Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Gartenstadt Gedenkfeier zum Totensonntag / Pfarrer Sam Lee appelliert an Gemeinschaftssinn

„So leben, dass man vermisst wird“

Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag: Der November ist der Monat des Gedenkens. Den Abschluss bildet traditionell der Totensonntag, der Gedenktag der evangelischen Christen für die Verstorbenen. Am Totensonntag ist es für viele Menschen in Mannheim ein lieber Brauch, die Gräber ihrer Verstorbenen auf dem Friedhof aufzusuchen. Auf dem Waldfriedhof Gartenstadt gedachten die Gartenstädter und Waldhöfer Bürger traditionsgemäß gemeinsam aller in den vergangenen zwölf Monaten Verstorbener der Stadtteile und aller anderen Menschen in der Welt, die durch Krieg und Gewalt zu Schaden gekommen sind.

Organisiert wurde die Gedenkstunde von Kulturverein Waldhof und Bürgerverein Gartenstadt mit Unterstützung des Friedhofsamts. In der Trauerhalle begrüßte Bürgervereinsvorsitzender Roland Weiß auch im Namen des Kulturvereinsvorsitzenden Stefan Höß zahlreiche Bürger. „Gerade in der heutigen Zeit ist das ein Signal, dass sich so viele aufgemacht haben“, sagte er. Pfarrer Sam Lee von der evangelischen Gemeinde Waldhof-Luzenberg hielt eine bewegende und nachdenkliche Rede. Er verwies auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens, die sich in den heutigen Tagen immer wieder aufdrängten und erinnerte an die Bedeutung der Familie, des Freundeskreises und des Vereins. Der aus Südkorea stammende Geistliche erinnerte auch an den Krieg zwischen Nord- und Südkorea, als Koreaner auf Koreaner schossen, sowie an den Bruderzwist zwischen Deutschland-Ost und West zur Zeit der deutschen Teilung. Das Gut des Friedens sei sehr hoch einzuschätzen und keinerlei Selbstverständlichkeit. Um dies zu erreichen, müsse man miteinander arbeiten und reden, einander vertrauen und um friedvolles Miteinander bemühen.

Man müsse den Tod zurückholen ins Leben, über Tote reden und gemeinsam an sie denken. „Ich weiß, dass die uns lieben, mich vermissen werden, das ist gültig, egal welcher Religion und Überzeugung“, sagte Lee. Deshalb sei es „wichtig, heute so zu leben, dass man vermisst wird“.

Ansprache verwechselt

Weil man ihm „aus Versehen“ die kommunale Ansprache zum „Volkstrauertag“ vom Sonntag zuvor mitgegeben habe, so Stadtrat Deniz Gedik (Grüne), gedachte er als Vertreter der Stadt Mannheim mit den bekannten Worten noch einmal aller Opfer der beiden Weltkriege, von Völkermord, Verfolgung, Terroranschlägen, Vertreibung und Unterdrückung sowie der aktuellen Opfer von rechter Gewalt.

„Die Toten mahnen uns!“, steht auf einer Stele. An ihr legten die Vorsitzenden von Bürgerverein Gartenstadt und Kulturverein Waldhof, Siedler- und Eigenheimergemeinschaft Einigkeit, SPD-Ortsverein Gartenstadt und Vertreter der Stadt anschließend Trauerkränze nieder. Musikalisch begleitet wurde das Totengedenken vom Musikzug Blau-Weiß Waldhof unter Leitung von Jürgen Guilmin und von den Joyful Voices – das Rote Mikrofon unter Leitung von Andreas Luca Beraldo.