Wallstadt

Östliche Stadtteile Bürgergemeinschaft bittet Feudenheimer um Beleuchtung der Häuser / Viele kleine Aktionen der Kindergärten ersetzen die Martinszüge

Schattenspiele und Lichttüten

Archivartikel

Reinhold Eichler wird sein Pferd „Dragão“ nicht satteln – obwohl es ihm immer viel Spaß gemacht hat. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist seit Jahren der Martinsreiter beim großen Martinsumzug der Feudenheimer Bürgergemeinschaft – doch gerade als Mediziner weiß er um die Gefahren des Coronavirus. „Persönlich tut es mir sehr leid, aber die jetzige Situation lässt leider keine andere Entscheidung zu“, begrüßt Eichler die Absage. Aber dennoch gibt es viele Aktionen rund um St. Martin in den östlichen Stadtteilen.

Die Bürgergemeinschaft Feudenheim ruft die Anwohner dazu auf, Fenster und Türen am 11. November mit Lichtern und Kerzen festlich zu dekorieren. Zwar habe man auch von der Idee eines abgespeckten Martinszuges mit weniger als der sonst üblichen über 300 Teilnehmern wegen der steigenden Infektionszahlen Abstand genommen, so der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft, Karlheinz Steiner. Aber da an dem Abend sicher viele Eltern allein mit ihren Kindern und Laterne unterwegs sein werden, wie sein Stellvertreter Christian Schultze weiß. Die Bürgergemeinschaft appelliert daher an die Feudenheimer, zu einer „festlichen Atmosphäre“ beizutragen, so die Vorstandsmitglieder Birgit Sandner-Schmitt, Iris Freund und Thomas Frank.

Feudenheim

Im Kinderhaus St. Peter und Paul Feudenheim fällt St. Martin auch nicht komplett aus. „Wir wollen, dass die Kinder das Fest trotz der Einschränkungen erleben dürfen“, so Leiterin Sabine Wieser. Sonst kommen zwar ganze Familien, auch viele ehemalige Kindergartenkinder und Freunde – das gehe nicht, erklärt Wieser. In diesem Jahr dürfen nur die Kindergartenkinder in das Haus und auf das Gelände. Die Mädchen und Jungen werden getrennt nach Stockwerken an verschiedenen Tagen, in der Dämmerung von den Eltern an die jeweiligen Eingänge gebracht. Ein Schattenspiel zu St. Martin vertieft die den Kindern bereits bekannte Legende. „Unser ausreichend großer Garten lässt auch einen kleinen Martinsumzug zu, für ein Lichtermeer aus Laternen, welche die Kinder selbst gebastelt oder mitgebracht haben“, kündigt Wieser an. Auch ein Martinsfeuer werde in einer kleinen Feuerschale entzündet. „Den obligatorischen Martinsmann bekommen die Kinder dann mit nach Hause“, so Wieser.

Käfertal

Auch in Käfertal haben sich die Erzieherinnen etwas einfallen lassen. „Wir feiern in den Gruppen, zudem gibt es bei uns St. Martin to go“, erzählt Gioselinda Goebel, die Leiterin des Kindergartens St. Hildegard. Die Kinder bekommen Tüten mit Rezepten und Texten, um zu Hause mit den Eltern das Fest begehen zu können. „Wir basteln auch zusammen Laternen, die sie dann mitnehmen und auch als Tischlaterne verwenden können“, so Goebel: „Schade, aber mehr ist leider nicht machbar – aber irgendetwas wollten wir einfach tun“, betont sie.

Der traditionell größte Käfertaler Martinszug, der von St. Laurentius, ist zwar abgesagt. „Das Mitmachteam wollte als Alternative einen Stationenweg mit realen und virtuellen Stationen, die über QR-Codes abrufbar sind, anbieten“, berichtet Angelika Pfützer vom Pfarrgemeinderat – aber die Planungen wurden gestoppt, als die Infektionszahlen so stark stiegen, „schweren Herzens“, so Pfützer. Dafür verteilt die Gemeinde Lichttüten in den Käfertaler Schulen und im Kinderhaus. „Die Idee ist, dass jedes Kind zwei Tüten erhält und dann eine weiterverschenkt“, erläutert Pfützer. Die Tüten sollen in der Woche vom 8. bis 15. November jeweils um 18 Uhr in die Fenster gestellt werden. In den Tüten ist eine Broschüre zu St. Martin, die neben Geschichten und Rätsel auch einen QR-Code enthält, der zur Homepage der Seelsorgeeinheit Maria Magdalena führt, wo die ursprünglich geplanten Stationen zu finden sind.

Vogelstang

Auf der Vogelstang verzichtet der Gemeinnützige Bürgerverein, der sich sonst mit allen Kindergärten und der Grundschule zusammengetan hatte, auf den Martinszug. „Aber für uns hat die Vermittlung des thematischen, christlichen Bezugs einen größeren Stellenwert als die Umsetzung der reinen Feierlichkeit“, betont Kirsten Kornmüller, Leiterin des Kindergartens Zwölf Apostel. Dort wird den Kindern die Legende mit Hilfe eines Schattentheaters oder mit dem Bilderbuch-Kino (Kamishibai) erklärt. Im Anschluss findet ein gemeinsamer Umtrunk mit warmen Apfelsaft sowie Aufbackbrezeln statt. „Dann werden die Kinder einen kleinen Umzug durch die Einrichtung machen – mit selbstgestalteten Mini-Laternen ohne Laternenstöcke“, erklärt Kornmüller. Schließlich bekommen die Kinder eine „St. Martinsfest-To- Go-Tüte“ mit Fingerspieltext, Ausmalbild und „einer kleinen Leckerei“. Zusätzlich können die Eltern in der Tüte einen Link zu einem YouTube Kanal finden, der eine eigens angelegte Playlist, sowie ein kurzes Video zur Martinslegende, beinhaltet. „So hat man als Familie bereits musikalische Untermalung für das innerfamiliäre Martinsfest“, sagt sie.

Wallstadt

„Wir wollen auch nicht, dass für die Kinder das Martinsfest ausfällt“, unterstreicht Diana Nicolaus, Leiterin vom Kinderhaus Edith Stein Wallstadt. Hier hat jede Gruppe einen anderen Treffpunkt vor dem Haus. „Auf unserem Gelände läuft dann jede Gruppe für sich, mit den in den Gruppen gebastelten, ganz tollen Laternen, eine Runde im Garten“, erläutert Nicolaus das Konzept. Danach wird im Freien gefeiert. „Die Kinder bekommen feste Sitzplätze und sitzen nur mit ihrer Stammgruppe zusammen“, betont sie mit Blick auf die Hygieneregeln. „Wir machen ein kleines Martinsfeuer, singen ein, zwei Martinslieder und hören anhand digitaler Bildkarten die Martinslegende“, vorgetragen von Diakon Bernhard Kohl. Ihm war wichtig, dass trotz aller Probleme an der Tradition festgehalten wird.