Wallstadt

Wallstadt Textil-Krämer gibt dieses Angebot Ende November auf / Markthaus als neuer Standort im Gespräch

Die Postagentur schließt

Archivartikel

Am 30. November, einem Samstag, soll Schluss sein: Dann schließt Klaus Krämer die Wallstadter Postagentur in seinem Textilfachgeschäft in der Mosbacher Straße 38. „21 Jahre sind genug“, begründet er seine Entscheidung gegenüber dem „MM“: „Die Belastung wird einfach auf Dauer zu groß“, so Krämer. Eine Nachfolgelösung gibt es noch nicht. Möglich wäre der Lebensmittelmarkt „Markthaus“.

„Es wird immer schwieriger, das zu machen und dafür Personal zu finden“, erläutert Krämer. Die Öffnungszeiten am Samstag, das Schleppen der schweren Pakete – das alles schrecke Mitarbeiter ab: „Das will doch heute keiner mehr machen“, bedauert Krämer. Immer öfter habe er, parallel zu seiner eigentlichen Arbeit der Beratung und des Verkaufs in Sachen Mode, bei der Postagentur einspringen müssen. Angesichts seines Alters – er ist 64 – will Krämer nun kürzer treten. Sein Textilgeschäft führe er „noch ein bisschen weiter“, wie er sagte, aber seine Zeit als, wie man früher formuliert hätte, „Posthalter“ sei vorbei.

Bund schreibt Filiale vor

Von seinen bisherigen Mitarbeiterinnen werde keiner gekündigt. „Die haben alle eine neue Stelle“, versichert er. Wo die Kunden künftig hingehen sollen, weiß er aber nicht. „Die Post arbeitet an einer neuen Konzeption“ – das sei die Formulierung, auf die er sich mit dem Logistikunternehmen geeinigt habe, nachdem er den Vertrag fristgerecht gekündigt hatte.

Nach seinen Angaben nutzen die Postagentur täglich zwischen 20 und 30 reine Postkunden, in der Vorweihnachtszeit mehr. Oftmals seien um die 300 Pakete zu bearbeiten, herumzuhieven und zu lagern, die entweder in Wallstadt aufgegeben oder an jemanden geliefert werden, der gerade nicht zu Hause ist. Von den knapp 70 Postfächern würden aber nur noch etwa 30 genutzt.

Die „Deutsche Post DHL Group“, so der offizielle Name, sagt zur Auslastung der Wallstadter Agentur gar nichts. Zur „Kundenfrequenz in einzelnen Filialen“ mache man grundsätzlich keine Angaben.

Allerdings versichert sie: „Es wird auf jeden Fall weiterhin eine Filiale in Wallstadt geben, unsere Vertriebsleitung ist bereits auf der Suche nach einem geeigneten Ersatzstandort“, so die Post. Der Bund schreibt ihr nämlich vor, in selbstständigen Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern und auch in Ortsteilen mit mehr als 2000 Einwohnern eine stationäre Poststelle zu betreiben, „also auch in Wallstadt“, wie sie ausdrücklich bekräftigt. In größeren zusammenhängend bebauten Gebieten muss gewährleistet sein, dass eine Filiale in einer Entfernung von maximal 2000 Metern erreichbar ist, lautet die Vorschrift.

Keine Postbank mehr

Finde sich kein geeigneter Betreiber, „betreiben wir vorübergehend mit eigenem Personal“. Das sei freilich „für die Kunden und auch für uns keine ideale Lösung“, so der Sprecher der Post, denn sie könnten nicht die Öffnungszeiten bieten wie ein Einzelhändler. Klar ist aber, dass es künftig nur noch Briefmarken gibt, Briefe und Pakete aufgegeben und abgeholt werden können. „Postbankleistungen werden wir in der künftigen Postagentur aller Voraussicht nach nicht mehr anbieten“, bestätigt die Post dem „MM“, weil „die Nachfrage nach Bankleistungen in der Filiale in Wallstadt so stark zurückgegangen ist, dass dieser Service hier schon jetzt nicht mehr wirtschaftlich angeboten werden kann“, heißt es.

Als möglicher neuer Standort gilt das Markthaus – doch da kam das Insolvenzverfahren dazwischen. „Wir sind da weiter dran“, sagt Markthaus-Geschäftsführerin Sabine Neuber. Die Post habe zunächst das Angebot, sich im Laden einzumieten „und so eine nahtlose Versorgung der Wallstädter sicherzustellen“, so Neuber. „Die konkreten vertraglichen Verhandlungen stehen allerdings noch aus“, erklärt sie.

Parallel dazu spreche man ebenso über eine Übernahme der Postagentur durch das Markthaus. „Knackpunkte sind hier noch die Konditionen sowie der zusätzliche Bedarf an ausreichend qualifiziertem Personal“, so Neuber. Das käme allerdings erst Anfang 2020, also nach Abschluss des Insolvenzverfahrens, infrage.

Zuvor müssten die Mitarbeiter umfangreiche Schulungen absolvieren. „Die Anlernphase ist lang, mehrere Wochen, eher Monate“, bestätigt Klaus Krämer. Die Post selbst wollte auf Anfrage nicht sagen, ob das Markthaus eine Alternative wäre. Man mache generell „keine Angaben zu laufenden Verhandlungen oder zu Verhandlungspartnern“.