Weinheim

Weinheim Mehr als 12 000 vorwiegend junge Teilnehmer des Landesturnfestes versetzen die Stadt in Festivalstimmung

Zum Knutschen, diese Turner

Archivartikel

Mit nacktem Oberkörper und einer Flasche Bier in der Hand haben Basti und Max vom TSV Gruibingen gerade noch ihre Hip-Hop-Mädels an der Bühne am Amtshausplatz angefeuert. Jetzt will eine der Zuschauerinnen mit ihnen ein Selfie machen. Kein Zweifel mehr – die Turner sind da, und sie haben Festivalstimmung mitgebracht, wie man sie sonst nur von musikalischen Großereignissen wie etwa „Rock im Park“ kennt.

Junge Leute ziehen mit Schlafsack, Isomatte und einem Kasten Pils durch die Stadt. Dänische Akrobatinnen freuen sich im Drogeriemarkt wie verrückt darüber, dass es ihre Lieblingswimperntusche auch hier gibt. Das inoffizielle Turnfestmotto „Wir schwitzen nicht, das ist Glitzer!“ jedenfalls haben sich die Athletinnen zu Herzen genommen.

Wer in diesen Tagen in der Weinheimer Innenstadt unterwegs ist, der kommt an den Turnfestteilnehmern nicht vorbei. Viele haben gut sichtbar ihre Turnfestausweise um den Hals hängen, andere verraten sich dadurch, dass sie im Waldschwimmbad ganz lässig einen Flickflack machen, als wäre das so einfach wie Eis schlecken.

An der Bushaltestelle in der Institutstraße steht am Donnerstagmorgen ein älteres Ehepaar und wartet. Während die Frau mit einem Hula Hoop-Reifen in der Hand den Blick schweifen lässt, hat ihr Mann so gar keine Zeit, die Schönheit Weinheims auf sich wirken zu lassen. Er studiert lieber noch mal die Choreografie für seine Aufführung ein. Zwei Schritte nach links, dribbeln – nein, er schüttelt den Kopf, irgendwas stimmt noch nicht. Also wieder von vorne.

Und so mancher muss für ein bisschen Turnfestivalgefühl noch nicht einmal seine Wohnung verlassen. Aus dem Heisenberg-Gymnasium wummert am Mittwochabend „fröhliche Musik fröhlicher Sportler“, schreibt eine Leserin.

Aber nicht bei allen kommt die Partylaune so gut an. Auf der Facebook-Seite unserer Zeitung schreibt Jutta S.: „Ich finde das alles auch wunderbar. Aber vielleicht sollten sich die Verantwortlichen auch darum kümmern, dass Jugendliche sich nicht nachts um 0.30 Uhr an der Bonhoeffer-Schule betrinken, herumgrölen, laute Musik spielen und ihre Flaschen liegen lassen.“ vmr