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Vereinigte Staaten Eine ganze Reihe von Bewerbern will verhindern, dass der Präsident der Republikaner eine zweite Amtszeit im Weißen Haus bleiben kann

22 US-Demokraten suchen Herausforderung mit Trump

Archivartikel

Selten gab es in den USA so viele Demokraten, die um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat kämpfen. Die Spitzengruppe besteht gegenwärtig aus sechs Personen, die darauf Aussicht haben, gegen Präsident Donald Trump antreten zu können. Die anderen 16 Bewerber gelten als Außenseiter. Die Vorwahlen der Demokraten beginnen allerdings erst am 3. Februar 2020 – und bis dahin kann sich das Feld noch sortieren. Von unserem Korrespondenten Thomas Spang

Joe Biden (76)

Ehemaliger Vize-Präsident der USA

Zwei vergebliche Anläufe um die Präsidentschaftswahlen-Nominierung hat der Vizepräsident Barack Obamas bereits hinter sich. Im Unterschied zu den Kandidaturen 1998 und 2008 geht der langjährige Senator aus dem US-Bundesstaat Delaware diesmal als einer der Favoriten ins Rennen. Er präsentiert sich als legitimer Erbe Obamas, dem er acht Jahre lang loyal zur Seite stand. Das andere starke Argument für eine Biden-Nominierung ist seine Verankerung in dem weißen Arbeitermilieu, das die Demokraten im Rostgürtel und Mittleren Westen zurückgewinnen müssen. Als „Elder Statesman“ bietet Biden einen klaren Kontrast zu dem leicht aufbrausenden Donald Trump. Der volksnahe Joe empfiehlt sich als freundliche und verlässliche Alternative. Problematisch könnte sein Alter sein. Biden wäre mit 78 Jahren der älteste Präsident der US-Geschichte. Sein zuletzt in den Blick gerücktes Verhalten gegenüber Frauen, aber auch seine inhaltlichen Positionen erwecken den Eindruck, der Zentrist befinde sich nicht mehr so ganz im Einklang mit seiner Partei. Nicht wenige Analysten glauben, Biden habe den Zug ins Weiße Haus verpasst, als er 2016 zugunsten Hillary Clintons auf eine Kandidatur verzichtete.

Letzte Umfrage: 13 Prozent

Bernie Sanders (77)

Senator aus Vermont

Der Zweitplatzierte der Vorwahlen 2016 hat es geschafft, seine Anhänger bei der Stange zu halten. Er ist wie Biden bei allen Amerikanern bekannt und erfreut sich Unterstützung in der weißen Arbeiterschaft. Seine Strategie zielt darauf ab, speziell Wähler Donald Trumps zu umwerben. Ganz bewusst empfiehlt er sich als Kandidat, der nicht die Interessen des Establishments vertritt. Bernie wäre bei Amtsantritt noch ein Jahr älter als „Joe“, hat aber im Gegensatz zu diesem bewiesen, dass er auch junge Wähler ansprechen kann. Dank seiner kompromisslosen linken und progressiven Positionen genießt er breite Unterstützung bei den 19 bis 39 Jahre alten sogenannten „Millennials“. Trotz seiner Niederlage gegen Clinton sieht sich Sanders als Sieger, weil er die Partei zwang, die Regeln der parteiinternen Kandidatenauswahl zu ändern. Heute haben die Funktionäre bei den Vorwahlen weniger Einfluss als in der Vergangenheit. Zudem setzte er eine Reihe inhaltlicher Positionen durch. Die Forderungen nach „einer Krankenkasse für alle“, kostenloser Universitätsbildung und klare Positionen zum Klimawandel gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der demokratischen Präsidentschaftsbewerber.

Letzte Umfrage: 9 Prozent

Kamala Harris (54)

Senatorin in Kalifornien

Die Tochter eines Professors aus Jamaika und einer Krebsforscherin aus Indien verkörpert denselben Appeal wie Barack Obama 2008. Wie dieser besuchte auch Kamala Harris Eliteschulen und machte als Juristin eine politische Blitzkarriere als erste farbige Chefanklägerin des größten US-Bundesstaates Kalifornien und nun als deren Senatorin. Harris fiel im Kongress wiederholt durch ihre messerscharfen Befragungen von Angehörigen der Trump-Regierung auf. Mit viel Charisma und Charme schlägt sie eine Brücke zwischen Zentristen und Progressiven in der Partei. Wobei sie inhaltlich eher linke Positionen bezieht. Sie fordert ein öffentliches Gesundheitssystem für alle, verspricht, notfalls im Alleingang schärfere Beschränkungen beim Waffenbesitz durchzusetzen, und unterstützt die Amtsenthebung von Donald Trump. Im Unterschied zu Biden und Sanders bediente sie den Wunsch an der Basis der Demokraten, endlich eine Frau ins Weiße Haus zu schicken. Zudem stünde sie für einen Generationenwechsel. Ihre Stärken könnten sich bei der Klientel, die Trump gewählt hat, allerdings als Nachteil erweisen. Frauenfeindlichkeit und Rassismus sind dort nicht fremd.

