Wallstadt

Wallstadt Open-Air-Kino vom Bund der Selbstständigen auf dem Rathausplatz endet im Gewitter – aber viele Besucher bleiben dennoch

Viel Beifall trotz Blitz und Donner

Archivartikel

„Wahnsinn“, strahlt Michael Penczek, als gegen 23.15 Uhr die Leinwand wieder dunkel ist und kräftiger Beifall aufbrandet: „Vielen lieben Dank, Wallstadt!“, ruft er begeistert aus. Denn trotz Gewitterwarnung, Regenschauer, Blitzen und Donner – das von ihm für den Bund der Selbstständigen (BDS) Wallstadt organisierte Open-Air-Kino auf dem Rathausplatz ist auch bei der zweiten Auflage ein Erfolg.

Schon eineinhalb Stunden vor dem Beginn herrscht Hochbetrieb beim Eiscafé, sind beim italienischen Restaurant auf dem Rathausplatz alle Plätze belegt, und die ersten Leute haben es sich auf Campingmöbeln gemütlich gemacht. Das Team vom Hofladen Bossert legt unter einem Zelt Bratwürste auf den Grill. Melanie Herm, die sonst ein Kosmetikstudio betreibt, bietet selbst gemachten Obatzter mit Brezeln an, die Frauen vom Weltladen Getränke und Süßigkeiten. Wer spezielle Kekse aus ihrem Sortiment wünscht, bekommt die von den Ehrenamtlichen sogar gebracht.

Picknick wie auf der Piazza

Dann geht es plötzlich ganz schnell: Kinder breiten Decken aus, und aus allen Richtungen laufen viele Menschen auf den Rathausplatz zu. Sie tragen Plastikstühle unter dem Arm, schleppen Campingsessel, hölzerne Klappstühlchen und moderne Falt-stühle, kommen mit Bollerwagen. Sogar ein Tischchen haben einige Leute mitgebracht, machen Picknick und öffnen Sektflaschen.

Langsam geht die Sonne unter, und der Rathausplatz wirkt wie eine südländische Piazza. Auch in der Parkbucht auf der anderen Straßenseite sitzen viele Leute – insgesamt sicher über 500. Das sind zwar etwas weniger als bei der Wallstadter Open-Air-Kino-Premiere 2018, aber immerhin gibt es für den Abend eine Gewitterwarnung.

Noch aber liegt über dem Ort ein Flair wie in der Toskana. „Eine gute Idee – der Platz ist ja auch hervorragend geeignet für so etwas“, lobt Stephan Buchner, der aus Straßenheim gekommen ist, die Initiative des BDS. „Mal etwas anderes – ich finde es schön hier“, sagt auch Sophie Stupp. „Super, gigantisch, toll hier“, schwärmt Jens Weber, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine, über die Aktion des BDS. Dass die nur eine Woche nach der Kerwe auf so große Resonanz stoße, zeige doch nur: „Wallstadt lebt!“, freut er sich. „Toll“, meint ebenso Michael Penczek („Die Brillenmacher“), der die Veranstaltung wieder mit Thomas Bossert für den BDS organisiert hat. Eine schlechte Nachricht indes hat er: Jan Meißner, der das Pilot-Double des Hauptdarstellers Elmar Wepper war, kann wegen eines Unwetters über dem Thüringer Wald doch nicht nach Wallstadt kommen. Er hatte eigentlich mit seinem Flugzeug den Ort überfliegen, dann in Neuostheim landen und von dort zu den Wallstadtern kommen wollen.

Doch das ist vergessen, als die ersten Werbespots von Wallstadter Geschäftsleuten auf der fünf mal drei Meter großen Leinwand am Rathaus zu sehen sind. Über die originellen Präsentationen wird viel gelacht, oft gibt es Szenenapplaus.

Als es dann so richtig dunkel wird, läuft der Film „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ an – ein Werk mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, viel Humor, etwas Romantik und ein wenig Melancholie. Gebannt verfolgen die Wallstadter den Film, man hört zwischendurch nur ab und zu herumtollende, spielende Kinder.

Nach einer Stunde kommt indes Wind auf. Ab und zu blitzt es – Wetterleuchten oder mehr? Dumpfes Grollen und Knallgeräusche lassen sich zunächst auf das Feuerwerksfestival auf dem Maimarktgelände zurückführen. Aber dann, gegen 22.45 Uhr und eine halbe Stunde vor dem Ende des Films, gibt es doch ein Gewitter, zucken helle Blitze, donnert es, setzt Regen ein. Der Projektor wird mit einer Plastikplane abgedeckt. Einige Leute flüchten ganz schnell. Andere ziehen Regencapes über, rufen laut „Hinsetzen“, weil sie weiter den Film schauen wollen.

Am Ende ist es gut ein Drittel der ursprünglichen Besucher, das auch noch die letzten 30 Minuten ausharrt, den Film zu Ende schauen will. Und beim Abschlussapplaus – da regnet es dann auch nicht mehr.