den September geplant, berichtete SPD-Revisor Manfred Of. "Wir haben bereits damals durch den Bau der Stadtbahn Nord viele Einbußen im Kundenbereich erleiden müssen", so Meyer. Er hoffe nun, dass sich durch die Verlegung der Bushaltestelle im Zuge der Baumaßnahmen keine größeren Hindernisse ergeben würden. jba