Wallstadt

Wallstadt Bezirksbeirat kritisiert erneut Mangel an Plätzen für die Kinderbetreuung / Noch keine neue Bedarfsplanung

„Pflichtaufgabe nicht erfüllt“

Christel Spohni (SPD) wusste von einer „Mutter, die mit den Nerven am Ende ist, weil sie keinen Platz findet“: Erneut beschäftigte sich der Bezirksbeirat Wallstadt mit Lücken bei der Kinderbetreuung. „Wir hatten schon weitaus schlimmere Zustände, aber es gibt immer noch eine Unterdeckung“, kritisierte SPD-Sprecher Thorsten Schurse und verwies auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz: „Da hat die Kommune eine Pflichtaufgabe nicht erfüllt!“

Dem widersprach aber Peter Schäfer, der Leiter des Jugendamtes. „Der Rechtsanspruch bezieht sich nicht auf den Wohnort, sondern ist eine gesamtstädtische Aufgabe“. Nach dem Stand am letzten Stichtag, dem 1. Januar, gebe es in Wallstadt im Krippenbereich eine Versorgungsquote von 31,1 Prozent und neun unversorgte Babys. Beim Kindergarten liege die Versorgungsquote bei 94,3 Prozent. Den elf unversorgten Kindern stünden aber 21 freie Plätze in den Einrichtungen gegenüber, sagte Schäfer.

Zugleich stellte der Amtsleiter klar, dass „unversorgt“ nicht immer bedeute, dass das jeweilige Kind gar nicht untergekommen sei. „Es ist nur unter Umständen nicht in dem Kindergarten, den die Eltern sich wünschten, oder nicht für die gewünschte zeitliche Dauer – also etwa kein Ganztagsplatz“. Und gerade „die Nachfrage nach Ganztagesplätzen ist das Thema“, wusste Schäfer.

Personal fehlt

Das bekräftigte Christel Spohni mit einem konkreten Beispiel wie auch ein Bürger, der sich zu Wort meldete und seine Probleme schilderte. Wer etwa außerhalb von Mannheim arbeite und auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sei, habe schon Probleme, bei einer Ganztagsbetreuung seinen Nachwuchs rechtzeitig abzuholen. „Die Politik fordert doch immer flexible Arbeitszeiten, aber die Kindergärten sind nicht darauf ausgelegt“, kritisierte er. „Es wäre schon viel gewonnen“, meinte er, wenn man die vorhandenen Einrichtungen einfach länger öffne.

„Aber oft ist auch die Fachkräftegewinnung der Knackpunkt“, entgegnete da Raymond Fojkar, Stadtrat der Grünen. Er erinnerte daran, dass bereits bei der Wallstater Bezirksbeiratssitzung im Januar die Leiterin des katholischen Kinderhauses Edith Stein geschildert habe, wie sehr ihr Mitarbeiter fehlen. „Daran hängt es oft“, bekräftigte die Sitzungsleiterin, SPD-Stadträtin Claudia Schöning-Kalender.

Wer in Einzelfällen Probleme habe, könne sich an die „Servicestelle Eltern“ wenden, informierte Peter Schäfer auf Anfrage der CDU-Bezirksbeiräte Martin Dubbert und Rüdiger Löb. Die versuche, freie Plätze in anderen Stadtteilen zu vermitteln. Zudem suche die Stadt weiter Angebote zur Kindertagespflege (KTP). Da seien in Wallstadt aktuell drei Personen tätig, die in ihrem eigenen Haushalt insgesamt elf Plätze (Teilzeit- und Vollzeitplätze) anbieten. Ab September würden drei Plätze im Krippenbereich frei. Kindertagespflege in anderen Räumen als Privathaushalte gebe es derzeit in Wallstadt nicht.

Hoffnung auf Neubau oder Erweiterung bestehender Kindergärten in Wallstadt konnte Schäfer den Bezirksbeiräten nicht machen. Zwar sei eine neue Bedarfsplanung vorgesehen, so der Amtsleiter. Eine wesentliche Grundlage stelle die Bevölkerungsprognose der kommunalen Statistikstelle bis zum Jahr 2038 dar.

Die habe zwar ursprünglich im Frühjahr beschlossen und veröffentlicht werden sollen, doch das sei „bisher nicht erfolgt“, so Schäfer: „Wir hängen da etwas in der Schleife“, räumte er ein. Man müsse das dann aufbereiten und werde sowohl gesamtstädtisch als auch stadteilbezogen festlegen, was fehle. „Und dann muss man sehen, was personell möglich und finanziell leistbar ist“, erklärte der Chef des Jugendamtes. In jedem Fall werde man die neue Planung „frühestmöglich“ vorstellen, im Jugendhilfeausschuss und dann auch im Bezirksbeirat.