Wallstadt

Generelles Problem

Archivartikel

Peter W. Ragge bilanziert die Wallstater Kerwe

Richtiges Gedrängel gab es am Samstagabend auf der Mosbacher Straße. Das Festzelt voll besetzt, die Bankreihen davor und in der Gundelsheimer Straße ebenso, dicht umringte Stehtische, Warteschlangen an der Kasse – die Wallstadter haben bewiesen, dass sie dieses Fest annehmen.

Selbstverständlich ist das nicht – denn das nach dem Jubiläumsjahr 2016 veränderte Konzept war lange genug innerhalb des Orts, innerhalb der Vereine umstritten. Doch inzwischen gibt es wieder einen großen Zusammenhalt. Die Premiere 2017 ist ebenso gut gelaufen wie jetzt die Neuauflage 2018, wo sich neue Ideen (etwa der Stand der Jungwinzer) bewährten.

Zu hohe Auflagen

Und doch ist die Kerwe bedroht – von Außen. Zwar ist nicht alle Jahre Fußball-Weltmeisterschaft. Aber ein Jahr ohne Gewinn schmerzt deshalb, weil die ganzen Ehrenamtlichen ja deshalb heftig schuften, auf- und abbauen, ausschenken und am Grill schwitzen, damit ihre Vereine von dem Überschuss der Einnahmen profitieren. Fällt das auf Dauer weg, lässt sich die Helferschar schlecht motivieren.

Schwerer als ein einmaliger Verlust wiegt indes das grundsätzliche Problem. Nicht allein die Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine (IWV) klagt über die zunehmende Bürokratie, die zu komplizierten Auflagen der Stadt. Darunter leiden viele Vereine. Der Genehmigungsbescheid umfasst ein Dutzend Seiten und ist ohne Jurastudium nicht zu verstehen. Wie will man da auf Dauer Menschen motivieren, ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen, das kulturelle Leben und Traditionen in den Stadtteilen aufrecht zu erhalten? Aus Sicht der Verwaltungsmitarbeiter ist das alles zu verstehen – auch sie wollen und müssen sich eben absichern, also formulieren sie Auflagen für alle noch so absurden Eventualitäten. Aber die Politik muss den Vorschriften-Dschungel lichten – sonst gibt es bald keine Gelegenheiten mehr für Fassanstiche.