Wallstadt

Wallstadt Evangelische Gemeinde und Arbeitskreis Heimatgeschichte feiern am Sonntag 20 Jahre Backhaus im Petruspark

Einmal im Monat ist Backtag

Jan Pütz gab in seiner Hobby-Thek im SWR-Fernsehen den Ausschlag, als er in einer seiner Sendungen zeigte, wie man einen Brotbackofen baut. Helga und Martin Straub dachten: „Das können wir auch“. Gesagt getan. Unweit ihres Wohnhauses im Park der Petruskirche entstand in ehemaligen Jugendräumen auf 25 Quadratmetern eine kleine Backstube – samt Backofen. 20 Jahre ist das her. Ein besonderes Jubiläum, das am Sonntag, 16. September, mit einem Backhausfest gefeiert wird.

Studienreisen nach Griechenland

Doch zuerst mussten der „Zweckentfremdung“ des damals zum Tischtennisspielen genutzten, aber stark sanierungsbedürftigen Jugendraums erst Ältestenkreis und Kirchengemeinde zustimmen. Bei Studienreisen in Griechenland, der Türkei, Zypern und Kreta besichtigten Helga und Martin Straub zahlreiche Backöfen. Auf Empfehlung des Kachelofenbaumeisters Manfred Schnor entschied man sich schließlich für einen Tunnelofen mit direkter Befeuerung. Baubeginn war im Januar 1997, Einweihung im Oktober 1998.

Seitdem befindet sich der Backofen quasi im Dauerbetrieb. Jeden ersten Freitag im Monat werden beim Backtag 40 Brote und Brotknorzen gebacken. Aber auch Flammkuchen, Lauchtorten, Kuchen, jüdische Barches (Sabbatbrot) oder Christstollen wurden schon gebacken.

Auch zum Braten von Lammfleisch, Wildschwein oder Gänsen wird der Backofen zu unterschiedlichen Anlässen angefeuert. Für verschiedene Besuchergruppen ist das Backhaus längst zu einer beliebten Anlaufstelle geworden. „Kindergärten, Schulen und andere Gruppen kommen gerne zu uns, um einen Backtag zu erleben“, erzählen die Straubs.

Helga Straub ist die Chefin der Petrus-Bäckerei, doch sie bekommt tatkräftige Unterstützung. Nachdem viele Jahre Elmar Ernst, Bäcker aus Feudenheim, das Backhaus mit seinem Fachwissen und handwerklichen Können unterstützte, übernimmt diese Aufgabe mittlerweile der Wallstadter Bäckermeister Ludwig Schertel. Kirchendienerin Laura Geißler ist inzwischen Spezialistin für Hefekuchen in allen Variationen. Karl Reinig kommt zu den Backtagen sogar extra mit dem Zug aus Hoffenheim angereist. Auch hat sich eine kleine Gruppe gebildet, die an Backtagen gerne zum Vespern im Backhaus verweilt.

Bilderreiche Dokumentation

Der Arbeitskreis Heimatgeschichte nutzt den gemütlichen Raum im Park der Petruskirche für seine Sitzungen. Er war es auch, der bereits vor zehn Jahren das Backhaus gebührend feierte. Unter dem Motto „Vom Korn zum Brot“ wurde die Tradition des Bäckerhandwerks in Wallstadt zum Leben erweckt. Erste Wurzeln gehen bis ins Jahre 1768 zurück. Sogar der „Drumbeder vun Wallstadt“ soll aus einer Bäckerfamlie stammen. 14 selbstständige Backbertriebe hat es einmal im Dorf gegeben. Walter Large hat ihre Geschichte in einem Bildband dokumentiert. Klar, dass der Rückblick auf die Historie des altehrwürdigen Handwerks auch beim 20. Backhausjubiläum eine Rolle spielt.

Daneben erfahren die Besucher Wissenswertes über die Geschichte des Brots. Beginn ist um 11 Uhr – direkt im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst. An Mitmachstationen kann man mit dem Dreschflegel dreschen, Äpfel zu Saft aus der Mostkelter auspressen oder bei einer Schmiedevorführung am Amboss mit der Feldesse teilnehmen. Für die Kinder gibt es einen Ritterparcours samt Holzpferd. Zur Bewirtung tischen die Gastgeber Gegrilltes, Flammkuchen aus dem Backhaus sowie Kaffee und Kuchen auf.