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Gartenstadt Kirchenkabarettist Ingmar Maybach stellt „Wort zum Sonntag-Show“ vor / Programmteil zum 70. Geburtstag der evangelischen Gnadenkirche

Schelmischer Satiriker lästert über Tod und Teufel

Innerhalb des Klerus scheint Ingmar Maybach die ganz große Karriere zu planen. Deshalb animierte der Kirchenkabarettist seine vielen Besucher zu einem standesgemäßen Empfang mit hysterischem Fangeschrei. „Mit Überschlag in der Stimme: Maybach muss Bischof werden!“, verlangte der geistliche Humorist. Im Rahmen des Festwochenendes zum 70. Geburtstag der evangelischen Gnadenkirche gastierte er in dem Gotteshaus mit seiner „Christlich Satirischen Unterhaltung“ (CSU) und witzigen Ausschnitten aus der neuen „Wort zum Sonntag-Show“.

„Wir brauchen mehr Mut zum Personenkult, damit ein Ruck durch die Volkskirche geht“, analysierte Maybach, der an die legendäre Schlagzeile der Bild Zeitung „Wir sind Papst!“ erinnerte, als im April 2005 der bayerische Joseph Kardinal Ratzinger zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt worden war. „Was Luther begann, hat Springer vollendet“, kommentierte der Spaßmacher, der nicht verwandt sei mit der seit 2012 eingestellten Limousinen-Sparte von Mercedes-Benz – obwohl er’s sicher gerne wäre, wie der aus Berlin stammende Witzbold frech andeutete.

Ohne Übertreibung kann man bei dem spitzfindigen Humorspezialisten behaupten, auf recht hohem Niveau zu lachen. Oder zumindest zu kichern. Wer genau hinhört, kann bei dem Kabarettisten, der lange als Theologe im Odenwald gearbeitet hat, zwischen den Lachern viel lernen über Gott und die Welt.

Vom groben Layout her – mit wuchtigen Buchstaben und mit den abgebildeten Fotomontagen – ähneln die Poster und CDs von Maybach, die man an einem Verkaufsstand erwerben durfte, ein bisschen dem ästhetischen Erscheinungsbild der Satire-Zeitschrift Titanic. Als schelmischer Satiriker empfindet sich Maybach ebenfalls.

In der Gnadenkirche erklärte der Pfarrer, was man unter einem homiletischen Dreieck zu verstehen hat: Der Fachbegriff Homiletik beschreibt die theologische Predigtlehre, die sich in die drei grundlegenden Bestandteile Sprecher, Hörer und Bibeltext unterteilen lässt. In Bezug auf den Kirchenreformer Ernst Lange (1927 bis 1974) stimmte Maybach, der mittlerweile als Seelsorger im berüchtigten Frankfurter Kneipenmeilen-Stadtteil Sachsenhausen tätig ist, auf der Akustikgitarre die eigens komponierte Nummer „Predigtlied für Ernst Lange“ an. „Ich sitze hier in meinem Arbeitszimmer, an der Predigt für den Sonntag, wieder nicht früher geschafft. Hätt ich doch lieber was Vernünftiges gelernt“, jammert ein Prediger mit Schreibblockade hier über fehlende Ideen und Geistesblitze beim Verfassen einer Kanzelrede.

Später lästerte Maybach über den Teufel, den Tod, die Wahlverderber der AfD und die Waldorfschule, dazu fasste er auf zynische Weise seine Erfahrungen mit halb überschnappenden Bräuten bei Hochzeiten zusammen. „Bei Luther war der Teufel noch eine reale Größe, nach der man mit dem Tintenfass werfen konnte“, schilderte der Humorist, der gesellschaftliche Tabuthemen wie Selbstmord befreit anrührt.