Letzte Umfrage: 4 Prozent

Elizabeth Warren (69)

Senatorin in Massachusetts

Die andere aussichtsreiche Kandidatin im Rennen hat etwas, das Harris fehlt. Sie stammt aus denselben kleinen Verhältnissen, aus denen viele der Anhänger Donald Trumps kommen. Sie wuchs als eines von vier Kindern in Oklahoma auf. Warren verkörpert den amerikanischen Traum, der heute für viele nicht mehr erreichbar scheint. Sie arbeitete sich aus ärmlichen Verhältnissen zur Rechtsprofessur an der Harvard Law School hoch. 2012 kandidierte sie für den Senat und vertritt Massachusetts seitdem im US-Kongress. Warren warf unter den Favoriten im demokratischen Bewerberfeld als Erste ihren Hut in den Ring. Die linke Politikerin sprudelt nur so vor neuen Ideen: Zugang zu kostenloser Bildung, bezahlbare Krankenversicherung, Elternurlaub, Umverteilung der gesellschaftlichen Lasten von unten nach oben. . . Geschadet hat Warren die Kontroverse um ihre angeblich indigene Herkunft. Trump macht sich über sie als „Pocahontas“ lustig, weil ein freiwilliger DNA-Test ergab, dass sie nur zu einem verschwindenden Bruchteil die Gene amerikanischer Urbewohner in sich trägt.

Letzte Umfrage: 4 Prozent

Beto O’Rourke (46)

Ehemaliger Kongressabgeordneter El Paso

Der ehemalige Punk-Musiker, IT-Unternehmer und Kongressabgeordnete aus El Paso ist einer der beiden „Wunderjungen“ im Bewerberfeld. Jung, dynamisch und charismatisch, spricht er ein breites Publikum an. Im vergangenen Jahr hätte „Beto“ im tief republikanischen Texas fast den amtierenden Senator Ted Cruz geschlagen. Trump hat O’Rourke bereits als potenzielle Gefahr identifiziert und bei einer Kundgebung in El Paso ins Visier genommen. Im Unterschied zu den anderen Kandidaten aus der Spitzengruppe hat er große Teile seines Lebens in der Grenzregion zu Mexiko verbracht, spricht fließend Spanisch und versteht Einwanderungspolitik nicht nur aus der Theorie heraus. Nicht zuletzt deshalb ist er ein Befürworter offener Grenzen und freien Handels. Inhaltlich hat sich „Beto“ eher links der Mitte positioniert, wo er in demselben Teich fischt wie Biden, Harris und Buttigieg. Kritiker halten ihm vor, nicht genügend konkret mit seinen Vorschlägen zu sein. O’Rourke setzt auf einen Persönlichkeits-Wahlkampf, der ihm bereits Rekordsummen an Kleinspenden eingebracht hat.

Letzte Umfrage: 3 Prozent

Peter Buttigieg (37)

Bürgermeister von South Bend, Indiana

Buttigieg ist der jüngste Kandidat in der Spitzengruppe und konkurriert mit Beto um die Auszeichnung des „Wunderjungen“ der Partei. Gewiss hat er wie dieser Ausstrahlung, rhetorisches Talent und Neuigkeitswert. Als offen schwuler Kandidat repräsentiert er eine neue Generation an Politikern, die selbstbewusst zu Geschlecht, Rasse und Herkunft stehen. Der Sohn einer Akademiker-Familie mit Wurzeln in Malta spricht sieben Sprachen, hat Abschlüsse aus Harvard und Oxford, diente den US-Streitkräften als Geheimdienstoffizier in Afghanistan und regiert bereits seit sieben Jahren als Bürgermeister der mittelgroßen Stadt South Bend in Indiana. Buttigieg verkauft sich als Moderater, der die Werte des Mittleren Westens nach Washington bringen will. Ein Pragmatiker, der anders als Beto auf die Schärfe des Arguments statt auf Emotion setzt. Wobei beide verstanden haben, politische Inhalte mit anderen Worten zu kommunizieren. Als Jüngster im Feld grenzt sich „Mayor Pete“ von Biden und Sanders ab, indem er auf einen Generationenwechsel in der Politik pocht.

Letzte Umfrage: 5 Prozent

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