Wallstadt

Wallstadt Bezirksbeirat kritisiert Stadtverwaltung / Zeitplan für neues Kultur- und Sportzentrum weiter unklar

Bürger hoffen vergeblich auf konkrete Pläne

Ob, wann, wo und wie die Wallstadter das schon lange geforderte Kultur- und Sportzentrum erhalten, ist auch nach der Sitzung des Bezirksbeirats offen. „Es gibt noch ganz viele Unklarheiten“ – so fasste Claudia Schöning-Kalender, SPD-Stadträtin und Sitzungsleiterin, die lange Debatte zusammen. „Ich habe das Gefühl, dass wir nicht wirklich viel wissen“, kritisierte ebenso die stellvertretende Sitzungsleiterin, CDU-Stadträtin Katharina Dörr.

Zunächst machte Alexandra Dörzenbach, vom Fachbereich Demokratie und Strategie der Stadt damit betraut, den Bezirksbeiräten Hoffnung. „Der politische Wille ist da, aber es geht in kleinen Schritten voran“, sagte sie. Es habe eine „absolute Willenserklärung“ gegeben, auch einschließlich Feuerwehr zu planen. „Es ist nicht strittig, dass gebaut wird, aber Größenordnung und Standort“, ergänzte sie. Noch sei aber „die Bedarfsplanung nicht abgeschlossen“, es gebe nur eine „wertneutrale Annäherung an Standorte, keine eigentliche Prüfung“. Es sei jedoch „vorgesehen“, in den nächsten Etat Planungsmittel einzustellen.

Noch keine Standortsuche

Noch optimistischer drückte sich zunächst Schöning-Kalender aus. Sie bezog sich auf ein Telefonat mit dem zuständigen Fachbereichsleitung Peter Myrczik. Er habe ihr „zugesichert, dass alle darauf hinarbeiten“, das Zentrum zu realisieren, dafür Planungsmittel in den nächsten Etat einzustellen. Es gebe auf der Basis der Unterlagen der Bürgerinitiative „eine schon sehr detaillierte Planung vom Raumbedarf“. Mit der Überlegung, zudem die Freiwillige Feuerwehr dort anzusiedeln, habe das „Thema aber eine andere Dimension angenommen“.

Von einem detaillierten Raumbedarf wusste indes Hanno Ehrbeck vom Fachbereich Stadtplanung gar nichts. Die ausführlichen Unterlagen, welche die Bürgerinitiative vor fünf Monaten an den Oberbürgermeister übergeben hatte, kannte er nicht. „Eine vernünftige Standortsuche kann ich erst machen, wenn ich weiß, wie groß das Gebäude ist“, bat er um Verständnis. Beachten müsse man, dass ein Bau im regionalen Grünzug auf Probleme stoßen könne und das Grundstück im Besitz der Stadt sein müsse, sonst ziehe sich das Projekt viel zu lange hin.

Harte Kritik der Bezirksbeiräte, dass die Wohnbebauung auf dem alten Kerweplatz an der Amorbacher Straße gestoppt und dieses Areal als Standort erwogen wurde (wir berichteten), wies er zurück. „Wir wollten keinen Standort vorschnell ausschließen und Fakten schaffen“, so Ehrbeck. Ausdrücklich warb er dafür, eine „integrierte Lage“, sprich mitten im Ort, in Erwägung zu ziehen. Vorgeschlagen wurde ihm dafür von Bürgern und Bezirksbeiräten das „Kiesloch“ an der Ecke Kelten/Alemannenstraße. Dagegen pochten die Bezirksbeiräte massiv darauf, die Amorbacher Straße nicht weiter zu prüfen – Janec Gumowski (SPD) ebenso wie Rüdiger Löb (CDU). „Das ist nicht geeignet, das weiß jeder hier!“, so Martin Dubbert (CDU). Thorsten Schurse (SPD) drohte gar, beim Landesrechnungshof eine „Ressourcenverschwendung“ anzuzeigen, wenn sich die Stadt weiter mit diesem Areal befasse. „Das ist nach einhelliger Meinung ungeeignet, diese Botschaft muss die Verwaltung klar mitnehmen“, mahnte auch Schöning-Kalender.

„Die Halle ist existenziell“

Dubbert teilte aber die optimistische Einschätzung, die Schöning-Kalender nach dem Telefonat mit dem Fachbereichsleiter gegeben hatte, nicht. In der schriftlichen Sitzungsvorlage der Stadt sei das nämlich viel distanzierter formuliert. Da ist nur von „in Klärung“ die Rede und dass zur Realisierung des Projekts „zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen“ werden könne. „Aber der Bau ist elementar und essenziell für Wallstadt, sonst wird das Vereinsleben zerstört und davon sind alle Altersgruppen betroffen“, warnte er unter Beifall aus dem Publikum.

„Die Halle ist für Wallstadt existenziell“, schloss sich dem Thomas Müller, Sprecher der Bürgerinitiative, an. Er erinnerte daran, dass er vor fünf Monaten eine detaillierte Raumbedarfsberechnung „mit Quadratmeterangaben“ der Stadt übergeben habe. Die Bürgerinitiative könne nur nicht berechnen, welche weiteren Verkehrsflächen oder Rettungswege nötig seien, „weil wir uns da nicht auskennen, das ist Sache der Stadt“. Er verstehe nicht, warum so viel Zeit verstrichen sei. „Ich habe den Eindruck, dass wir uns da verstolpern“, fürchtete er. Die DJK sei aber nur bereit, die Halle bis Ende 2022 weiterzuführen. „Bedenken sie den Zeitdruck!“ Die Frage von Rüdiger Löb (CDU), ob die Stadt einen „Masterplan“ habe, nach dem sie das Projekt abarbeite und realisiere, blieb aber unbeantwortet.