Wallstadt

Wallstadt Nora Noé list im Café Maije aus ihrem jüngsten Buch

Geschichten einer neuen Freiheit

Im Café Maije in Wallstadt stellte Nora Noé ihr Buch vor, das im Wellhöfer Verlag erschienen ist: Mitten in Mannheim, eine Fortsetzung der Jungbusch-Trilogie, gleichzeitig der Auftakt einer weiteren Mannheim-Trilogie. Veranstalter der Lesung war der Verein Kultur-Events Rhein-Neckar, der ordentlich die Werbetrommel gerührt hatte, so dass die Lesung ausverkauft war. Etwa 40 Besucher passen ins Maije, das bis auf die letzten Barplätze besetzt war.

Die Autorin wurde 1952 geboren und wuchs im Jungbusch auf, in ihren Büchern erzählt sie die Geschichte ihrer Familie, wie sie sie aus den Erzählungen ihrer Mutter kennt. Für ihre Romane haben die Personen zwar andere Namen erhalten, die Handlungsstränge sind jedoch kaum verändert. Der Name der Familie ist Legrand, in den vorangegangenen Büchern haben die Leser sie bereits kennengelernt. „Inzwischen sind wir in der Nachkriegszeit, und es kommt mein Vater und dessen Familie ins Spiel. Er heißt im Buch Siegfried Kühn und kommt aus der Filsbach.“ Die Filsbach ist ein Teil der Innenstadt, der Jungbusch liegt gegenüber.

Eine der Szenen, die Nora Noé vorlas, handelt von einem Ereignis, das noch heute stattfindet: die Mannheimer Mess. Helena Legrand, die Hauptfigur, sitzt daheim an der Nähmaschine und tut das, was bestimmt viele Menschen in der Nachkriegszeit getan haben: Aus Nichts etwas Schönes machen. Aus alten Wehrmachtsdecken werden Mäntel, aus einem Sack Kragen und Manschetten für ein Kleid. Und das alles ohne Koffein, denn im Malzkaffee ist keines drin. Eine Freundin versucht, Helena aus ihrem Nähzimmer zu locken, um mit ihr auf die Mess zu gehen. Diese befindet sich noch auf dem Alten Messplatz, und man geht nicht über die Kurpfalzbrücke, oder Friedrichsbrücke, wie sie damals noch hieß, sondern über einen Hilfssteg, da die Brücke zerstört ist. Gerade einmal 80 Pfennig hat Helena dabei, dafür bekommt man eine Kleinigkeit zu essen und ein Los. Doch das Gefühl der Freiheit ist unbezahlbar. Die Freundinnen sind froh, Gewalt, Krieg und Faschismus hinter sich zu haben. Ab und zu wirft die Autorin auch Rückblicke in die Zeiten davor, zum Beispiel in die 20er Jahre, als es in Mannheim noch jüdische Kaufhäuser wie Hirschland, Schmoller oder Rothschild gab, in denen die Generation davor noch nach Herzenslust flanierte. kge