Wallstadt

Lesung Kai Rohlinger rezitiert berühmte Dichter

Geistreiche Literatur über die Liebe

Rezitationen sind heutzutage etwas recht Ungewöhnliches. Klaus Kinskis Tournee mit Gedichten des Enfants Terribles der französischen Lyrik Francois Villon machten ihn einst berühmt, und es wundert nicht, dass Kai Rohlinger während des Liebesgedichteabends in der Buchhandlung Wallstadt ganz nebenbei zugab, ein großer Bewunderer des genialen Schauspielers zu sein. In sich versunken war der studierte Latein- und Deutschlehrer zuweilen auch, wenn er sich ähnlich seinem Vorbild, ein wenig verausgabte.

Im Rahmen der Kulturtage Vogelstang trug Rohlinger in wunderbarer Begleitung der Harfenistin Daniela Osietzki Poetisches in Sachen Liebe aus vier verschiedenen Jahrhunderten vor. Ganz so lange gibt es die Kulturtage noch nicht, aber es hält sich doch immer schon seit vierundzwanzig Jahren. So erfolgreich, dass man gelegentlich auch mal in die Nachbarschaft ausweichen muss. Sabine Kelchner von der Wallstadter Buchhandlung erfreut ihre Leserschaft einmal im Monat mit vergnüglichen, stets gut besuchten Ereignissen, doch so überfüllt wie an diesem Abend hatte sie den kleinen Literaturtempel ihres Sohns noch nie gesehen. „Und das bei diesem warmen Wetter“, lachte das Energiebündel, das mit wenigen treffenden Worten in einen verzaubernden Abend einführte.

Virtuoses Harfenspiel

Keltische Harfe mit einem sehr melodiösen Klang und virtuosem Spiel begleitete die sehr bewusst ausgewählten Rezitationen – sei es von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau mit deftigen amourösen Geständnissen oder Goethes Hymnen an seine Christiane, weniger Glückliches nicht auslassend. Barocke Pracht und Opulenz, wenn weiße Schulter und runde Äpfelchen beschrieben werden, untermalt von einem sehr frühbarocken Reigentanz – einfach köstlich. Der Geheime Rat sorgte für höchste Qualität in der deklamierten Dichtkunst, sehr schön dazu ein Meister Barocker Opernmusik, Henry Purcell.

Von Nähe erzählte Rohlinger mit seiner Goetheauswahl, betonte aber im berühmten Heideröslein durch bewusste Akzentuierung, welcher Umstand hier eigentlich mit so blumigen Worten beschrieben wird, nämlich der einer gewaltsamen Annäherung. Nachdem die Harfe wieder zum Tanz eingeladen hatte, durfte Heinrich Heine klagen. Selten wurde, durchaus zur Romantik passend, der Schmerz unerwiderter Liebe oder gar eines gebrochenen Herzens treffender formuliert als durch den Sänger, der in Frankreich seine Heimat kummervoll vermisste.

Diese Tragik zu übermitteln, gelang Rohlinger ausgezeichnet, die lyrischen Harfen-Intermezzi von Daniela Osietzki unterstrichen dies in sentimentaler Weise. Plötzlich war es völlig still, wo vorher noch kräftig gelacht worden war. Doch das Publikum wurde für seine Geduld belohnt, und so ergötzte der Rezitator zum Schluss mit würzigen Versen des Lebemannes Villon, der keinen Rock in der Nähe ausließ und dabei so begnadete Worte fand. Paul Zech übertrug im 20. Jahrhundert seine Lyrik zeitgemäß und diese trug Kai Rohlinger mit einem Schmunzeln in Gesicht und Stimme vor, heitere Weisen von der Harfe inspirierten sicher manchen Gast zu einem Gedanken über die Liebe, die Lust, die Zeit, wie schnell sie vergeht und dass man jeden Tag nutzen sollte.