Wallstadt

Wallstadt Verein Mikrolandwirtschaft stellt neuen Gemeinschaftsacker vor

Gemeinsam gärtnern – der Trend

Projekte für gemeinsames Gärtnern liegen scheinbar im Trend. Da gibt es Möglichkeiten, sich zu betätigen – sei es im klassischen Schrebergarten oder gemeinsam im Grünen als soziales Projekt. Seit nunmehr zwei Jahren bietet der Verein Mikrolandwirtschaft die Chance, sich an einem Acker zu beteiligen und diesen zu bewirtschaften.

Elena und Bertram Fischer stellten ihre Ideen jetzt am Beispiel eines derzeit noch brach liegenden Ackers in Wallstadt vor: „Mikrolandwirtschaft stellt die Anbaufläche und eine Grundausstattung, wie Werkzeug, Wasser und Kompost zur Verfügung. Die Arbeit auf der eigenen Anbaufläche bedeute das ganze Jahr eine große Vielfalt an frischem unbehandeltem Gemüse und einen wunderbaren Ausgleich zum Arbeitsalltag: „Es macht einfach Freude, mit der Erde zu arbeiten und den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen“, stellen die beiden fest.

Vorkenntnisse in Sachen Landwirtschaft sind für einen zukünftigen „Mikrolandwirt“ nicht notwendig. Die Anbaufläche wird zunächst einmal grob vorbereitet, in die Mitte wird eine kleine Hütte gestellt. Der Interessent kann sich eine Fläche von zehn mal zehn Meter, also 100 Quadratmeter, für ein Jahr lang mieten. Das kostet 360 Euro. Einzelne Beete werden in fünf Meter langen Streifen angelegt, erklären die Fischers. „Gemeinschaftsbeete, Gemeinschaftsplatz, Workshops und Feste laden dazu ein, Zeit mit Familie, Freunden oder Nachbarn zu verbringen und bieten die Möglichkeit, voneinander zu lernen oder einfach zu entspannen.“

Dauerhaft organisiert

„Mit unserer Online-Plattform ermöglichen wir den Austausch innerhalb und zwischen unseren Gemeinschaftsäckern und Gemeinschaftsgärten. Diese steht auch für andere Gemeinschaftsgärten offen, die damit ihre Organisation und den Austausch in der Gemeinschaft verbessern können“, erläutern die zwei Hobbylandwirte.

Bewirtschaftet werden die Flächen in Form einer Permakultur. Das ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt. Ursprünglich wurde das von den beiden Australiern Bill Mollison und David Holmgren Mitte der 1970er Jahre für ihren Kontinent neu entdeckt. Dahinter stecken Ideen zum Aufbau langfristig ertragreicher landwirtschaftlicher Systeme als nachhaltigen Gegenentwurf zum vorherrschenden industriellen Agrarsystem. Im Prinzip münzten sie die Kreisläufe des in Europa bereits bekannten Biolandbaus sowie die Erfahrungen aus alten Klostergärten für sich und ihren Kontinent um für die Landwirtschaft.

Das Grundprinzip ist ein ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften mit allen Ressourcen. Gedüngt wird zum Beispiel nur mit biologischen Abfällen und Pferdemist. Auf den einzelnen Beeten werden Saatmischungen ausgebracht, bei denen sich einzelne Pflanzen gegenseitig ergänzen. So werden zum Beispiel Zwiebeln und Salat gleichzeitig in die Erde gebracht. Der Duft der Zwiebel halte Schädlingen, die den Salat angreifen ab.

Der Gemeinschaftsacker Wallstadt startet dieses Jahr neu. Auf dem schön gelegenen etwa 5000 Quadratmeter großen Acker wird bald frisches Gemüse wachsen. Der Gemeinschaftsacker ist auch gut erreichbar – auch von der Vogelstang.

Der Verein Mikrolandwirtschaft vermietet hier 100 Quadratmeter große Feldstücke für eine Saison. Etwa 80 Menschen können so auf 25 Feldstücken ihr Gemüse anbauen. Auf dem Gemeinschaftsacker stehen Wasser, Kompost und Werkzeug zur Verfügung, erläutert Elen Fischer das Prinzip.

Die Nachfrage scheint groß zu sein: „Ich lebe vegan. Wir müssen uns in eine andere Richtung entwickeln. Hier kann ich mein Gemüse selbst anbauen“, sagt Interessentin Conny Rhein-Müller. Sie findet noch vor Ort Mitstreiter, die gemeinsam die Fläche bewirtschaften wollen. Dass das Prinzip funktioniert, beweisen zum Beispiel Antja Weilbach und Michael Köpper an einem Stück in Feudenheim. Sie bewirtschaften dieses nun im zweiten Jahr: „Das macht riesigen Spaß in der Gemeinschaft zu arbeiten. Es ist immer jemand da, mit dem man sich austauschen kann“, stellen die beiden fest und lassen sich vom Pflanzen nicht abhalten. Mit den Erträgen aus dem letzten Jahr waren sie trotz des sehr trockenen Sommers äußerst zufrieden.