Wallstadt

Wallstadt Drei Stolpersteine werden auf Initiative des Geschwister-Scholl-Gymnasiums verlegt

Kleine Denkmale im Gehweg

Archivartikel

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat jetzt in Wallstadt drei neue Stolpersteine verleget, sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Möglich gemacht wurde dies durch das Engagement des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) auf der Vogelstang. Das Geld für die Verlegung der Stolpersteine hatten Schüler, Eltern und Lehrer des GSG im Schuljahr 2017/2018 eingesammelt und dem Arbeitskreis Stolpersteine für Mannheim übergeben, der die Verlegung von insgesamt 23 solcher Denkmäler in der ganzen Stadt organisiert hatte.

Bei der Verlegung der Stolpersteine konnte Rolf Schönbrod vom Arbeitskreis gut 80 Interessierte begrüßen. Neben zahlreichen Schülern, Eltern und Lehrern waren auch die Stadträte Claudia Schöning-Kalender (SPD), Bernd Kupfer (CDU) und Dirk Grunert (Grüne), aber auch viele Bezirksbeiräte sowie Mitglieder von Vereinen und Initiativen gekommen.

Quader mit Messingplakette

Es braucht seine Zeit, bis Gunter Demnig den Pflasterstein und den Untergrund mit Hammer und Meißel zertrümmert hat. Dann aber ist er frei, der Raum für das Gedenken an das Katharina Büchler in der Gundelsheimer Straße. Und Gunter Demnig macht sich an die Arbeit. Er passt die Quader mit der glänzenden Messingplatte ein. Die Fugen verfüllt Demnig mit Granulat und Beton, der mit Wasser schnell aushärtet. Abschließend poliert er die Platten noch. Unter den Zuschauern bei der Verlegung war auch der Großneffe von Katharina Büchler: Für Stefan Alles, der noch heute in Wallstadt wohnt, ist die Stolperstein-Verlegung eine wenn auch „späte Würdigung des Euthanasie-Opfers“.

Mit Gedenkworten nach ihrer Spurensuche im Stadtarchiv gab Doktorandin Lea Oberländer der Wallstadter Bürgerin Katharina Büchler, geborene Alles, ein Gesicht. Sie wurde 1905 geboren und 1932 in die Heilanstalt Wiesloch eingewiesen. Am 20. November 1940 wurde Katharina Büchler nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Mit einem Gebet bat Pfarrerin Anna Baltes das Opfer des Nazi-Terrors um Vergebung dafür, dass es so lange vergessen wurde. „Ruhe in Frieden!“ sagte sie, bevor man zur nächsten Verlegung schritt.

Ausreichend Spenden gesammelt

In der Kreuzstraße konnte Marco Brenneisen vom Marchivum auch drei Urenkel und einen Ururenkel von Gertrud und Adolf Graetzer begrüßen. Das jüdische Arztehepaar wurde von den Nazis mit Berufsverbot belegt. Adolf Graetzer musste 1936 seine Praxis aufgeben, Gertrud Graetzer wurde als Schulärztin bereits 1934 entlassen. Beiden gelang die Flucht nach Ecuador. Miguel Graetzer, der in Ecuador geboren wurde und in Offenbach lebt, bedankte sich für die Stolpersteine zur Erinnerung an seine Urgroßeltern. „Das ist nicht nur eine Erinnerung an das jüdische Leiden, sondern auch eine Mahnung angesichts der heutigen Migration, dass so etwas nie wieder passiert.“

Da die GSG-Initiative ausreichend Spenden auch für einen vierten Stein gesammelt hatte, konnte die Schule auch eine weitere Patenschaft übernehmen – und zwar für einen Stein für Doris Herzberg, der dann am Nachmittag in der Neckarstadt verlegt wurde.