Weinheim

Justiz Plädoyers im Prozess gegen ein Mörlenbacher Ehepaar

Freispruch für Mutter gefordert

Darmstadt/Mörlenbach.„Auf einmal geht es so schnell zu Ende.“ Oberstaatsanwalt Klaus Tietze-Kattge muss sich am Freitag kurz sammeln, nachdem die Richter am Landgericht Darmstadt die Beweisaufnahme im Doppelmordprozess gegen das Mörlenbacher Ehepaar für beendet erklärten. Es ist der neunte Verhandlungstag. Das Paar soll laut Anklage seinen 13 Jahre alten Sohn und die zehnjährige Tochter am 31. August 2018 im Haus der Familie im Mörlenbacher Ortsteil Bettenbach gemeinschaftlich mit einem Zimmermannshammer und einem Messer getötet haben.

Gemeinschaftlich begangen?

Für den Oberstaatsanwalt hat sich der Vorwurf bei der Beweisaufnahme bestätigt. Tietze-Kattge geht von einem Doppelmord aus niedrigen Beweggründen aus. Deshalb fordert er in seinem Plädoyer sowohl für den 59-jährigen Vater als auch für dessen 46-jährige Ehefrau eine lebenslange Gefängnisstrafe mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, um eine vorzeitige Haftentlassung zu verhindern.

Für eine gemeinschaftlich begangene Tat spricht auch die Aussage einer Zeugin, die über ein Gespräch mit der Angeklagten in der Justizvollzugsanstalt berichtete. Die Justizbedienstete hatte bei der Videoüberwachung der Zelle am 16. September – also sechs Wochen nach der Tat – bemerkt, dass Christiane H. weinte. Sie ging in die Zelle und kam mit der Angeklagten ins Gespräch, auch über die Tat. Dabei soll folgender Satz gefallen sein: „Der Deal zwischen meinem Mann und mir war, entweder alle oder keiner.“ Das spräche für einen gemeinsam gefassten Plan, die gesamte Familie auszulöschen.

Das sieht Rechtsanwalt Sebastian Göthlich, der die Mutter verteidigt, komplett anders: „Es gab keinen Plan“, betont er. Es gebe keinen Beweis, dass seine Mandantin an der Tatausführung beteiligt war. Keinen Beweis, dass sie dabei anwesend war. Und keinen Beweis, dass sie die Tat vorab mit ihrem Mann verabredet habe. Deshalb fordert Göthlich einen Freispruch für seine Mandantin. In diesem Moment geht ein leises Raunen durch den Zuschauerraum im Sitzungssaal 3 des Landgerichts. Die Blicke richten sich auf die Angeklagte, die hinter der Glastrennwand regungslos und mit verschränkten Armen auf ihrem Platz verharrt. Genau in dieser Haltung hat sie zuvor den Ausführungen ihres Verteidigers gelauscht.

Die Verhandlung wird am Montag, 17. Juni, um 9 Uhr im Saal 3 des Landgerichts Darmstadt fortgesetzt. Dann hat Verteidiger Roman Schweitzer das Wort – er vertritt den Angeklagten. Anschließend darf das Paar, ein letztes Mal selbst das Wort ergreifen, bevor sich das Gericht zur Urteilsfindung zurückzieht. Die Urteilsverkündung wird voraussichtlich am Mittwoch, 19. Juni, sein.