Wallstadt

Straßenheim Anwohner überrascht und verärgert wegen Sanierung des Straßenheimer Wegs

Angst vor einer „Rennstrecke“

Archivartikel

„Ziemlich unverschämt“, schimpft Tom Hotz – und nicht nur er ärgert sich: Während sich viele Mannheimer sonst freuen würden, wenn eine zur „Schlaglochpiste“ heruntergekommene Straße saniert wird, sind die Straßenheimer sauer. Sie fürchten, dass mit dem neuen Asphaltbelag, der jetzt auf den Straßenheimer Weg kommt, eine neue „Rennstrecke“ und mehr Durchgangsverkehr in dem kleinen Ort entsteht.

Am Montag ging es los. Mit Absperrarbeiten begannen die Asphaltarbeiten auf dem Straßenheimer Weg zwischen den Hausnummern 181 und 203 – also etwa ab der Höhe des Buddistischen Zentrums bis zur Pferdesportanlage auf einer Länge von 500 Metern.

Kosten von 150 000 Euro

„Der Straßenbelag war in diesem Bereich stark beschädigt und wird komplett ausgetauscht“, begründet Jan Krasko, der Sprecher des Baudezernats, die Arbeiten. Sie würden voraussichtlich sechs Wochen dauern und seien bis Anfang Juli 2019 angesetzt. „Da die Arbeiten unter Vollsperrung durchgeführt werden müssen, ist eine Umleitung über die B 38 eingerichtet und ausgeschildert“, kündigt Krasko an.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 150 000 Euro, so Anja Ehrenpreis, die Baustellenmanagerin der Stadt, auf Nachfrage. Der bauliche Zustand der Straßen in Straßenheim sei im Zuge der Straßenzustandserfassung im Jahr 2015/2016 bewertet worden. „Dabei wurden vorhandene Unebenheiten, Risse, Oberflächenschäden und Flickstellen erfasst“, so Ehrenpreis. Bei der anschließenden Bewertung analog dem Schulnotensystem sei dieser Straßenabschnitt der Zustandsklasse 6 – sprich Note ungenügend – zugeordnet worden, begründet sie die Bauarbeiten. Ergänzenden „MM“-Informationen zufolge erhält der Abschnitt eine dreilagige, etwa 14 Zentimeter dicke neue Deckschicht. Straßenführung und Straßenbreite bleiben unverändert.

Anwohner von Straßenheim ärgern sich aus zwei Gründen. Die Anlieger seien „völlig überrascht“ worden, so Carmen Müller vom „Straßenheimer Hof“. „Man hat den Anwohnern keinerlei Information vorab übermittelt – typisch Verwaltung“, merkt sie bitter an. Zudem erfolgt die Sperrung ausgerechnet drei Tage, bevor Straßenheim das größte, nur alle zwei Jahre stattfindende Ereignis erlebt – den großen Open-Air-Gottesdienst der gesamten katholischen Seelsorgeeinheit Maria Magdalena mit ihren sechs Pfarreien am Feiertag Christi Himmelfahrt im Seitz-Hof. „Zudem ist das Ganze mitten in der Erntezeit und bedeutet für alle Bauern riesige Umwege“, beklagt Tom Hotz.

Petition der Anlieger

Schließlich wollten die Anwohner den Ausbau gar nicht – weil sie dadurch mehr Durchgangsverkehr aus Heddesheim fürchten, die diese schmale Straße als „Schleichweg“ nutzen. Carmen Müller spricht daher, da es entlang vom Straßenheimer Weg und im gesamten Ort keinerlei Gehwege gibt, von einem „hohen Gefährdungspotential für Fußgänger, Radfahrer, den Verkehr aus den Hofeinfahrten und an der Kreuzung“, warnt sie.

„Mit dem neuen Straßenbelag wird der Durchgangsverkehr noch befeuert, das nimmt sicher zu“, fürchtet auch Tom Hotz: „Statt zu bremsen, fördert die Stadt, dass man hier durchrasen kann“, schimpft er.

Dass sie unter dem Durchgangsverkehr leiden, hatten die Anwohner von Straßenheim mehrfach thematisiert. 2016 drängten sie ausdrücklich darauf, die Ortsstraße deshalb nicht zu sanieren – und erhielten von der Bauverwaltung auch die Auskunft, dass dies nicht geplant sei.

Anfang 2017 machten 53 Erwachsene Einwohner des Orts die Verwaltung in einer Petition auf den zunehmenden Durchgangsverkehr aufmerksam. „Hier besteht unbedingter und schneller Handlungsbedarf“, so Carmen Müller damals im Bezirksbeirat. Nach stark wachsender Wohnbebauung in Heddesheim habe unter der Woche der Berufsverkehr sehr zugenommen, an Samstagen die Fahrten mit Ziel Rhein-Neckar-Zentrum.

Die SPD-Gemeinderatsfraktion forderte daraufhin die Verwaltung auf, zu prüfen, ob die Straßen nach Straßenheim als Anliegerstraßen eingestuft werden können – ohne Erfolg. Die Durchfahrtsstraßen durch Straßenheim hätten „einen überörtlichen Bezug“, eine Veränderung der Klassifizierung könne ohne Beteiligung von Kreis Bergstraße und Rhein-Neckar-Kreise nicht erfolgen. Aber auch sonst sei der Antrag „aus Sicht der Verwaltung nicht weiterzuverfolgen“, heißt es in einer Vorlage aus dem Baudezernat.