Wallstadt

Wallstadt Griechisches Restaurant geschlossen / Gebäude steht unter Denkmalschutz

Linde steht zum Verkauf

Archivartikel

Sie waren eine Institution im Stadtteil – aber nach 27 Jahren ist Schluss: Das griechische Restaurant Korfu in Wallstadt ist geschlossen. Nun soll das unter Denkmalschutz stehende markante Haus in der Gundelsheimer Straße 19 neu vermietet oder verkauft werden.

Familie Nastas hat lange mit sich gerungen, aus gesundheitlichen und familiären Gründen aber nun doch von der Gastronomie Abschied genommen. Koch Alexandros Nastas arbeitet jetzt in einer Schule. Nun sucht die Familie Nachfolger, die in dem Haus vielleicht auch wieder ein Lokal eröffnen – zumal es nicht mehr viele Gaststätten in dem Ort gibt.

Das Gebäude, in dem sich zudem Mietwohnungen befinden, steht nach Auskunft von Stadtkonservatorin Monika Ryll „aus künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz“. Dabei bildet es mit dem Gebäude Gundelsheimer Straße 21 – dem ehemaligen Saalbau und alten Kino, heute Getränkemarkt von Yilmaz Kalender – „als architektonische Sachgesamtheit ein Kulturdenkmal“, so Ryll.

Das Eckgebäude wurde 1904 – diese Jahreszahl ist auch an der Fassade zu sehen – nach Plänen des Baumeisters Paul Löb als Gaststätte Zur Linde in der damaligen Feudenheimer Straße errichtet. Südlich der heutigen Königshofener Straße waren Felder. Die Linde ist eines der ersten Gebäude der ersten Erweiterung des Orts, der lange auf die Bereiche rund um Rathaus begrenzt war. Der angrenzende Saalbau entstand 1907 als Tanzlokal und Turnsaal, diente ab 1951 bis 1960 als Kino und wurde von Yimaz Kalender aufwendig saniert.

„Die historisierenden Putzbauten mit Jugendstileinflüssen sind ein bezeichnendes Beispiel des Ausbaus des damals noch selbstständigen Vorortes mit gut gestalteten Gebäuden“, verweist Ryll auf „eine reich gestaltete Gliederung aus Sandstein“ mit Sockel, Volutengiebel, Ecklisenen, Fensterrahmen und Inschriftentafel.

Der Erbauer wird in den Jahren 1904 bis 1911 und dann noch mal 195 bis 1925 auch als Wirt der Linde in alten Chroniken aufgeführt, die Norbert Leidig vom Arbeitskreis Heimatgeschichte für sein Buch zur Gastronomiegeschichte ausgewertet hat. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Linde das Vereinslokal der Sänger von Germania und Sängerkreis. Mitten im Krieg, 1941, wurde es für Wohnzwecke beschlagnahmt, danach von amerikanischen Truppen.

Feldküche der Amerikaner

„Im Hof befand sich eine Feldküche der Armee-Angehörigen. Die Abfälle der Küche waren heiß begehrt, vor allem der Kaffeesatz wurde in mancher Wallstadter Küche noch einmal zur Zubereitung von Kaffee verwendet“, weiß Leidig aus Schilderungen alter Wallstadter aus der ärmlichen Nachkriegszeit. 1950 zogen die Soldaten ab und das Anwesen wurde zum Fotoatelier. Ab 1953 diente es wieder als Gaststätte. 1957 wurde es von den Töchtern des Erbauers testamentarisch an die katholische Kirche übereignet, die es – ohne Grundstück, nur mit Erbbaurecht – 1997 an die heutigen Eigentümer verkaufte.

In den 1990er Jahren erhielt die Linde den Zusatz Taverna Korfu, bis der Name Linde ganz verschwand. Alte Wallstadter nennen das Lokal aber immer noch so.