Wallstadt

Wallstadt Vereine wollen Betreibergesellschaft gründen / Verschiedene Anträge von CDU, SPD und ML im Gemeinderat

Kauft die Stadt die DJK-Halle?

Die Wallstadter Vereine wollen die sogenannte „DJK-Halle“, wenn die Kirche sie verkauft, mit Hilfe der Stadt in eigener Regie übernehmen. Dazu ist die Gründung einer eigenen Trägergesellschaft geplant. Das wird ab Montag auch auf der Tagesordnung stehen, wenn der Gemeinderat den Etat für 2018/19 berät.

Die Katholische Kirche will sich im Zuge der sogenannten „Gebäudeoptimierung“, die das Erzbischöfliche Ordinariat den Gemeinden verordnet hat, von dem Gebäude trennen. Die Rede ist von 40 000 Euro Betriebskosten im Jahr, die nicht gedeckt seien. Alle Nutzer erhielten eine Kündigung ab Ende 2019. Im Gespräch ist ein Abriss und ein Verkauf des Geländes an einen Investor für Wohnungsbau.

„Wir haben keine andere Wahl, wir müssen alles tun, um diese Halle zu halten“, macht Manuela Müller, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine (IWV), deutlich. Wenn diese Möglichkeit für Sport und gesellschaftliche Veranstaltungen fehlen würde, „gehen viele Vereine mit aktiver Jugendarbeit ein“, mahnt sie. Seit 30 Jahren drücke sich die Stadt darum, den Vereinen in Wallstadt einen Raum zu schaffen. Das sei nicht aufgefallen, weil es ja das kirchliche Zentrum gegeben habe, „aber jetzt brauchen wir Hilfe!“, fordert sie.

So sieht das ebenso Otmar Lenhardt, der Vorsitzende des Karnevalvereins „Gowe“. Deren Garde trainiert hier, sie veranstalten hier die – stets ausverkauften – Prunksitzungen. „Ich wüsste nicht, wo wir hinsollen. Ohne die Halle können wir unseren Verein beerdigen!“, so Lenhardt. Die „Gowe“ würden sich daher gerne an einer Trägergesellschaft für die Halle beteiligen. „Die laufenden Kosten zu decken, das bekommen wir hin – aber nicht die Bauunterhaltung und Investitionen, da gehen wir pleite“, warnt er. Das Modell funktioniere daher nur, „wenn die Stadt hilft“, hofft er.

Buchwert ein Euro

Erarbeitet hat das Modell Susanne Brauch, Vorsitzende des katholischen Sportvereins DJK. Die Schließung der Halle „wäre der Todesstoß für unseren Verein“, fürchtet sie. Die Elektrotechnikerin, die in Heidelberg ein Ingenieurbüro führt, würde die Geschäftsführung der Halle übernehmen, für Vermietung und Verwaltung sorgen. „Den laufenden Betrieb kriegen wir hin“, so Brauch, „aber keine Investitionen, da brauchen wir einen Zuschuss“. Aus ihrer Sicht wäre es „die optimale Lösung, wenn die Stadt die Halle zum symbolischen Preis kaufen und an uns übergeben würde“, so Brauch.

Genau das haben jetzt CDU und Mannheimer Liste (ML) beantragt. Der CDU-Antrag sieht vor, dass die Stadt die DJK Halle von der katholischen Kirche „maximal zum aktuellen Marktwert“ erwirbt und gemeinsam mit den Wallstadter Vereinen und Institutionen „ein nachhaltiges Nutzungs- und Entwicklungskonzept für das Objekt erarbeitet“. „Wallstadt und seine Vereine brauchen einen Ort der Begegnung, eine Halle für Veranstaltungen oder für Sport. Deshalb müssen wir als Stadt jetzt aktiv werden“, begründet Stadtrat und Bundestagsabgeordneter Nikolas Löbel seinen Vorstoß.

„Ziel muss sein, eine dauerhafte und attraktive Lösung für einen Veranstaltungsort in Wallstadt zu finden“, sagt Löbel. Bedingung für einen Kauf durch die Stadt sei jedoch, dass die Kirche das Objekt zum aktuellen Marktpreis verkaufe. „Wir sind gerne bereit zu helfen, aber das kann dann keine Gewinnoptimierung für die Kirche sein, denn die Stadtverwaltung sollte stets wirtschaftlich handeln“, betont indes CDU-Fraktionschef Claudius Kranz. Doch um die in Wallstadt „beispielhafte soziale und gesellschaftliche Arbeit zu erhalten, sollte die Stadt das notwendige Geld in die Hand nehmen“, so Stadtrat Bernd Kupfer.

Auch die Mannheimer Liste hält es mit Blick auf die Bürgerhäuser in vielen anderen Vororten für „unabdingbar, dass sich auch in Wallstadt die Stadt engagiert, um dem gesellschaftlichen Leben den erforderlichen Raum zu geben“, so Stadtrat Roland Weiß. Die ML beantragt daher nicht nur den Kauf der Halle zum Buchwert von einem Euro, sondern zudem „Haushaltsmittel zur Finanzierung der Betriebsausgaben, die nach Abzug der Mieteinnahmen ungedeckt sind“, so der ML-Stadtrat. Schließlich sei die Halle „von zentraler Bedeutung für das gesellschaftliche Leben“.

Zurückhaltender äußert sich Wallstadts SPD-Stadträtin Claudia Schöning-Kalender. Zwar „spitzt sich die Situation noch einmal deutlich zu“, räumt auch sie mit Blick auf die Ankündigung der Kirche, das Areal zu verkaufen, ein. „Es macht allerdings überhaupt keinen Sinn, jetzt die Stadt zum Kauf einer extrem sanierungsbedürftigen Immobilie zu drängen und danach ein Nutzungskonzept zu erarbeiten“, glaubt sie. Vor Ankauf oder Neubau müsse „eine verlässliche Bedarfsanalyse und ein Nutzungskonzept erstellt werden“. Dafür beantrage die SPD-Fraktion ein Budget, „mit dem die Vertretung der Vereine sich hierfür auch fachliche Unterstützung holen kann“, so Schöning-Kalender.