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Waldhof Bürgerinitiative für den Westen des Stadtteils beklagt Zustand des Seppl-Herberger-Platzes / Stadt verweist auf regelmäßige Reinigungsaktionen

„Schmutzig, ungepflegt, schmucklos“

Archivartikel

Eine Momentaufnahme auf dem Waldhöfer Seppl-Herberger-Platz: Die Abfalltüten in den beiden Mülleimern sind noch unbenutzt, wurden anscheinend gerade erst ausgetauscht. Aber auf dem Bodenbelag daneben häufen sich Zigarettenkippen. Die Bank präsentiert sich schmutzig und fleckig, Glasscherben liegen daneben. Einige wenige Pflanzen am Zaun zur Waldhofschule wirken wie Unkraut. Und auf der Grünfläche wächst ungepflegt wirkender, lückenhafter Rasen.

Diese Momentaufnahme sei durchaus typisch, meint die Bürgerinitiative Waldhof-West (BI). Sie ist mit dem Zustand des Herberger-Platzes alles andere als zufrieden. Immer mal wieder ergreifen einige Aktive deshalb die Initiative – um die kleine Fläche im Dreieck zwischen Oppauer und Jakob-Faulhaber-Straße auf Vordermann zu bringen – zum Beispiel kurz vor dem 4. Juli, dem 65. Jahrestag des „Wunders von Bern“. Damals holte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Trainerlegende Sepp Herberger gegen Ungarn den Weltmeistertitel.

In einer spontanen, über vierstündigen Aktion habe man „wenigstens die Platzfläche und die Denkmalobjekte intensiv und mit den Mitteln, die uns möglich waren, noch einmal gründlich gereinigt und vorübergehend vorzeigbar gemacht“, teilt BI-Sprecher Jürgen Kurtz dem „Mannheimer Morgen“ mit. Fotos zeigen, wie die Helfer den Bodenbelag, die Bank und Teile der Ausstellung abstrahlen und säubern. „Wir denken, dass unser Seppl mit uns zufrieden gewesen wäre. Ob er das jedoch noch von seiner Heimatstadt behaupten würde, daran zweifeln wir immer mehr“, so Kurtz.

Prominenter Gast

Denn die Andenkenpflege der Stadt für ihre berühmtesten Persönlichkeiten sei „eine problematische Sache“. Zuletzt im Mai habe man „beschämt“ daneben gestanden, als „der letzte lebende Held von Bern, Horst Eckel“, sich die Gedenkstätte anschaute: „Genau wie den vielen Interessierten aus ganz Deutschland zeigte sich der Platz auch an diesem Tag leider schmutzig, ungepflegt und schmucklos“, kritisiert Kurtz. Aber all das sei „der Stadt Mannheim offenbar egal“.

Die Verwaltung weist die Kritik zurück. Auf Anfrage des „MM“ erklärt Sprecher Kevin Ittemann, was seitens der Stadt unternommen werde. Die Müllbehälter würden „drei Mal pro Woche geleert und die Anlage drei mal wöchentlich gereinigt“. Das beinhalte das Kehren, nicht allerdings die Nassreinigung des Bodenbelags. Die Denkmäler würden „nach Bedarf gereinigt und instandgesetzt“, Begehungen durch städtische Bauleiter erfolgten „in regelmäßigen Abständen, im Normalfall im Jahresrhythmus“. Was die fleckige Bank angeht: Sie werde immer mal wieder „auf Beschädigungen kontrolliert. Ist sie defekt, wird sie repariert. Eine Reinigung ist für Bänke im öffentlichen Raum nicht vorgesehen.“ Und zum Zustand der Grünfläche teilt Ittemann mit, eine Pflege finde „monatlich“ statt. „Der letzte Pflegegang wurde vor einigen Tagen durchgeführt“. Aber „durch die Trockenheit im Juli, verbunden mit dem hohen Nutzungsdruck, wächst der Rasen derzeit schlecht nach“. Sobald es mehr Niederschläge gebe, werde sich „der Rasen voraussichtlich erholen. Dies wird im Herbst vom Fachbereich Grünflächen und Umwelt überprüft. Falls erforderlich, wird nachgesät.“

Der Bürgerinitiative ist das alles viel zu wenig. So habe sich „nach der durchaus gelungenen Einweihung des Seppl-Herberger-Platzes am 17. Juli 2015 niemand mehr von der Stadtverwaltung ernsthaft um Aussehen und Wirkung dieser immer noch außergewöhnlichen Gedenkstätte von nationalen Rang gekümmert“, beklagt Kurtz: „Mit der regelmäßigen Leerung der zwei Mülleimer und dem Auflesen von grobem Müll ist es nicht dauerhaft getan. Mehr passiert dort nicht, und das ärgert und halt.“

Der Besuch Horst Eckels habe ihn und seine Mitstreiter zu der Sonder-Reinigungsaktion vor dem Jahrestag des „Wunders von Bern“ motiviert. Aber „ob es irgendwann noch einmal zu einer weiteren Aktion kommt, wird sich zeigen“, so Kurtz. Denn „eigentlich haben wir keine Lust mehr auf unsere derzeitige Rolle als Kritiker und Mahner. Wir werden uns deshalb mit den Gegebenheiten abfinden müssen.“