Wallstadt

Wallstadt Krimi-Autorin Claudia Schmid liest in Max Kelchners Buchhandlung

„Mörderische“ Geschichten

Archivartikel

Auf dem Lesetisch stand ein weißer Totenkopf mit roter Kerze darin, eine Art morbider Glücksbringer, der optisch die von den Geschichten ausgehende Atmosphäre sublim unterstrich. „Den habe ich immer dabei, ich habe noch einen in Schwarz. Ein bisschen kindisch, ja“, zeigte sich Krimiautorin Claudia Schmid selbstironisch. Vor wenigen Wochen ist ihr neues Buch „Mörderische Bergstraße“ erschienen, das elf Kurzgeschichten und 125 Freizeittipps enthält. Jetzt war die Autorin in der Buchhandlung von Max Kelchner zu Gast, um Besuchern auszugsweise den Krimiband vorzustellen. Es war eine Veranstaltung im Rahmen des 5. Krimifestivals Kurpfalz.

Kriselnde Beziehungen

Wenn sich eine Ehefrau am Kleidungsstil des männlichen Partners aufreibt, könnte das ein Symptom dafür sein, dass die Beziehung zu kriseln beginnt. Besonders dann, wenn familiäre Unterhaltungen nicht mehr verbal über dem Küchentisch geführt werden, sondern mit kräftigen Tritten verstohlen unterhalb der Tischplatte. Von einer solchen Problemehe, nicht ganz frei von schwarzem Humor, erzählt die Kurzgeschichte „Gute Freunde (Darmstadt)“ der Krimiautorin Claudia Schmid. Wobei sich die darin auftretende fiktive Ehefrau Edelgard, von krimineller Energie getrieben, in der Fantasie ausmalt, wie der lästige Gatte um die Ecke gebracht werden könnte. „Zeugenaussagen sollen nachher belegen, ich habe meinen Mann abgöttisch geliebt“, zitierte Claudia Schmid, die in Seckenheim wohnt, aus ihrem Kurzgeschichtenband „Mörderische Bergstraße“, der im Gmeiner-Verlag erschienen ist.

Mit ihrem jüngsten literarischen Werk ist der Germanistin, die während der Wallstädter Lesung einen winzig kleinen Revolver als silberne Kette um den Hals trug, erneut eine sprachlich routiniert und im Spannungsaufbau souverän verfasste Publikation gelungen. „Die Edelgard gehört zu den Leuten, die im Hotelzimmer die Betten abziehen, um nachzuschauen, ob es auch darunter sauber ist“, amüsierte sich Autorin Claudia Schmid über die von ihr erschaffene Figur.

In diesem Kapitel verewigte die Krimi-Autorin, die alle Handlungsorte persönlich bereist, bevor sie in ihre Romane einfließen, nebenbei literarisch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung im Glückert-Haus in Darmstadt. Denn das bereitet der Geschichten-Erfinderin spürbare Freude, stellenweise in Nebensätzen viel Lokalkolorit einzustreuen, um den Wiedererkennungswert der Schauplätze zu garantieren. Durch ihr skurriles Personal sind alle Kurzgeschichten miteinander verwoben und bauen aufeinander auf.

In der Pause verköstigte Moderatorin Sabine Kelchner, die Mutter von Buchhändler Max Kelchner, die Besucher mit selbst gemachtem Spundekäs’ und Äppelwoi.

In Schmids Band „Mörderische Bergstraße“ sind wieder Freizeittipps eingestreut – etwa die Burg Frankenstein im südhessischen Odenwald nahe Darmstadt-Eberstadt. Einer Legende nach soll diese Burg die reisende Schriftstellerin Mary Shelley zu ihrem weltliterarischen Klassiker „Frankenstein“ inspiriert haben. Für Literaturinteressierte also ein ideales Ziel für den nächsten Sonntagsausflug. hfm