Wallstadt

Ost/Wallstadt Kranzniederlegung zum Volkstrauertag auf dem Friedhof mit Kritik an der Stadt

Den Lebenden zur Mahnung

Sie wollte es sich nicht nehmen lassen: „Es gibt auch auf den Vorortfriedhöfen ein emotionales Bedürfnis, zu trauern“, betonte Manuela Müller, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine (IWV). Daher organisierte sie zum Volkstrauertag trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie eine Kranzniederlegung. Wir berichten darüber stellvertretend auch für anderen Stadtteile.

„Erinnerungen sind wie Sterne“

Zunächst hatte es nur eine zentrale Gedenkstunde auf dem Hauptfriedhof geben sollen. „Aber ich finde falsch, dass die Stadt dafür ein Hygienekonzept aufstellt, aber wir in den Vororten von allem abgeschnitten werden sollen“, kritisierte Müller: „Das macht mich ein bisschen traurig!“, so die Vorsitzende.

Als Ortsbeauftragte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisierte sie daher zumindest eine Kranzniederlegung. Mit Stadtrat Alexander Fleck, Kreisvorsitzender des Volksbundes, Bezirksbeirätin Heidrun Back und Claus Harms, aktiv in der IWV und lange zweiter Vorsitzender vom „Liederkranz“, legte sie daher Kränze der Stadt, des Volksbundes und der IWV an der Gedenkstätte nieder. „Den Toten zum Gedenken – Den Lebenden zur Mahnung“, heißt es da. „Gerade 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sollten wir uns daran erinnern“, meinte Müller: „Wir sollten die Opfer der Kriege nicht vergessen – zumal es auch heute so viele Kriege und Konflikte gibt“. Das sei „auch und gerade in Zeiten von Corona wichtig“, so die Vorsitzende: „Man kann auch mit 1,50 Metern Abstand zueinanderstehen!“ Heidrun Back dankte für Müller für ihren Einsatz – für den Volkstrauertag wie insgesamt für den Zusammenhalt in Wallstadt. „Es ist auch für die jüngere Generation wichtig, immer wieder an das Grauen des Krieges zu erinnern – und daraus zu lernen, um den Frieden zu bewahren“, meinte sie. Dies müsse man „mit Würde im passenden Rahmen“ tun. „Erinnerungen sind wie Sterne, die in die Zukunft weisen“, sagte Back. Als „schade“ bezeichnete sie, dass es nach der Absage der sonst üblichen, größeren Feiern nicht wenigstens gelungen sei, überall eine digitale Form des Gedenkens zu finden.

In Feudenheim ist es gelungen: Hier übertrug der Gesangverein „Teutonia“ im Internet die nichtöffentliche Kranzniederlegung auf dem dortigen Friedhof. Weitere kleine Feiern gab es in Rheinau und Neckarau, Sandhofen folgt noch. In Käfertal, wo zunächst nichts geplant war, organisierte Bernhard Mäder mit Willi Freundlich und Wilfried Engelhard doch ganz kurzfristig noch eine Kranzniederlegung. pwr