Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Gartenstadt Erfolgreiche Aufführung von „Anne und Zef“ bei der Freilichtbühne / Jugendtheatergruppe arbeitet bereits am nächsten Stück

Realität trifft auf Fiktion

Anne Frank, die wegen ihres Tagebuchs bekanntgewordene 15-jährige Jüdin, trifft den gleichaltrigen Zef aus Albanien. Beide eint ein ähnliches Schicksal, denn sie mussten sich vor ihrem viel zu frühen Tod jahrelang verstecken.

Opfer der Umstände

Als Opfer der gesellschaftlichen Umstände tragen sie an ihrem Schicksal selbst keinerlei Schuld. Sie starb 1945 im KZ Bergen-Belsen, er wurde im Hier und Jetzt wegen der in seiner Heimat noch immer üblichen Blutrache von seinem besten Freund Edi erschossen. Grund ist der Kanun, ein Gewohnheitsrecht, das in gewissen Teilen Albaniens mehr gilt als das staatliche Gesetz.

Anne Frank hat wirklich gelebt, Zef ist Fiktion. Doch es ist dokumentiert, dass es in Albanien über 2000 Zefs gibt, die versteckt ausharren müssen. Der Gang in die Öffentlichkeit wäre ihr Todesurteil.

Der niederländische Jugend-Dramatiker Ad de Bont hat für die beiden, die sich im irdischen Dasein nie hätten begegnen können, eine eigene, überirdische Welt geschaffen, in der sie sich annähern, mit- und übereinander sprechen und sich letztendlich verlieben. Als Vorlage diente ihm das originale „Tagebuch der Anne Frank“, das er um Einträge aus dem KZ und um reale Briefwechsel Überlebender adäquat ergänzte.

Zum Denken anregen

Dass „Anne und Zef“ trotz des düsteren Hintergrundes nie depressiv oder larmoyant, sondern mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommt, ist vor allem ein Verdienst des Jugendtheaters Mannheim. „Wir wählen ganz bewusst anspruchsvolle Stücke, die zum Denken anregen. Und wir wollen junge Leute für das Theater begeistern“, erläutert der Künstlerische Leiter Thomas Kreidermacher das Wesen des von ihm initiierten Vereins. „Der Regisseur hat eine Idee, einen großen Anteil an der Umsetzung hat aber auch die Gruppe. So wird das Stück zum Baby von jedem.“ Dank des Kooperationspartners, der Gartenstädter Freilichtbühne, gab das 2016 gegründete Ensemble, das sich vor allem Schüleraufführungen zur Aufgabe gemacht hat, nun im Zimmertheater eine öffentliche Vorstellung.

Die große Intensität, mit der das zwischen 19 und 23 Jahre alte Quartett spielte, übertrug sich schnell auf das weitgehend erwachsene Publikum. Auch wenn wegen des oft extrem hohen Sprechtempos manche Textpassagen untergingen. Man spürte, wie tiefgründig sich zudem die übrigen Mitglieder im 20-köpfigen Ensemble um Spielleiter Kreidermacher mit dem Thema beschäftigt hatten.

Funktionales Bühnenbild

Im sparsamen, gleichermaßen funktionalen und stimmungsvollen Bühnenbild ist Lara Kreidermacher als Anne Frank eine selbstbewusste, durchaus auch aufmüpfige moderne junge Frau, die starke berührende Momente hat, meist aber ziemlich abgeklärt auf ihr Leben zurückblickt. Anders als das Blutrache-Opfer Zef. Gerade erst getötet, weiß er nicht was ihm und was mit ihm geschieht. Joshua Ritter wandelt sich vom verunsicherten Kind zum jungen Mann, der Anne fast ebenbürtig wird. Während sie für die ironischen Töne zuständig ist, sorgt er mit seinen theatralischen Einlagen auch für komische Momente.

Davon ist bei Zefs Eltern nichts zu spüren. Während die durch den Kanun traumatisierte Mutter (Lolita Kiefer) sich stoisch mit dem Familien-Schicksal abfindet, will der Vater (Simon Pohl) seinem Sohn ein Leben in Freiheit ermöglichen und gibt ihm die Erlaubnis zur Flucht. Auch wenn es letztlich den Tod bedeutet. Gerade die Motive der Eltern waren dann auch ein Thema in der obligatorischen Diskussion nach knapp 80 Minuten reiner Spieldauer.

Zurzeit arbeitet die Jugendtheatergruppe an ihrer dritten Produktion. Das Stück „Aussetzer“ von Lutz Hübner hat am 20. Juli Premiere.