Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Diskussion um „Maria 2.0“ in St. Franziskus / Kritik an fehlender Wertschätzung

Welche Rechte haben Frauen in der Kirche?

Als im Mai die Bewegung „Maria 2.0“ für bundesweites Aufsehen sorgte, beteiligten sich viele Frauen in Deutschland an den Protesten: Sie legten für eine Woche ihre Ehrenämter nieder und organisierten Gottesdienste, die außerhalb der Kirchenmauern stattfanden. Nun, ein halbes Jahr später, beschäftigte sich das Ökumenische Frauenfrühstück, das regelmäßig an St. Franziskus stattfindet, mit dem Thema.

Ort der Begegnung

Die weit über die Grenzen von Waldhof hinaus beliebte Veranstaltung war einst aus der Idee entstanden, Frauen einen Ort der Begegnung und eine Plattform zu schaffen, um Themen zu diskutieren, die in dieser Form in den Gottesdiensten meist nicht angesprochen werden.

„Maria 2.0 – Gefahr oder Chance für die Kirche?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich Referentin Andrea Keber im Gartensaal von St. Franziskus. Ihr Vortrag stieß auf reges Interesse: Gut 60 Frauen aus verschiedenen Mannheimer Gemeinden und darüber hinaus konnte Organisatorin Sonja Wacker vom Gemeindeteam von St. Franziskus an den herbstlich geschmückten Tischen im Saal begrüßen. Dies machte deutlich, wie wichtig das Thema für die Kirche und ihre Mitglieder ist.

Die in der Initiative „Maria 2.0“ aktive Referentin und Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der katholischen St.-Franziskus-Gemeinde Nieder-Olm im Bistum Mainz schilderte die Erlebnisse in ihrer Heimatpfarrei. Ausgehend von Protestaktionen der Diözese Münster habe sich auch der dortige Pfarrgemeinderat dazu entschlossen, „Maria 2.0“ zu unterstützen. Auch der Pfarrer ihrer Gemeinde habe weitgehend mit Verständnis auf den Proteststreik katholischer Frauen reagiert.

Auch wenn sie selbst nie nach einem kirchlichen Weiheamt streben würde, stellte Keber die Frage, was den verheirateten, aber geweihten Diakon von der sich um die Verkündigung des Evangeliums bemühende Frau unterscheide und ob der Ausschluss von kirchlichen Weiheämtern im Geschlecht begründet sein dürfe. Sie betonte, dass sich die Frauen mit der Teilnahme an der Bewegung nicht gegen die Kirche stellen wollten, sondern vielmehr für deren Zukunft kämpften.

Kritiker sagten zwar, dass die Frauen mit ihren Aktionen der Kirche schaden würden und die Bewegung nicht glaubenstreu sei. Doch viele der Frauen, die an diesem Vormittag in den Gartensaal gekommen waren, um darüber zu diskutieren, ob Maria 2.0 – eine Gefahr oder Chance für die Kirche ist, schlossen sich der Meinung Kebers an. „Ich wünsche mir ein Umdenken und einen Dialog auf Augenhöhe“, erläuterte Keber ihre Ziele, die sie offenbar mit vielen der Gäste teilte. „Was verliert man an Macht, wenn man andere daran teilhaben lässt?“, fragte eine Besucherin in die Runde und erntete von den Diskutantinnen Zustimmung. Die anderen Frauen machten, wie Keber auch, deutlich, dass sich die Bewegung nicht gegen die Kirche selbst wende, sondern gegen ihren Machtapparat. „Es geht um Wertschätzung“. Keber wandte sich am Ende mit einem Aufruf zu weiteren Gesprächen an alle Beteiligten: „Nur von innen heraus kann das Bestehende verändern werden.“