Wallstadt

Wallstadt Bezirksbeirat erörtert Versorgung mit Plätzen in Kindergarten und Krippe / Mahnung von Kinderhausleiterin

„Die Mütter sind verzweifelt“

Archivartikel

In Wallstadt fehlen offenbar weiter zahlreiche Plätze in Kindergarten und Krippe. Darauf machte Diana Nicolaus, die Leiterin des Katholischen Kinderhauses Edith Stein, im Bezirksbeirat aufmerksam. Sie wolle dem Gremium, das zuvor einen Bericht der Stadtverwaltung gehört hatte, über das „wahre Leben“ informieren, sagte sie einleitend.

„Einige Mütter müssen ihre Arbeitszeit reduzieren oder suchen Tagesmütter, weil Ganztagesplätze fehlen“, so Nicolaus. „Im Ganztagesbereich muss definitiv an der Schraube gedreht werden“, forderte sie. Ebenso fehlten Krippenplätze. „Bei mir sitzen oft weinende Mütter oder ich habe Fragen am Telefon. Die Mütter sind verzweifelt, weil sie nichts finden, aber ich kann keine weiteren Plätze schaffen“, sagte sie. Dazu kämen zunehmend Anrufe aus den neuen Wohngebieten wie Franklin, die auch Plätze suchten.

Zuvor hatte der Bezirksbeirat unter Hinweis auf den verstärkten Zuzug junger Familien und die Sanierung der evangelischen Kindertagesstätte in der Atzelbuckelstraße um einen aktuellen Bericht der Verwaltung gebeten. Der evangelische Kindergarten hat sein Angebot während der Bauarbeiten aber nicht reduziert – er fand Unterschlupf in den alten Räumen der Katholiken, die ja im September ein neues, erweitertes Kinderhaus in der Römerstraße in Betrieb genommen haben.

Christel Faller vom zuständigen Fachbereich der Stadt nannte im Bezirksbeirat indes keine konkreten Zahlen, sondern verwies nur auf eine Vorlage der Stadt vom Februar. Sie sagte lediglich, derzeit lebten nach Informationen der Behörden in Wallstadt 30 Kinder im Krippenalter, also unter drei Jahren, mehr als prognostiziert, dagegen fünf Mädchen und Jungen im Kindergartenalter weniger.

Warten auf neue Prognose

Im Mai werde es aktuellere Daten geben, zudem warte man auf eine neue Bevölkerungsprognose, welche die Statistikstelle der Stadt derzeit anstelle der von 2016 stammenden Zahlen erarbeite. Die werde aber „sicher exorbitant in die Höhe gehen“, so Faller: „Wir haben stadtweit mehr Kinder“, erklärte sie.

In Wallstadt könne man aber nicht sagen, dass die Zahlen „explodiert“ seien, so die Frau aus der Stadtverwaltung: „Es sind mehr als gedacht, aber es gibt Stadtteile mit mehr Kindern“. Daher sei Wallstadt „im Vergleich gut ausgestattet“ und „nicht unbedingt der Stadtteil, der sofort bedient werden kann“, antwortete sie auf Fragen von Stadträtin Katharina Dörr (CDU), ob es denn bereits konkrete Neubau- oder Erweiterungspläne in Wallstadt für Kindertagesstätten gebe.

Aus dem Bezirksbeirat gab es zu dem Thema keine Wortmeldungen. Die Sitzungsleiterin, Stadträtin Claudia Schöning-Kalender (SPD), wies Faller aber auf einen Widerspruch zwischen ihrer Aussage und der Schilderung von Diana Nicolaus hin. „Es ist wichtig, dass sie das mitnehmen“, mahnte sie. Faller bekräftigte aber, Wallstadt habe eine „relativ gute Versorgung“. In anderen Stadtteilen gebe es auch freie Plätze. Nicolaus solle den Eltern doch empfehlen, „dass sie vielleicht auf dem Weg zur Arbeit oder wenn sie einen Schlenker machen“ ihr Kind unterbringen. Martin Kopp von der Elterninitiative bedankte sich ausdrücklich beim Bezirksbeirat, dass er sich für den Ausbau des Katholischen Kinderhauses Edith Stein stark gemacht habe, „sonst wären die Zahlen noch ganz anders“. Dadurch waren erstmals zehn Plätze in der Krippe und zu den bisher 64 noch 24 weitere Kindergartenplätze entstanden.

Positiver waren die Angaben, die Faller zur Schulkindbetreuung machen konnte. Danach geht an der Wallstadt-Grundschule ab dem Schuljahr 2018/19 mit der ersten und zweiten Klasse im Ganztagsbetrieb los. Die Eltern können ihre Kinder wahlweise für Halbtagsunterricht oder Ganztagsbetrieb anmelden. Für die Betreuung bis 17 Uhr erhalte jedes angemeldete Kind berufstätiger Eltern einen Platz. Die Dritt- und Viertklässler können sich wie gewohnt im Hort an der Schule oder in der verbleibenden Gruppe des Wespinstifts anmelden. Auch da hätten „alle angemeldeten Kinder für das Schuljahr 2018/19 einen Platz erhalten“, so Faller.