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Gartenstadt Bezirksbeirat lehnt Bebauungsplan für 1,8 Hektar großes Gebiet am Rottannenweg ab / Gesamtkonzept gefordert

Schwimmen statt Wohnen?

Archivartikel

Das Votum hätte nicht deutlicher ausfallen können: Einstimmig lehnt der Bezirksbeirat Waldhof die Aufstellung eines Bebauungsplans in der Gartenstadt für ein knapp 1,8 Hektar großes Gelände südlich der Straße Langer Schlag und nordöstlich des Carl-Benz-Bads ab. Die Politiker vermissen vor allem ein Gesamtkonzept, das die Wassersporteinrichtung miteinbezieht.

Auf dem von großem Baumbestand geprägten Gelände, in dem der Rottannenweg endet, stehen derzeit noch mehrere Gebäude des Victor-Lenel-Heims. Der von der Arbeiterwohlfahrt auf städtischem Gelände betriebene Komplex umfasst ein Mutter-Kind-Heim und eine soziotherapeutische Einrichtung für bis zu 30 Suchtkranke.

Mutter-Kind-Heim zieht um

Marode sind die Gebäude schon lange, nach Ansicht der Stadt ist eine Sanierung nicht mehr möglich. Deshalb sollen die Häuser abgerissen werden. Während für die soziotherapeutische Einrichtung ein neues Domizil am gleichen Ort entstehen soll, zieht das Mutter-Kind-Heim um in einen Neubau am Gryphiusweg auf der Schönau. Baubeginn war im Dezember 2018, bezugsfertig soll das Heim im Frühjahr 2020 sein.

So entsteht am Rottannenweg Platz, für den sich die Stadt in Zukunft eine Wohnbebauung vorstellt. Die Realisierung sämtlicher Maßnahmen – Mutter-Kind-Heim Schönau, soziotherapeutische Wohngemeinschaft und Wohnbebauung – soll von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBG realisiert werden. In der Bezirksbeiratssitzung stellte Jochen Tölk vom Fachbereich Stadtplanung die bis dato feststehenden Details vor.

Dabei ging er auf die vielen Bäume ein, die „soweit möglich erhalten“ und „in die Planung integriert“ werden sollten. Den Bestand habe man bereits erfasst und bewertet. Komplett bewahrt und zum Teil dem Freibereich des Carl-Benz-Bads zugeschlagen werden sollen nach den Vorstellungen der Stadt die Bäume im Südteil das Plangebiets.

Man werde durchaus hellhörig, wenn man gesagt bekomme, die Bäume sollten „möglichst“ erhalten werden, meldete sich Bezirksbeirat Thomas Steitz (Mannheimer Liste) zu Wort. Vor allem monierte er aber, dass die Zukunft des angrenzenden Freizeitgeländes noch ungeklärt sei. Wie im Dezember berichtet, untersucht die Stadt für die Bäder im Nordosten zurzeit drei Szenarien: Erstens Sanierung von Waldhof-Ost und Vogelstang, zweitens einen Neubau beider Bäder am gleichen Ort und drittens einen Neubau am Carl-Benz-Bad.

Steitz forderte einen „Gesamtplan für dieses Areal, bevor ein Bebauungsplan aufgestellt wird“. Nicht zuletzt gehe es darum, wo die derzeitigen und künftigen Anwohner und die Gäste des Bades parken sollten. Beide Punkte treiben auch Stefan Höß (SPD) um, „da hinten sind Parkplätze sehr rar“. Es sei nicht richtig, dass der Nord- und Südteil des Gesamtgeländes „losgelöst voneinander betrachtet“ würden, meinte auch Gerald Unger (Linke). Eigentlich eigne sich das komplette Terrain doch prima für einen Frei- und Hallenbadkomplex. Aber dann könne die Stadt das Gebiet natürlich nicht so gut vermarkten.

Außerdem geht es um den Lärmschutz: Stehe erst einmal das Wohngebiet, hieße es „irgendwann, das Carl-Benz-Bad ist zu laut“, befürchtete beispielsweise Gudrun Müller (Mannheimer Liste). Was die Wechselwirkungen zwischen Bad und Wohnen angeht, versprach Jochen Tölk, „haben wir das Thema auf dem Schirm“. Die Stadt sei sich im Klaren, die Bebauung so zu realisieren, „dass es im Carl-Benz-Bad keine Beeinträchtigung des Betriebs gibt. Das muss funktionieren, auch mit einem Hallenbad.“

Viele Details noch offen

Die Bezirksbeiräte äußerten daran erhebliche Zweifel, zumal viele Details noch offen sind. So konnte Tölk zum Beispiel noch nicht sagen, wie viele Wohneinheiten – „mehr als zehn, weniger als 30“ – entstehen sollen. Offen ließ er, wo neben einem geplanten Mehrfamilienkomplex Platz für die soziotherapeutische Einrichtung bleibe, ob man zum Bad hin vielleicht sogar eine Lärmschutzwand brauche und ob sich der Vogelbestand des Gebiets mit den Neubauplänen vertrage.

Das alles werde man nach dem Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplans prüfen. Und, so Tölk, „die Sache mit dem Parken werde ich mitnehmen“. Über die Aufstellung des Bebauungsplans wird am 19. Februar der Ausschuss für Umwelt und Technik beraten. Er weiß jetzt, was der Bezirksbeirat davon hält – gar nichts.