Wallstadt

Wallstadt Uwe Kaliske vom Fachbereich Sport und Freizeit appelliert, bei Grünzugplanung jetzt schon Bedarfe mitzuteilen

„Vereine müssen sich bewegen“

Archivartikel

Der Bevölkerungszuwachs auf den Konversionsflächen bietet große Chancen für die umliegenden Sportvereine – sie müssen sie nur nutzen. Das war das Fazit beim dritten Kommunikationsboard, zu dem Wolfgang Gottmann von der SSV-Volleyballabteilung eingeladen hatte. Vereinsvertreter, sportpolitische Sprecher und von der Stadt Uwe Kaliske, Leiter des Fachbereichs Sport und Freizeit, sowie Klaus-Jürgen Amman von der Projektgruppe Konversion kamen im Jugendraum der Sportvereinigung Wallstadt zusammen, um über Perspektiven und Herausforderungen für die Vereine im Grünzug Nord-Ost zu diskutieren.

Dabei entsendete Moderator Gottmann gleich zu Beginn eine klare Botschaft: „Die Vereine müssen sich bewegen und ihre Hausaufgaben machen“. Wer Unterstützung von der Stadt wolle, müsse diese Forderungen auch klar darlegen. „Die Vereine sollten ihr Interesse und ihre Bedarfe formulieren“, appellierte Uwe Kaliske mit Blick auf die in Franklin und in Spinelli für Freizeit- und Sportaktivitäten zur Verfügung stehenden Flächen. „Wir planen völlig offen mit Platzhaltern“, betonte er. „Wir würden niemals eine Beachvolleyballanlage bauen, ohne konkrete Zusage, dass diese professionell bespielt wird.“ Insofern sei man bei der Schaffung von Sportangeboten auf die Nachfrage durch die Vereine angewiesen.

Und diese können durch den Bevölkerungszuwachs auf den Konversionsflächen nur gewinnen. Kaliske rechnete vor: Bei einem durchschnittlichen Organisationsgrad der Mannheimer Bevölkerung von 20 Prozent kämen mit den rund 13 000 zu erwartenden Neubürgern 2400 neue Vereinsmitglieder hinzu. Verteile man diese auf die 25 bis 30 Vereine in den umliegenden Stadtteilen, könne jeder Verein mit einem Zuwachs zwischen 50 und 100 Mitgliedern rechnen.

Reitweg auf Spinelli?

Aus Sicht von Stefanie Will-Fischer, der stellvertretenden Vorsitzenden beim Reiterverein Vogelstang-Wallstadt, ist nicht der Mitgliederzuwachs das Problem, sondern die Platzkapazitäten und Möglichkeiten, Ausritte anzubieten. „Wir müssen unsere Pferde momentan mit dem Hänger in den Käfertaler Wald fahren“, berichtete sie. Ein Reitweg vor Ort wäre ein absoluter Qualitätsgewinn. Ihr Vorschlag, in der Parkschale auf Spinelli einen eigenen Reitweg anzulegen, wurde denn auch gleich ins Protokoll aufgenommen. Bernd Konetschny von der DJK Wallstadt machte auf das Problem der ehrenamtlichen Betreuung aufmerksam: „Wir haben kein Problem, zusätzliche Mitglieder aufzunehmen, aber wir haben ein Problem, sie anschließend unterzubringen.“

Offene Angebote, beispielsweise im Unteren Luisenpark, zeigen, dass Vereinssport nicht mehr unbedingt an das eigene Gelände gebunden sein muss. Auch die von der Stadt zur Verfügung gestellten Flächen auf Spinelli werden öffentlich sein. Das Leichtathletikstadion in Franklin werde keine Umzäunung haben, kündigte Kaliske an. Aber kann das überhaupt funktionieren, wenn sich Vereinssportler und informeller Sport eine Anlage teilen müssen? Können Vereine für ihre Mitglieder auf solchen Flächen überhaupt verlässliche Trainingszeiten gewährleisten? Die Erfahrungswerte auf öffentlichen Anlagen wie dem 48er Platz, im Luisenpark oder am Schlossplatz zeigen laut Kaliske, dass es kaum zu Konflikten komme. Vereinssportler und freie Sportgruppen würden sich arrangieren.

Der Mannheimer DJK-Vorsitzende Karlheinz Moll erkundigte sich nach Umkleide- und Duschmöglichkeiten. Die Vereinssportler, die ja einen Beitrag zahlten, hätten einen Anspruch darauf. Uwe Kaliske verwies auf die Bezirkssportanlage mit Umkleideräumen und Duschen am Rande der Parkschale von Spinelli. Ansonsten reichten überdachte Fächer oder Spinde und freie Duschen. Die klassische Ausstattung werde von den Sporttreibenden teilweise gar nicht mehr nachgefragt.

Ein wichtiges Anliegen war den Vereinsvertretern, nochmals über eine Ausweitung der Hallenkapazitäten nachzudenken. Einige Vorstände bezweifelten, ob eine Doppelsporthalle (Franklin) und eine Einfachsporthalle (Spinelli) ausreichen. Uwe Kaliske sieht gesamtstädtisch betrachtet bei jetzigem Stand freie Belegungskapazitäten von 20 Prozent. Stadträtin Claudia Schöning-Kalender (SPD) fand es wichtig, schon jetzt für die Bewohner in Franklin ein Angebot zu schaffen. Roger Zeißner (DJK) regte an, die Außensportanlagen, wo möglich, mit Flutlicht auszustatten. Wer abends länger draußen trainieren könne, brauche keine Halle zu belegen.

Angebot das ganze Jahr über

Kaliskes Vorschlag, den Trainingsbetrieb auf die Sommermonate zu beschränken und im Winter auszusetzen, ging manchen Vereinsvertretern aber dann doch zu weit. „Ein ganzjähriges Angebot macht einen Stadtteil auch attraktiv“, wandte die IWV-Vorsitzende Manuela Müller ein. „Sie können einen Verein nur am Leben halten, wenn Sie Mitglieder haben, die das ganze Jahr zum Verein stehen.“

Schließlich profitiere die Stadt sehr von den Vereinen und dem ausgeübten Ehrenamt. Nach Meinung von Bernd Konetschny darf der informelle Sport nicht auf Kosten des Vereinssports gehen. Er bat darum, die niederschwelligen Angebote nicht als Vorwand dafür zu benutzen, um für die Vereinsarbeit weniger oder gar nichts mehr zu tun.