Wallstadt

Wallstadt Arbeitskreis Heimatgeschichte bereitet Veranstaltung zu „90 Jahre Eingemeindung“ vor

„Eine Jubelfeier wird es keine“

„Wie war das eigentlich?“ Martin Straub hört diese Frage in letzter Zeit öfter. Von Nachbarn, aber auch von neu zugezogenen Bürgern wird der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatgeschichte Wallstadt öfter angesprochen. „Sie wollen etwas über die Vergangenheit wissen, um sich mit dem Ort identifizieren zu können“, sagt er. Daher richtet der Arbeitskreis am 20. Oktober um 11 Uhr eine große Veranstaltung aus, um an das Jubiläum „90 Jahre Eingemeindung“ zu erinnern.

Skeptischer Rückblick

Ein Abend im Backhaus bei der Evangelischen Kirche. Hier sitzen alle zusammen, die sich um die Ortsgeschichte kümmern. Martin Straub und seine Frau Helga, 2002 Gründer und seither die beiden Motoren des Arbeitskreises, sind da, Ortshistoriker Stefan M. Alles, Stadträtin Claudia Schöning-Kalender (SPD), die lange im BDS engagierte Traudel Ringer und viele weitere Mitglieder, die sich für die Geschichte Wallstadts interessieren. Gemeinsam bereiten sie die Veranstaltung zur Eingemeindung vor.

Am 1. Juli 1929 wurde die vorher selbstständige badische Gemeinde Wallstadt Teil von Mannheim. „Keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe“, wie die „Neue Mannheimer Zeitung“ damals schrieb. Und die Skepsis hat sich gehalten. Schnell ist sich die Runde einig, dass die Veranstaltung im großen Saal des Evangelischen Gemeindehauses nur mit „Matinee“ betitelt wird.

„Es gibt nichts zu feiern“, sagt Stefan M. Alles: „Wir sind 90 Jahre unselbstständig!“ Natürlich, so ist sich die Runde einig, könne man die Eingemeindung nicht wieder aufheben. „Aber eine Jubelfeier wird es keine“, kündigt Alles, der den Festvortrag halten wird, an.

Rückblickend kann er nicht verstehen, wieso der Ort damals so euphorisch war und die – so die seinerzeitige Bezeichnung – „Einverleibung“ mit Glockengeläut und Feiern begrüßt hat. „Man hat sich damals viel versprochen. Sicher, der Ort bekam ein neues Schulhaus und Kanalisation und Verkehrsanbindung“, zählt er auf. Angesichts eines hohen Sanierungsstaus und wachsender Sozialkosten hätten die damaligen Ortsoberen „wohl Panik bekommen“ und sich daher Mannheim angeschlossen. Doch rückblickend beurteilt er die Eingemeindung skeptischer. Drei Viertel der heutigen Vogelstang, ein Teil vom Rott und des neuen Gewerbegebiets auf den ehemaligen Taylor-Barracks seien alles Wallstadter Gemarkung – und der Ort damit nicht kleiner als das heute noch selbstständige Ilvesheim. „Wir hätten weiter allein überleben können“, ist Alles überzeugt. Doch jetzt sei man das „vergessene Dorf“.

Alte Fahnen restauriert

Mehr will er aber noch nicht verraten von seinem Festvortrag „Wallstadter Verhältnisse zur Zeit der Eingemeindung 1929“. „Ein paar kleine Anekdoten, ein bisschen Witz und Eigensinn“ will er bringen, sagt er nur. Vor ihm wird Martin Straub sprechen, auch ein Vertreter der Stadt ist zur Matinee eingeladen. Die musikalische Gestaltung übernehmen die Spielleute Gisami, und nach den Reden ist ein Empfang vorgesehen.

Ein Wiedersehen wird es mit den Fahnen der (aufgelösten) Gesangvereine „Liederkranz“ und „Germania“ geben. Beide Fahnen waren dabei beim mitternächtlichen Aufmarsch 1929, als die Wallstadter die Mannheimer Abordnung begrüßten. Bernd Krämer hat die historischen Fahnen aufbewahrt, inzwischen restauriert und wird sie – in Folie geschweißt – zeigen. Auf Schautafeln will man zudem alte Ortsansichten und den Originaltext des Eingemeindungsvertrages zeigen. „So vergrößert, dass es jeder lesen kann“, kündigt Martin Straub an.

Dass sie parallel zum Feudenheimer Kerwesonntag feiern, bedauern die Wallstadter. „Aber wir mussten eben einen Tag wählen, an dem wir einen Saal haben“, begründet dies Helga Straub. „Und wenn wir bald gar keinen Saal mehr haben, wird das Vereinsleben ganz wegbrechen“, warnt Alles mit Blick auf die aktuelle Diskussion um den Bau eines Kultur- und Sportzentrums, der aber nicht vor 2022 beginnen kann.