Wallstadt

Wallstadt Grimminger-Filiale schließt Ende Januar / Historischer Gasthof wird zum Wohn- und Geschäftshaus

Bald Baubeginn im „Pflug“

Ab Februar soll es losgehen – denn Ende Januar schließt die Grimminger-Filiale in Wallstadt. Dann können im und am historischen Gasthaus „Pflug“ die Umbauarbeiten zu einem modernen Wohn- und Geschäftshaus sowie der Abriss des Anbaus beginnen. Schon im Frühjahr nächsten Jahres soll das große Projekt im Ortskern fertig sein.

„Es hat alles länger gedauert als gedacht“, räumt Dierk Koller ein. Der Wallstadter Architekt hat mit dem Schriesheimer Immobilienmakler und Unternehmensberater Matthias G. Weigel die „KoW Projektgesellschaft“ gegründet und das seit 2015 leerstehende älteste Gasthaus des Orts 2017 erworben. 3,2 Millionen Euro, so Koller, wollen er und sein Partner hier investieren.

Das laut Marchivum „wohl 1809“ erbaute älteste Gasthaus des Orts steht unter Denkmalschutz – nicht aber der seitliche Anbau (Torhaus), Scheune, Ställe und Küchenanbau. Doch wegen des Denkmalschutzes und der zentralen Lage im Ort redeten Gestaltungsbeirat und Denkmalbeirat mit, ehe die Stadt die Baugenehmigung erteilte. Mehrere Anregungen der Gremien habe man „gerne aufgegriffen“, so Koller.

Zunächst hatte Koller vor, das Projekt in zwei Abschnitten zu realisieren – beginnend im denkmalgeschützten Haupthaus. Der Anbau mit der Bäckereifiliale sollte vorerst unangetastet bleiben, da Grimminger einen Mietvertrag bis Ende Januar hat und den voll ausschöpfen wollte. So wurde im Sommer der Bezirksbeirat informiert.

„Aber wir haben uns dann entschieden, nicht abschnittsweise zu bauen, sondern komplett in einem Rutsch zu arbeiten – weil alles, vom Strom bis Abwasser, zusammenhängt“, so Koller jetzt. Zudem könne man damit im Sinne der Wallstadter „die Belastung durch eine sichtbare Baustelle m Ortskern zeitlich so gering wie möglich halten“, erklärt der Architekt.

Probleme mit Stützen und Balken

Aber nicht nur das führte zu Verzögerungen. Denn auch ohne sichtbare Baumaßnahmen gab es seit Monaten Arbeiten im Innern des Gebäudes. Dabei stieß man einerseits, so Koller, „auf viel erhaltenswerte alte Bausubstanz“, andererseits auf Überraschungen. „Das ist das Risiko bei solch einem historischen Gebäude und normal, man bekommt das in den Griff – aber es braucht eben seine Zeit“, bekräftigt der Planer.

Insbesondere betrifft dies den historischen Festsaal im ersten Obergeschoss vom „Pflug“, der in den 1950er Jahren zu Hotelzimmern umgebaut wurde. Koller will die damals eingebauten Zwischenwände entfernen, „damit der Saal wieder voll zur Geltung kommt.“ Ihn nutzt künftig sein Architekturbüro ohne Wände als moderne „Open Space“-Arbeitsplätze. Aber dabei tauchten zwei statische Probleme auf.

So hat von den drei alten gusseisernen Stützen, die in den Plänen verzeichnet war, eine gefehlt. Eine war durch ein Stahlprofil ersetzt. Koller stellte schnell fest, warum das vermutlich so war: Die gusseisernen Stützen erwiesen sich als hohl und zwar schön, aber nicht stabil genug. „Sie waren bereits zu 100 Prozent überlastet“, erfuhr er vom Statiker. Er entschloss sich daher, die alten Säulen aus optischen Gründen zu erhalten, aber mit einer neuen Konstruktion für Stabilität zu sorgen.

Das zweite Problem: Durch die nachträglich eingebauten Hotel-Duschen und Waschbecken drang Feuchtigkeit in die alten Holzbalken ein. Auch sie müssen daher teils stabilisiert, teils ausgetauscht werden. Schließlich war noch die Strom-Freileitung, die auf dem Dach verankert war, unter die Erde zu verlegen.

Nun aber seien alle Schwierigkeiten beseitigt, versichert Koller. Als Zeichen für den Beginn der Arbeiten hat er das alte Holzfass von der Fassade an Stefan M. Alles vom Arbeitskreis Heimatgeschichte und den großen Baum vom Hof als Weihnachtsbaum für den Rathausplatz gespendet (wir berichteten). Im Frühjahr 2021 will er mit seinem Architekturbüro einziehen.

Darüber entstehen zwei Wohnungen, im alten Gastraum vom „Pflug“ ein Bäckerei-Café, dessen Mieter indes noch nicht endgültig feststeht. Im Neubau, mit dem Altbau per Glasfuge und gemeinsamem Eingangsbereich mit Aufzug verbunden, sind zwei Wohnungen sowie eine Gewerbeeinheit geplant. Dafür gibt es bereits einen Mieter: ein Delikatessengeschäft mit kleiner Gastronomie – der Ableger einer auf Craft-Beer spezialisierten Hausbrauerei aus Ladenburg.