Wallstadt

Wallstadt Urenkelinnen von Peter Löb als Ehrengäste beim Eingemeindungsjubiläum / Kirchenfenster gestiftet

Vom Maurer zum Millionär

Archivartikel

Sie kamen direkt aus Brüssel von einem Familientreffen, fanden die Einladung „eine wirklich sehr nette Geste“: Dagmar und Marion Herrmann, Urenkelinnen von Peter Löb, waren Ehrengäste der Matinee „90 Jahre Eingemeindung“ des Arbeitskreises Heimatgeschichte. Denn durch sie und einen glücklichen Zufall fand der Arbeitskreis heraus, dass ein Wallstadter einst große Karriere machte: Peter Löb.

„Beispiellose Entwicklung“

Löb – der Name sagt jedem Wallstadter etwas. Aber Dagmar und Marion Herrmann, die beide nicht im Ort wohnen, wollten bei der Vorbereitung eines Familientreffens mehr über ihre Verwandtschaft und ihre Geschichte wissen. Sie suchten im Telefon nach ihrem Nachnamen, landeten in Wallstadt und dort bei Verwandten. Letztlich empfahlen die aber auch den Kontakt zu Ortshistoriker Stefan M. Alles, der alle Verflechtungen über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinweg zu entschlüsseln versteht.

So stand jetzt bei der Feier Peter Löb „für eine beispiellose Erfolgsgeschichte“, so Alles, der die Zusammenhänge erforschte. 1854 als Sohn eines Bauern und Fuhrunternehmers in Wallstadt geboren, wurde Peter Löb bereits mit 14 Jahren nach Mannheim geschickt, „auf den Bau“, wie es damals hieß. Aber er arbeitete sich hoch, vom Maurer über die Position des Poliers bis zum Meister.

1879 heiratete er in Wallstadt Charlotte Heuchel. Sieben Kinder – vier Söhne und drei Töchter – entsprangen der Ehe. Um die Jahreswende 1887/88 verließ er Wallstadt, zog nach Mannheim und gründete in G 7,34 ein Baugeschäft. Über 100 Bauten, etwa die Rheinische Hypothekenbank in N 7 und das Arkadenhaus am Friedrichsplatz 10, errichtete er. Darüber hinaus handelte er auch erfolgreich mit Grundstücken, die er dann bebaute. Mehrfach zog er privat um – in immer größere Häuser: Von den Quadraten in die Gontardstraße auf dem Lindenhof, dann nach Neckarau, in die Hebelstraße und schließlich an ganz prominente Lage am Friedrichsplatz. Dazu kam noch ein Landhaus in Heidelberg, gelegen Am Wolfsbrunnenweg.

Aber seine Heimat Walstadt hat er nie vergessen: 1897 und damit zehn Jahre nach seinem Wegzug, so Stefan M. Alles, stiftete Löb das mittlere Kirchenfenster der zwischen 1868 und 1871 nach den Plänen von Hermann Behaghel erbauten Petruskirche. „Er wurde vom Maurer zum Millionär, eine beispiellose Entwicklung“, so Alles. „Schön, dass hier so an ihn erinnert wird“, freuen sich die Urenkelinnen.