Weinheim

Weinheim Erhalt der Hildebrand’schen Mühle wird immer unwahrscheinlicher / Projektentwickler: „Wirtschaftlich unzumutbar“

Kosten schlagen den Denkmalschutz

Nähert sich das langjährige Trauerspiel um die Hildebrand’sche Mühle in Weinheim womöglich in absehbarer Zeit dem tragischen Ende? Manches deutet im Moment darauf hin. Seit August 2019 schützt zwar wieder ein Notdach die denkmalgeschützte Villa, aber der Verfall des Gebäudes setzte sich fort. Das gilt in besonderer Weise auch für den markanten und ebenso denkmalgeschützten Siloturm.

Konkrete Maßnahmen sind in den vergangenen Monaten nicht ergriffen worden, auch wenn die Stadt Weinheim nach Auskunft des Ersten Bürgermeisters Torsten Fetzner „immer wieder mal“ mit dem Projektentwickler Jochen Stahl von der Firma ICG telefoniert. Dieser vertritt die Interessen des Eigentümers, der laut Stahl seinen Hauptwohnsitz in der Schweiz hat.

Das Landesamt für Denkmalpflege wollte sich diese Woche nicht zur Hildebrand’schen Mühle äußern. Bürgermeister Fetzner hat die Hoffnung jedenfalls aufgegeben, dass die Denkmäler noch zu retten sind. Auf Anfrage dieser Redaktion teilte er mit: „Ich sehe nur eine Möglichkeit, das Projekt zu retten – und da muss man einfach realistisch sein. Der Eigentümer kann im Rahmen eines Abbruchantrags unter Umständen nachweisen, dass das Denkmal aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr sanierungsfähig ist. Als Bauingenieur sehe ich das Denkmal nicht mehr als sanierungsfähig an.“ Diese Auffassung vertritt Projektentwickler Stahl schon länger. Doch bislang sei dies beim Landesamt für Denkmalpflege immer anders beurteilt worden. Dort wurde in der Vergangenheit stets der Standpunkt vertreten, dass eine Sanierung technisch (noch) möglich sei. Trotzdem werde man nun einen Abrissantrag vorbereiten, erklärte Stahl. Dabei wolle man die „wirtschaftliche Unzumutbarkeit“ einer Sanierung nachweisen. „So schade das auch ist: Aber die Gebäude sind nicht mehr zu retten“, erklärte Stahl. Die Verantwortung dafür liege aber weder bei ihm noch bei der Stadt Weinheim, sondern beim vorherigen Eigentümer.

Und Fetzner ergänzte: „Trotz der völlig unbefriedigenden Situation muss man festhalten, dass der Wunsch des Gemeinderats und weiter Teile der Öffentlichkeit, ein Großbordell zu verhindern, erfüllt wurde. Auch wurde die marode und einsturzgefährdete Bausubstanz weitestgehend abgerissen.“