Wallstadt

Wallstadt Architekt stellt Gebäude vor Beginn des Umbaus der Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung / Auch Ehrenamtliche aus Feudenheim und Käfertal dabei

Großeinsatz im leeren „Pflug“

„Irgendwann im Herbst“, so Architekt Dierk Koller, soll es losgehen. Dann will er den „Pflug“, das um 1809 erbaute und seit 2015 leerstehende älteste Gasthaus Wallstadts, zum Wohn- und Geschäftshaus umbauen. „Ich rechne in den nächsten Wochen mit der Baugenehmigung“, so Koller. Zuvor hat er das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr als Übungsobjekt zur Verfügung gestellt – und daher erlebt der Ort ein hier seltenes Aufgebot an Einsatzkräften.

„Ein ideales Objekt, sehr verwinkelt“, sagt Enrico Starck, der Ausbildungsbeauftragte der Freiwilligen Feuerwehr Wallstadt. Er hat die Übung vorbereitet, Mitglieder der Jugendfeuerwehr helfen dabei, stellen die „Opfer“ dar.

Qualm im Obergeschoss

Plötzlich ertönt Martinshorn. Die letzten Meter schalten die Ehrenamtlichen, auch um den Verkehr zu warnen, das Sondersignal ein – dann ist die Mosbacher Straße erstmal gesperrt, und sofort sammelt sich viel Publikum. Darunter ist auch Roland Schorr, bis 2002 ein Vierteljahrhundert lang Abteilungskommandant der Wallstadter Feuerwehr.

Zuerst an der Einsatzstelle sind die beiden Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Wallstadt. Mit kurzer Verzögerung, die es ja auch bei einem echten Einsatz gäbe, kommt der Löschzug der Wache Nord – in diesem Fall bestehend aus zwei Fahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Nord, und einer Drehleiter, sowie der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim.

Aber als die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr an den Fenstern vom „Pflug“ winken, ist noch keine Drehleiter da. Also holen die Wallstadter Feuerwehrleute die zweiteilige Steckleiter von ihrem Fahrzeug, bauen sie zusammen, retten auf diesem Weg die ersten Leute aus dem Gebäude. Gleich darauf wieder „Hilfe“-Ruf aus anderen Fenstern – die Jugendlichen spielen ihre Rolle gut. Nun muss auch noch die dreiteilige Schiebeleiter ausgezogen werden. Derweil ist die Drehleiter eingetroffen, dazu kommt eine weitere Steckleiter – auf vier Wegen holen die Einsatzkräfte die vermeintlichen Hotelgäste aus dem „Pflug“, der in dem alten Saal im ersten Obergeschoss (ziemlich eng gebaute) Gästezimmer hatte. Wegen der starken Rauchentwicklung, durch Nebelmaschinen erzeugt, stülpen die Helfer den „Gästen“ teilweise Atemschutzmasken über.

Zugleich rollen Feuerwehrleute Schläuche aus, schließen ein Standrohr am Hydrant an, stürmen weitere Kameraden ins Gebäude – unter Atemschutz, schwer beladen mit Leinenbeutel, Schlauchtragekorb, Türöffnungswerkzeug, Strahlrohr. Ein Teil löscht das imaginäre Feuer, die anderen Einsatzkräfte klettern in Fenster, balancieren auf Fensterbrettern und helfen den zu rettenden Personen aus dem Gebäude. „Und das sind alles Ehrenamtliche?“, staunt Architekt Dierk Koller.

„Wir sind sehr dankbar“

Doch tatsächlich ist an dem Nachmittag nur ein einziger Berufsfeuerwehrmann vor Ort – Thomas Näther vom Führungsdienst als Beobachter. „Wir sind sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, in solch einem großen Objekt zu üben – das ist sehr selten“, dankt er Koller. Und er bestätigt, dass alle Einsatzkräfte ehrenamtlich tätig sind: „Ein sehr ausbildungs- und übungsintensives Hobby“, sagt er, doch die Berufsfeuerwehr sei sehr dankbar für deren Unterstützung.

Näther spielt bei der Übung auch die Leitstelle, der im Ernstfall der Einsatzleiter vor Ort die Lage schildern muss. „Wohnungsbrand, neun Personen im Haus, davon sieben gerettet, zwei noch vermisst“, meldet Sven Wollschläger, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wallstadt, der als Einsatzleiter fungiert.

Insgesamt 30 Feuerwehrleute seien vor Ort, davon zehn Trupps unter Atemschutz. Noch werde das Gebäude abgesucht. Kurze Zeit später berichtet er, alle Menschen seien gerettet. „Und ein Hund aus dem Keller“, ergänzt er, während Feuerwehrleute einen großen Plüschhund aus dem Haus tragen. Dann werden die Schläuche wieder eingerollt, die Geräte auf die insgesamt acht Fahrzeuge verpackt. Koller schließt danach den „Pflug“ wieder ab. Demnächst, so verspricht er, werde er die Wallstadter mit einem neuen Transparent über seine Pläne informieren.