Wallstadt

Wallstadt Große Resonanz auf Veranstaltung vom Bund der Selbständigen am Rathaus / Gemeinsamer Kanon überbrückt Zeit bis zur Dunkelheit

Erfolgreiche Open-Air-Kino-Premiere

„Echt super, total stark“, jubelt der Mann, der die Idee hatte: Bauer Thomas Bossert. Zum ersten, von ihm initiierten Open-Air-Kino vom Bund der Selbständigen (BDS) in Wallstadt sind sehr viel mehr Leute gekommen als gedacht. Der ganze Rathausplatz von der Bühne bis zum Maibaum ist dicht besetzt, auch auf der Straßenseite gegenüber sitzen, lagern, stehen Menschen, um unter freiem Himmel die Komödie „Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar“ zu sehen.

Was für ein Bild! Aus allen Seitenstraßen laufen die Leute auf den Rathausplatz zu, schleppen Stühle. Denn so sind die Spielregeln: Kein Eintritt, aber jeder muss seine Sitzgelegenheit selbst mitbringen. So werden alte Holzklappstühle gebracht und leichte aus Plastik, man sieht einfache Hocker, edle Gartenmöbel und gepolsterte Campingliegen, Kinder lagern auf Decken und Sitz-Säcken. Der Weltladen vermietet auch einige seiner Stühle, und Bewohner umliegender Häuser genießen ihre Logenplätze.

Manche Besucher haben gar Kühltaschen mitgebracht und machen Picknick, andere holen sich Pizza und Eis von den beiden italienischen Gastronomen am Platz. Bossert bietet Bratwürste und Getränke, der Weltladen fair gehandelte Süßigkeiten und der Bund der Selbständigen macht frisches Popcorn, während sich der Platz nach und nach immer mehr füllt. 600 Zuschauer sind es mindestens.

„Toskana in Wallstadt“ freut sich Claus Harms über die sommerlich-fröhliche Szenerie im Ortskern. „Toll, hätte ich nie erwartet, den Platz hier so voll zu sehen“, staunt Michael Schlosser und holt noch einen Stuhl aus seinem benachbarten Geschäft „Rund ums Rad“. „Man merkt, die Leute haben richtig auf so etwas gewartet!“, sagt Andreas Blankenburg. „Gigantisch“, schwärmt gar Uwe Gieseler: „Hätte nie gedacht, dass es so voll wird – aber die Atmosphäre ist ja auch einmalig!“

„Der Hahn ist tot“

„Der Platz ist wirklich wie geschaffen dazu“, begründet auch Thomas Weichert, der Vorsitzende vom Bund der Selbständigen Wallstadt, die Aktion: „Wir wollten mal eine neue Art von Veranstaltung ausprobieren, damit man den Ort belebt und die Kunden auf andere Weise anspricht“, erläutert er und freut sich: „Offenkundig kommt es an!“

Die Idee ist schon zwei Jahre alt. Thomas Bossert hat sich da an die Zeiten des Open-Air-Kinos im Schneckenhof erinnert. Er wollte zugleich etwas tun, um Wallstadt zu beleben. „Aber ich hätte allein nicht die Energie gehabt, das durchzuziehen“, gesteht er. Doch „Brillenmacher“-Inhaber und Augenoptikermeister Michael Penczek geht es an, auch wenn es sich für 2017 als zu kurzfristig erweist. Auch dieses Jahr sind, etwa bei den Behörden, einige Probleme zu überwinden. Aber Penczek schafft es, besorgt die nötige Übertragungs-Technik.

Um sie auszuleihen, den Platz von der Stadt zu mieten, fallen allerdings Kosten an. Die Sparkasse und der „Mannheimer Morgen“ helfen, dazu zahlreiche Wallstadter Geschäftsleute, von denen jeweils ein kleiner Filmspot läuft. „Ein Werbeblock eben, wie im Kino“, nennt es Thomas Weichert. Bis der Film anlaufen kann, dauert es aber länger als gedacht – noch strahlt die Sonne auf die Leinwand. Thomas Bossert beweist daher kurz seine Begabung als Entertainer, studiert mit dem Publikum den Kanon „Der Hahn ist tot“ ein.

Penczek ist es, der nicht nur die Idee zu dem Film hat („Spielt in Mannheim, einfach perfekt und wie gemacht für so einen Abend“), sondern der darüber hinaus auch Akteure nach Wallstadt holt. Regisseur Thomas Oberlies, einer der Organisatoren des „Goldenen Hirsch“-Kurzfilmfestivals in Mannheim und Heidelberg, erläutert, dass dabei die Idee zu dem 2016 veröffentlichten Film entstand. „Vor 15 Jahren wäre es noch unmöglich gewesen, so etwas zu realisieren“, gesteht er. Aber Digitalisierung habe die Produktion günstiger gemacht, und durch Crowfunding (Spendensammlung über das Internet) seien die Kosten dann gedeckt worden.

Neuer Film geplant

Vom Musiker Chris Cosmo bis zum Schauspieler Volker Heymann begegnen den Zuschauern lauter bekannte Gesichter, vom Hafen über die „Maritim“-Hotelbar bis zur Friedrichsplatzanlage bekannte Mannheimer Orte. Der amüsante Streifen geht über drei Mannheimer, die alle in einer Lebenskrise stecken und in einer Feierabend-Bluesband vergeblich der Sehnsucht nach künstlerischer Anerkennung anhängen, während ihnen eine junge Popakademie-Studentin einen Auftritt vor der Nase wegschnappt.

Danach lernen die Wallstadter in Andrew Van Scoter sogar noch einen der beiden Produzenten des Films sowie mit Constanze K. Langhamer und Torsten Eikmeier zwei der Schauspieler kennen. Die kündigen nach einer kurzen Fragerunde an, dass das Produktionsteam einen neuen „Mannheim“-Film plant, mit Titel „Ecki“, für den ab September eine Kampagne zur Finanzierung starten soll. Die Wallstadter bekommen exklusiv einen ersten, kleinen Clip zu sehen. Und Weichert kündigt an, dass der BDS über eine erneute Kino-Veranstaltung nachdenkt.